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Lessing, der Mörder? Der Weimarer "Tatort" im Schnellcheck

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Wird von der "harten Kern" (Nina Proll) verhört: Kommissar Lessing (Christian Ulmen)

(Foto: MDR/Wiedemann&Berg/Stephanie Kul)

In Weimar wird ein Schrottplatzbesitzer ermordet, die Tatwaffe gehört Kommissar Lessing. Während Kollegin Dorn versucht, die Unschuld ihres Ehemanns zu beweisen, macht ihnen eine interne Ermittlerin das Leben schwer. Und die Zuschauer dürfen sich freuen.

Das Szenario

Kommissar Lessing (Christian Ulmen) ist am Boden zerstört: Der Schrottplatzbesitzer Harald Knopp (Heiko Pinkowski), den er in seinen Augen zweifelsfrei des Mordes an einer alten Dame überführt hatte, wird vor Gericht wegen Mangels an Beweisen freigesprochen. Vier Wochen später will Knopp angeblich doch noch gestehen: Lessing fährt auf den Schrottplatz, findet dessen Besitzer allerdings leblos in seinem eigenen Blut - erschossen mit der Waffe des Kommissars. Die Zuschauer wissen da zwar bereits, dass Lessing zum Tatzeitpunkt gar keine Waffe dabei hatte, die knallharte interne Ermittlerin Eva Kern (Nina Proll) allerdings nicht. Und weil die Pistole spurlos verschwunden ist, lässt Kern den armen Lessing kurzerhand in eine Zelle werfen.

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Der wohl langsamste Fluchtversuch aller Zeiten endet nach wenigen Metern in den Armen der Polizei..

(Foto: MDR/Wiedemann&Berg/Stephanie Kul)

Dort sitzt er fortan die meiste Zeit des Films, während Kollegin Dorn (Nora Tschirner) verzweifelt versucht, den wahren Tathergang zu ermitteln und ihren Ehemann aus dem Gefängnis zu befreien - möglichst noch vor der Feier zum fünften Geburtstag des gemeinsamen Sohnes. Bald stellt sich heraus, dass sich im Grunde genommen alles um eine verschollen geglaubte und mittlerweile enorm wertvolle indische Statue dreht: Sie war das Mordwerkzeug Knopps und wegen ihr musste Knopp später selbst dran glauben. Die Spinne im Netz ist dabei eine enttäuschte Schauspielerin, die gerade die Rolle ihres Lebens spielt.

Die eigentliche Botschaft

Mit Botschaften hat's der Weimarer "Tatort" in der Regel nicht so sehr. Und das ist auch gut so.

Darüber wird in der Mittagspause geredet

Was ist das für ein ulkiges blaues Gefährt, mit dem Lessing und Dorn zum Showdown knattern? Und vor allem: Was hält das Ding zusammen?

Der Plausibilitätsfaktor

Für einen Krimi, in dem der Humor großgeschrieben wird, ist "Die harte Kern" tatsächlich erstaunlich plausibel: Der Plot ist spannend und in weiten Teilen nachvollziehbar, gewisse Übertreibungen gehören einfach dazu. Fragt sich nur, wer eine österreichische Schauspielerin für die Rolle einer thüringischen Ermittlerin ausgewählt hat - es muss doch auch zwischen Kyffhäuser und Rennsteig genug fähige Mimen ohne alpinen Zungenschlag geben.

Die Bewertung

8,5 von 10 Punkten. Mit "Die harte Kern" schafft der MDR den Spagat zwischen Humor und Spannung: Die Witze bleiben häufig optional, was ein Segen für "Tatort"-Fans sein dürfte, die von ihrem Sonntagskrimi vor allem Spannung und Whodunit erwarten.

Quelle: ntv.de