Ratgeber
Ohne lebenslanges Lernen geht es nicht.
Ohne lebenslanges Lernen geht es nicht.(Foto: imago/Bernd Friedel)
Dienstag, 13. März 2018

Siegel sind nicht alles: Gute Weiterbildungen finden und erkennen

Der Markt für Fort- und Weiterbildungen ist ein unübersichtlicher Dschungel. So können sich die verschiedenen Anbieter zwar mit Siegeln schmücken, in der Praxis sind die aber nur begrenzt hilfreich, warnen Experten.

DIN EN ISO 9001, LQW oder QESplus: Wer sich beruflich weiterbilden möchte, stößt bei der Suche nach dem richtigen Institut häufig auf Siegel wie diese. Sie stehen für sogenannte Qualitätsmanagementsysteme. Wie eine Schablone können die Bildungseinrichtungen solche Systeme individuell mit konkreten Grundsätzen, Aufgaben und Zielen füllen. Doch was heißt das genau?

"Wenn eine Einrichtung ein Siegel hat, ist das erstmal nicht schlecht", sagt Alrun Jappe von der Stiftung Warentest. Es ist für den Verbraucher aber keine große Orientierungshilfe. "Mit dem Siegel zeigt der Anbieter nur, dass er seine Arbeitsabläufe systematisch plant und steuert. Es sagt nichts über die von ihm angebotenen Weiterbildungen aus." Deshalb sei umgekehrt ein siegelloser Anbieter nicht unbedingt schlechter.

Unterschiede in Bausteinen und Verfahren

Wer ein Siegel hat, ist zumindest auf dem Papier um Qualität bemüht. Denn die verschiedenen Systeme helfen Einrichtungen und Trägern, ihr Angebot zu verbessern. Eine Sprachschule kann zum Beispiel festlegen, dass nur Muttersprachler mit fremdsprachendidaktischer Qualifikation unterrichten und eine bestimmte Lerngruppengröße nicht überschritten wird. Sind diese Standards festgelegt, kann sich das Bildungsinstitut von einem Gutachter der jeweiligen Zertifizierungsstelle prüfen lassen.

Generell gibt es verschiedene Qualitätsmanagementsysteme. Sie unterscheiden sich durch die Branche, für die sie entwickelt wurden. Einige, zum Beispiel die DIN EN ISO 9001, sind branchenübergreifend anwendbar. Andere sind extra für Bildungseinrichtungen entwickelt werden. Dazu gehören unter anderem die "Lernerorientierte Qualitätstestierung in der Weiterbildung" (LQW), erklärt Thomas Borowiec vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Auch das Siegel "QESplus" gehört zu diesen extra für den Bildungsbereich entwickelten Qualitätsmanagementsystemen.

Die Siegel unterscheiden sich außerdem in den Bausteinen und Verfahren, aus denen sich die Überprüfung zusammensetzt. Das können zum Beispiel die Begehung der Unterrichtsräume, eine Aktenüberprüfung oder auch eine Befragung der Mitarbeiter und Kunden sein.

Häufig zu sehen bei der Suche nach einer passenden Weiterbildung ist die Zertifizierung "AZAV". Dahinter steckt die "Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung". Jeder Träger, der eine vom Jobcenter oder der Arbeitsagentur geförderte Maßnahme anbieten möchte, benötigt diese Zertifizierung.

Bundesbildungsministerium informiert

Statt bei der Wahl der Weiterbildung ausschließlich auf Siegel zu achten, sollten Interessierte folgendermaßen vorgehen, sagt Alrun Jappe: "Man sollte sich im ersten Schritt bewusst machen, was man in der Weiterbildung lernen möchte. Im zweiten Schritt kann man schauen, ob die Kurse der verschiedenen Einrichtung das bieten, was man sich vorstellt."

Auch Borowiec rät, nicht auf einzelne Siegel zu vertrauen. "Ein solches Zertifikat ist nur eines von vielen Merkmalen, die eine qualitativ hochwertige Weiterbildung ausmachen." So sollten Interessierte auch einen Blick auf das Kursprogramm oder die Qualifikation des eingesetzten Lehrpersonals werfen: Wie sind die Inhalte strukturiert, welche Methoden kommen zum Einsatz, gibt es einen Praxisbezug? Und selbst die Ausstattung der Räumlichkeiten kann einen Hinweis auf die Qualität der Weiterbildung geben.

In seiner Checkliste "Qualität beruflicher Weiterbildung" rät das BIBB Weiterbildungsinteressierten außerdem, sich in jedem Fall darüber zu informieren, wie ein Kurs endet: mit einer Teilnahmebescheinigung, einem Berechtigungsnachweis oder einer Prüfung? Ist letzteres der Fall, sollte man sich unbedingt über die rechtliche Grundlage, den Geltungsbereich und den Veranstalter der Prüfung informieren.

"Erst wenn in all diesen Punkten mehrere Weiterbildungen überzeugen, kann ein Siegel oder Zertifikat für ein Qualitätsmanagementsystem der ausschlaggebende Punkt sein", sagt Borowiec.

Telefonisch informieren können Verbraucher sich über das Beratungstelefon des Bundesbildungsministeriums (BMBF). Unter der Nummer 030/20 17 90 90 informieren Weiterbildungsberater werktags zwischen 10 und 17 Uhr zu allen relevanten Fragen. Außerdem helfen sie, die richtige Weiterbildung und bei Bedarf den passenden Ansprechpartner vor Ort zu finden.

Quelle: n-tv.de