Ratgeber

Kollegiales Miteinander im Job So geben Sie konstruktives Feedback

Feedback einholen: Berufseinsteiger sollten sich von ihrem Chef auch Rückmeldungen zur allgemeinen Stimmung am Arbeitsplatz geben lassen. Foto: Monique Wüstenhagen

Feedback geben kann gelingen, wenn es nicht als nicht als einseitiges Kritteln verstanden, sondern in einen offenen Dialog auf Augenhöhe kommuniziert wird.

(Foto: dpa)

Viele möchten es, doch nicht allen gelingt es: konstruktives Feedback geben, vor allem wenn es unangenehme oder kritische Rückmeldungen zu übermitteln gibt. Wie dies gelingen kann, ohne dabei sein Gegenüber zu verletzen, zeigen die folgenden Hinweise.

Eine kurze Rückmeldung zu einem aktuellen Projekt, Verbesserungsvorschläge zu Arbeitsabläufen oder auch ein Lob für eine gute Leistung - all das kann Feedback sein. Klingt harmlos, doch bei den meisten Menschen löst der Gedanke an Feedback gemischte Gefühle aus, denn sie verbinden damit vielfach Kritik am eigenen Tun.

Dabei ist eine angemessene Feedback-Kultur ein entscheidender Faktor für ein kollegiales Miteinander und eine produktive Arbeitsatmosphäre im Team, die bestenfalls alle Kollegen - Chefs wie Mitarbeitende - permanent aktiv etablieren und verinnerlicht haben. Feedback hilft, Arbeitsergebnisse zu reflektieren, Ziele zu entwickeln und zu modifizieren und nicht zuletzt die eigenen Stärken und Herausforderungen besser kennenzulernen.

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Prof. Dr. Norbert Rohleder ist Professor für Human Resource Management und Soziale Interaktion an der Hochschule Mainz.

Langfristig nehmen so Zufriedenheit, Zusammenhalt und Produktivität zu. Generell tragen Rückmeldungen dazu bei, Probleme und Hemmnisse frühzeitig zu erkennen. Feedback-Kultur entlastet, auch weil rasch zurückgemeldete Fehler schnelle gemeinsame Korrekturen ermöglichen. In diesem Sinne ist Feedback ein bedeutendes Instrument gegen das Scheitern und in zwischenmenschlichen Verhältnissen zugleich vertrauensbildend, weil es den Glauben an eine gemeinsame Zukunft signalisiert.

Das kann aber nur gelingen, wenn Feedback nicht als einseitiges Kritteln verstanden, sondern in einen offenen Dialog auf Augenhöhe kommuniziert wird. Konstruktives Feedback ist für alle Beteiligten fruchtbar und richtet seinen Blick auf Verbesserungsmöglichkeiten, Stärken und Potenziale, während sich bloße Kritik auf Fehler, Unzulänglichkeiten und Verpatztes konzentriert. Kritik verharrt in der Vergangenheit, Feedback weist in die Zukunft.

Das heißt nicht, dass Feedback auf "Lobhudelei" reduziert wird. Auch kritische Anmerkungen haben ihren Platz. Denn Feedback bedeutet zunächst, die eigene, subjektive Wahrnehmung zu teilen - und die kann auch durchaus kritisch sein. Schließlich müssen Sie Ihre Vorstellungen und Bedürfnisse kommunizieren, damit Ihr Gegenüber die Gelegenheit hat, sich entsprechend zu verhalten.

Doch es geht nicht darum, Forderungen zu stellen, sondern Sichtweisen zu teilen und Gestaltungsräume zu öffnen. Das ist nicht immer leicht, denn es erfordert von allen Beteiligten Offenheit und die Bereitschaft zu gemeinsamer Entwicklung.

Die folgenden Hinweise machen Sie fit für konstruktives Feedback - sowohl als Sender als auch als Empfänger, denn Feedback ist keine Einbahnstraße!

1. Gut vorbereitet

Feedback braucht Vorbereitung, denn bei Ihrer Rückmeldung sollten Sie konkrete Aspekte und Beispiele nennen können. Das gilt für Negatives wie für Positives. Machen Sie sich zunächst klar, was Sie mit dem Feedback beabsichtigen: Wollen Sie loben, um Ihr Gegenüber zu motivieren? Wollen Sie auf Fehler oder Probleme aufmerksam machen, damit gemeinsam eine Lösung gefunden wird? Wollen Sie dem Feedbacknehmer die Konsequenzen seines Verhaltens aufzeigen, damit er reagieren kann? Oder wollen Sie einfach nur Ihrem Ärger Luft machen? Nur wenn Sie dem Feedbacknehmer verdeutlichen können, was Ihre Absicht ist, kann dieser das Feedback einordnen. Ein verstecktes Lob verpufft, ein scheinbar frontaler Angriff verhärtet die Fronten.

