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Deutscher zeichnet Lucky Luke Was macht ein Cowboy auf 'nem Fahrrad?

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Jede Menge Action: Lucky Luke ist mit dem Fahrrad unterwegs.

(Foto: Egmont Publishing / (c) Lucky Comics, 2019. All Rights Reserved - by Mawil)

Da wird Jolly Jumper eifersüchtig: Lucky Luke wechselt den Sattel und kurvt auf dem Drahtesel durch den Wilden Westen. Es ist das erste Abenteuer des Cowboys aus der Feder eines Deutschen. Mawil gelingt ein rasantes Comic-Abenteuer und ein Plädoyer für das Fahrrad.

Herrentag - das ist der Tag, an dem selbst gestandene SUV-Besitzer mal ihr Fahrrad aus dem Keller holen. Sie entstauben es, pumpen die Reifen auf, schmücken es mit einem Birkenzweig und machen sich auf den Weg zur nächsten Kneipe.

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Lucky Luke lernt Albert Overman kennen und hilft ihm aus der Patsche.

(Foto: Egmont Publishing / (c) Lucky Comics, 2019. All Rights Reserved - by Mawil)

Wenn es nach Mawil geht, könnten Autofahrer ruhig öfter mal ihren Drahtesel benutzen. Der Comiczeichner ist ein ausgesprochener Fahrrad-Fan. Dementsprechend taucht es auch immer wieder in seinen Büchern auf. Das gilt erst recht für sein neuestes Werk, das man durchaus als historisch bezeichnen darf. Denn "Lucky Luke sattelt um" ist das erste Album über den berühmten Cowboy, das aus der Feder eines Deutschen stammt. Nach dem gelungenen "Spirou"-Album von Flix wird also erneut ein deutscher Zeichner in der Comicwelt geadelt.

Lange musste Mawil, der eigentlich Markus Witzel heißt, nicht überlegen, als er gefragt wurde, ob er gern den Mann, der schneller schießt als sein Schatten, zeichnen würde. "Natürlich ist das eine Chance, die man sich nicht entgehen lässt", sagt er im Gespräch mit n-tv.de. "Deshalb habe ich sofort zugesagt." Ziemlich schnell kam er auch auf das Thema, denn einen Fahrrad-Roadmovie in Comicform hatte er ohnehin geplant. Warum also nicht mit Lucky Luke? Das passt schließlich auch historisch, wie Mawil erklärt: "Das moderne Fahrrad, so wie wir es heute kennen, gibt es seit Ende des 19. Jahrhunderts." Das sei in etwa auch die Zeit, in der Lucky Luke durch die Prärie reitet.

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Ist Jolly Jumper jetzt überflüssig? Lucky Luke nimmt lieber das Fahrrad.

(Foto: Egmont Publishing / (c) Lucky Comics, 2019. All Rights Reserved - by Mawil)

Bei einem dieser Ritte begegnet Lucky Luke dem Ingenieur Albert Overman, der mit einer sperrigen Kiste auf dem Weg nach San Francisco ist. Der Cowboy rettet ihn aus einer brenzligen Situation und entschließt sich, ihn ein Stück zu begleiten. Doch bald schon werden beide getrennt und Luke entdeckt, was sich in der Kiste befindet: ein modernes Fahrrad, wie es bisher im Wilden Westen nahezu unbekannt ist.

"Meine eigene Version von Lucky Luke"

Lucky Luke wäre nicht er selbst, würde er Overman nicht aus der Patsche helfen. Er beschließt, umzusatteln, selbst in die Pedale zu treten und das Fahrrad nach San Francisco zu bringen, wo ein Wettrennen den Absatz ankurbeln soll. Doch damit verärgert Luke nicht nur seinen treuen Begleiter, das Pferd Jolly Jumper. Er bekommt es auch mit platten Reifen zu tun, mit Indianern und zwei Gangstern, die im Auftrag eines Konkurrenten um jeden Preis verhindern sollen, dass das Fahrrad ans Ziel kommt.

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Das Leid des Radfahrers: der Platten.

