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Polizistin und Mafiosa "Zara und Zoë" im dreckigen Marseille

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Alexander Oetker schickt seine Hauptfiguren ins südfranzösische Marseille.

(Foto: imago stock&people)

Alexander Oetker ist mit Regionalkrimis sehr erfolgreich. In seinem neuen Buch bleibt der Frankreich-Experte seinem Lieblingsland treu, doch der Ton wird deutlich rauer. Im Marseille dieser Tage spielen organisierte Kriminalität und fanatische Politiker ein blutiges Spiel.

Zara und Zoë sind Zwillinge, äußerlich kaum voneinander zu unterscheiden. In ihren Charakteren könnte der Unterschied allerdings kaum größer sein. Zara von Hardenberg ist Profilerin bei Europol. Manche sagen, sie ist die beste Polizistin, die die europäische Behörde je hatte. Zoë Coste ist auf ihre Art auch die Beste - die beste Killerin der korsischen Mafia. Die ungleichen Schwestern sind die Hauptfiguren im neuen Thriller von Bestsellerautor Alexander Oetker "Zara und Zoë - Rache in Marseille".

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Zara und Zoë - Rache in Marseille: Thriller (Die Profilerin und die Patin, Band 1)
EUR 14,99
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"Ich wollte nicht mehr über gescheiterte Kommissare schreiben", erzählt Oetker n-tv.de. "Deshalb sind die Zwillinge für mich Traumprotagonisten: Gut und Böse, vereint in zwei Zwillingsschwestern." Die Polizistin und die Mafiosa haben schon seit Jahren keinen Kontakt mehr. Doch nun wendet sich Zara ausgerechnet an Zoë. Denn in Marseille ist die Leiche der äußerst brutal ermordeten Aïcha gefunden worden. Weil es im Umfeld der gerade mal 14-jährigen Toten von islamistischen Terrorverdächtigen nur so wimmelt, wird Europol eingeschaltet und Zara von Hardenberg übernimmt.

Doch in der Cité La Castellane, dieser Welt ohne Regeln, kommt die Ermittlerin mit ihrer geradezu zwanghaften Gesetzestreue nicht weiter. Zwischen Drogenkriminalität, radikalem Islamismus und steigender Terrorgefahr kann sie die nächste Katastrophe schon spüren. Irgendetwas steht bevor, etwas, für das der Tod von Aïcha nur ein unbedeutendes Vorspiel war. Sie weiß genau, wann die Dinge in eine fatale Richtung laufen. Aber sie kann es nicht verhindern, weil sie nichts tun kann, was vor dem Gesetz nicht richtig ist.

Damit hat Zoë überhaupt kein Problem, wie sich schon bei der dramatischen Wiederbegegnung der entfremdeten Schwestern zeigt. "Wenn sie gewollt hätte, dass Zara tot wäre, dann wäre sie es längst." Und dass sie die Regeln beugen kann, heißt noch lange nicht, dass sie sich von der Schwester "benutzen" lässt. Doch Zara ist sehr überzeugend. Und so übernimmt Zoë an Zaras Stelle. Verstört und fasziniert zugleich beobachtet ihr schwedischer Mitstreiter Isaakson, wie seine geschätzte Kollegin Zara vom autistischen Lamm zur gewalttätigen Furie wird. Was die Europol-Experten nicht wissen: Auch die korsische Mafia beobachtet die Geschehnisse in der Cité äußerst aufmerksam. Und dann ist da noch der islamkritische und ausländerfeindliche Bürgermeisterkandidat Pierre-Eric Maréchal, der im Wahlkampf nicht eben zimperlich ist.

Kriminalität und Politik

"Ich wollte in Zeiten der Gilets Jaunes die Realität abbilden: riesige Probleme in den Vororten, radikalisierte Islamisten, korrupte Polizei", begründet Oetker das deutlich härtere Setting als in den Vorgängerbüchern. "In meiner Zeit als Frankreich-Korrespondent habe ich erfahren, dass es in Europa sehr wohl No-go-Areas gibt, keine 20 Minuten vom Eiffelturm entfernt. Da kommen Sie als Journalist nicht rein, selbst die Polizei rät Ihnen ab. Mein Kameramann hatte da mal eine Pistole am Kopf und war die Kamera los. Das ist Realität, auch heute noch."

Schritt für Schritt dringt Zoë als Zara weiter in das Geflecht aus Politik und Kriminalität vor. Nach Jahren der Abweisung wird es auch menschlich zwischen Isaakson und der vermeintlichen Zara wärmer. "Dieses 'In die Rolle der anderen schlüpfen' war mega spannend beim Schreibprozess", erzählt Oetker. "Es eröffnet so viele Möglichkeiten: Was würde die Mafiosa tun? Wovor würde die Polizistin zurückschrecken - und umgekehrt?"

Zoë, die Mafiosa, schreckt in "Rache in Marseille" vor gar nichts zurück und gerät schließlich selbst in allergrößte Gefahr, nicht nur enttarnt, sondern sogar getötet zu werden. Die härtere Gangart hat Oetker bewusst gewählt: "Ich hatte keinen Bock mehr, dass in Krimis immerzu nur Frauen und Kinder sterben. Hier nehmen die Frauen Rache - an gewalttätigen, brutalen und korrupten Männern." Trotzdem stellen sich die beiden Heldinnen "ganz normale Fragen: über Schuld, Angst und Sehnsucht". Darin sind sie wieder Luc Verlain, dem Kommissar im Aquitaine, gar nicht so unähnlich.

Wem Oetker bisher zu sanft, zu weinselig war, der bekommt jetzt eine deutlich härtere Seite des Autors zu sehen. "In den klassischen Regionalkrimis - auch in meinen - gibt es immer das Traum-Frankreich der Deutschen: Strand, Rotwein, Pinien", sagt Oetker selbst. Bei Zara und Zoë bekommt man das reale Frankreich dieser Tage, spannend und kenntnisreich in einen Thriller verpackt, der einem mehr als einmal den Atem nimmt und Lust auf mehr macht.

Quelle: n-tv.de

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