Kino

Justizdrama "Just Mercy" Ein Plädoyer für mehr Menschlichkeit

rev-1-JM-00621_High_Res_JPEG.jpeg

Walter McMillian (Jamie Foxx, l.) wurde offenbar unschuldig zum Tode verurteilt. Bryan Stevenson (Michael B. Jordan) setzt alles dran, um den Fall neu aufzurollen.

(Foto: Warner Bros./Jake Giles Netter)

"Just Mercy" erzählt die wahre Geschichte von Anwalt Bryan Stevenson, der seit über 30 Jahren in den USA für mehr Gerechtigkeit und gegen Rassismus kämpft. Es ist eine respektvolle und eindringliche Verbeugung vor einem modernen Helden.

2014 veröffentlicht der schwarze Anwalt Bryan Stevenson in den USA mit "Just Mercy" einen Erfahrungsbericht, der ein Jahr später in Deutschland unter dem Titel "Ohne Gnade" erscheint. Eine 30 Jahre zurückliegende Geschichte, die jetzt von Destin Daniel Cretton auf die Leinwand gebracht wurde und leider auch heute noch aktuell ist.

1987 wird in Monroeville im US-Bundesstaat Alabama eine junge Weiße vergewaltigt und ermordet. Schnell findet die Polizei mit dem schwarzen Forstarbeiter Walter McMillian (Jamie Foxx) einen Schuldigen, auch wenn die Faktenlage eigentlich gegen seine Täterschaft spricht. McMillian wird verurteilt und fristet sein Dasein im Todestrakt des Gefängnisses. Erst als Bryan Stevenson (Michael B. Jordan) auf der Bildfläche erscheint, empfinden McMillian und seine Familie wieder so etwas wie Hoffnung.

Gegen die Willkür

Der junge Anwalt - frisch von der Uni - hat es sich zum Ziel gesetzt, auf Profit zu pfeifen und lieber dorthin zu gehen, wo es wehtut. Er gründet mit seiner Kollegin Eva Ansley (Brie Larson) die gemeinnützige Organisation "Equal Justice Initiative", um sich für Menschen hinter Gittern einzusetzen, die sich eine gute Verteidigung eigentlich nicht leisten können. Und das sind damals wie heute vornehmlich schwarze Männer. Stevenson beginnt damit, den Fall von McMillian zu recherchieren und stößt auf eine Menge Ungereimtheiten. Als zudem herauskommt, dass der Hauptbelastungszeuge aufgrund eigennütziger Motive gelogen hat, sorgt das 1992 für eine Wiederaufnahme des Verfahrens.

JM-UKBBC1XTRA-0133.jpg

Michael B. Jordan, Bryan Stevenson und Jamie Foxx (v.l.) bei einer Sondervorstellung von "Just Mercy" Mitte Januar.

(Foto: Warner Bros. Entertainment)

Bryan Stevenson war seinerzeit einer der wenigen schwarzen Jura-Absolventen der Harvard-Universität, stammte selbst aus einfachen Verhältnissen. So legte seine eigene Sozialisation den Grundstein für das bis heute andauernde Engagement. Statt sich in einer großen Kanzlei dumm und dusselig zu verdienen, setzt er ich nun schon seit mehr als 30 Jahren gegen die Willkür von Polizei und Justiz in Alabama ein und gilt für viele als so etwas wie der neue Martin Luther King. "Just Mercy" erzählt von seinen Anfangstagen und dem aufrüttelnden McMillian-Fall, der nur einer von vielen Justizirrtümern ist, denen Rassismus und Diskriminierung zugrunde liegen.

Berührende Momente trotz konventioneller Inszenierung

Regisseur Cretton erzählt die Geschichte von Stevenson und McMillian chronologisch und recht konventionell. Er lässt lieber Fakten sprechen, als sich verspielter Kunstgriffe zu bedienen. So ist es beispielsweise frustrierend, als klar wird, dass die vielen Ungereimtheiten nicht einmal besonders gut vertuscht wurden, sondern vom Gericht schlicht ignoriert. Besonders beklemmend ist die Hinrichtung eines Todeskandidaten, die selbst zwar nicht im Bild ist, doch deren routiniertes Prozedere seitens der Justizbeamten den Zuschauer erschüttert zurücklässt. Dies ist nur einer von mehreren Momenten, in denen der Film einen Blick in andere Fälle abseits dem von McMillian gewährt und so zeigt, dass diese Ungerechtigkeit gang und gäbe ist.

Michael B. Jordan verkörpert den äußerlich ruhigen und bedacht handelnden Stevenson hervorragend, Jamie Foxx überzeugt als Walter McMillian, der die Hoffnung längst aufgegeben hat. Erst in den (toll geschriebenen) Dialogen mit Stevenson kehrt die Zuversicht langsam zu ihm zurück. Und wenn man es heute - 30 Jahre später - nicht besser wüsste: Am Ende des Films glaubt man beinahe, der Fall McMillian habe am Rechtssystem in den USA etwas ändern können.

Man möchte hoffen, dass die etwas biedere Inszenierung der Grund dafür ist, dass "Just Mercy" unter anderem bei den Oscars übergangen wurde. Ein anderer denkbarer Grund wäre nämlich die Wunde, in die die Thematik des Films sticht. Rassismus ist in den USA - und leider nicht nur dort - eben immer noch etwas, das zugunsten der guten Unterhaltung gern unter den Teppich gekehrt wird.

"Just Mercy" läuft ab dem 27. Februar in den Kinos.

Quelle: ntv.de