(Foto: Egmont Publishing / (c) Lucky Comics, 2019. All Rights Reserved - by Mawil)

Jenen Albert H. Overman gab es wirklich. Er hat zwar nicht das moderne Fahrrad erfunden, aber es als Erster in den USA produziert. Die Geschichte steht damit in bester Lucky-Luke-Tradition, indem sie historische Ereignisse mit fiktiven Elementen vermischt. Allerdings ist Mawils Band kein Teil der regulären Lucky-Luke-Alben. Er erscheint in der Hommage-Reihe, zu der bisher ein exzellenter ernster Band von Matthieu Bonhomme und ein klamaukiger von Guillaume Bouzard gehören. "Lucky Luke sattelt um" platziert sich irgendwo dazwischen. Er hat mehr Substanz als Bouzards Comic, bleibt aber dennoch stets als leichtfüßige Hommage erkennbar.

Das kommt Mawil durchaus entgegen. "Lucky Luke ist ja eigentlich eine recht simpel gezeichnete Figur", sagt er. Aber als neuer Zeichner bekomme man trotzdem nicht denselben Schwung hin wie der verstorbene Luke-Schöpfer Morris oder Achdé, der derzeit die Reihe fortsetzt. "Aber ich habe mir auch immer wieder vor Augen geführt, dass es eine Hommage ist. Ich mache also nicht Achdé seinen Job streitig, sondern zeichne meine eigene Version von Lucky Luke", so Mawil.

"Ich bin ein Fahrrad-Fan"

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Mawil im Selbstporträt - mit seiner Figur Super-Hasi.

(Foto: Mawil)

Der Berliner tut dies in seiner typischen Art: sehr actionreich, mit schnellem Strich, drei Fingern an den Händen sowie jeder Menge Humor und Anspielungen - vom Titelbild, das an einen berühmten Spielberg-Film erinnert, bis zum Indianerstamm der Söhne der großen Bärin. Und mit umherfliegenden Gliedmaßen - Experten sprechen bereits von der Schlaucharm-Schule. Mawil-Fans kommen ohnehin auf ihre Kosten. Nicht zuletzt, weil der schüchterne, etwas tollpatschige Overman direkt aus den anderen Büchern des Zeichners stammen könnte: "Dieser Mr. Overman ist natürlich eins zu eins ein Super-Hasi oder Mirko Watzke, einfach nur in einem anderen Kostüm", erklärt der Berliner.

Das mag manch einem Anhänger klassischer Lucky-Luke-Alben etwas zu viel Durcheinander sein. Doch wer den Band als das sieht, was er ist - eine ganz persönliche Verbeugung vor einem Comic-Klassiker -, wird auf den 60 Seiten bestens unterhalten. Dass Mawil dabei der mehr als 70 Jahre alten Figur noch neue Seiten abgewinnen kann, ist erstaunlich und spricht für den Zeichner.

Dazu gehört auch die Botschaft, die er untergebracht hat: seine Liebe zum Fahrrad. "Ich bin ein Fahrrad-Fan, weil es so einfach ist. Man kann alle Teile miteinander kombinieren und wenn etwas kaputt ist, sieht man es sofort", erklärt er und fügt an: "Das Fahrrad ist eine der menschlichen Erfindungen, bei der die Vorteile überwiegen." Dementsprechend bemängelt Mawil, dass sich der alltägliche Verkehr zu sehr nach den Autos richten würde. "Die Stadt sollte doch eigentlich für die Fußgänger und Fahrradfahrer sein", sagt er.

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Sogar eine Tour durch die USA, wie bei Lucky Luke, würde ihn reizen. Abschrecken würde den Zeichner lediglich, dass er das Zweirad dann verpacken und verschicken müsste. "Das Schöne am Fahrrad ist, dass man seine Tasche packt, sich aufs Fahrrad schwingt und dann bis zur Ostsee fährt", sagt Mawil. "Einfach direkt ins Blaue." In Berlin allerdings fahre er neuerdings nur mit Helm, erzählt er. Ist Fahrradfahren in der Hauptstadt gefährlicher als im Wilden Westen? Da lacht er nur und sagt: "Bestimmt".

"Lucky Luke sattelt um" ist als Hardcover in der Egmont Comic Collection erschienen. Das Softcover, erschienen bei Egmont Ehapa Media, ist im Zeitschriftenhandel erhältlich. Im Juli erscheint zudem eine limitierte Vorzugsausgabe.

Quelle: n-tv.de

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