Machen Sie sich auch Gedanken darüber, inwiefern Ihre Kritik gerechtfertigt ist - ein Perspektivenwechsel kann hier hilfreich sein. Verlassen Sie gedanklich Ihre eigene Sicht und nehmen Sie den Standpunkt des Gegenübers ein - möglicherweise relativiert dies einige Ihrer Einschätzungen.

Seien Sie auf Nachfragen oder vielleicht sogar Unverständnis vorbereitet, denn unterschiedliche Bedürfnisse, Sichtweisen und Maßstäbe können mitunter ganz verschiedene Bewertungen ein und derselben Handlung oder Situation nach sich ziehen.

Bedenken Sie auch, dass Feedback nur sinnvoll ist, wenn der Adressat Ihres Feedbacks in der Lage ist, an den thematisierten Problemen etwas zu ändern.

Machen Sie sich Notizen - und vergessen Sie nicht, auch Positives zu notieren. Ein Feedback darf auch ausschließlich Lob beinhalten. Denn gute Arbeit hat mehr verdient als stillschweigende Kenntnisnahme.

2. Richtig platziert

Nehmen Sie sich ausreichend Zeit, fruchtbares Feedback ist nicht im Vorbeigehen kommuniziert! Dazu gehört auch, dass Sie Feedback-Bedarf ankündigen, damit sich der Adressat nicht "überfallen" fühlt und verschließt. Bieten Sie Feedback an, zwingen Sie es aber nicht auf. Sorgen Sie zudem für eine vertrauliche Atmosphäre, denn Feedback geht Dritte zunächst nichts an. Reagieren Sie nicht unmittelbar auf ein aus Ihrer Sicht falsches Verhalten.

Frischer Ärger führt häufig zu emotionalisierter Kritik und endet nicht selten im Streit. Nehmen Sie sich Zeit und gehen Sie auf Abstand, um die Situation sachlich einschätzen zu können. Warten Sie aber auch nicht zu lange, denn verblasste Erinnerungen erschweren ein präzises Feedback. Und auch für Ihr Gegenüber ist es schwerer, ein Feedback zu länger zurückliegenden Ereignissen einzuordnen und anzunehmen.

3. Auf die Form geachtet

Feedback bedeutet nicht, dem Gegenüber Kritik ungefiltert "um die Ohren zu hauen", sondern auf Augenhöhe eine Rückmeldung zu geben. In der einschlägigen Kommunikationsliteratur ist in diesem Zusammenhang immer wieder von der sogenannten Sandwichtechnik die Rede - negatives Feedback wird zwischen lobende Worte gepackt. Dieses Vorgehen soll insbesondere der guten Gesprächsatmosphäre dienen und die Kritik nicht zu harsch wirken lassen. Die Anwendung dieser Methode kann sinnvoll sein, wenn Sie beispielsweise mit sensiblen Menschen sprechen und/oder es um sensible Themen geht. Wenn allerdings wichtige Änderungen im Fokus stehen, konkrete Kritikpunkte, die vom Gegenüber angenommen werden sollten, ist es besser, klare Worte zu sprechen und die Kritik nicht in positive Aussagen einzubinden, sonst könnten leicht Missverständnisse entstehen.

Beschränken Sie sich beim Feedback auf einen wichtigen Punkt. Ein "Rundumschlag" überfordert Ihr Gegenüber und erzeugt Abwehr. Vermeiden Sie komplizierte, relativierende oder entschuldigende Formulierungen, denn dadurch wird das Gesagte nicht akzeptabler, sondern nur schwieriger zugänglich. Beenden Sie das Feedback entweder mit der Bitte um eine Einschätzung oder mit einem als Bitte formulierten Verbesserungsvorschlag. So geben Sie dem Feedbacknehmer die Gelegenheit zu reagieren und zu entscheiden, ob er der Bitte nachkommt oder nicht.

Achten Sie auch auf Ihre Körpersprache, auf angemessenen Tonfall und wertschätzende Formulierungen. Sprechen Sie konkrete Situationen und Verhalten an, nicht den Charakter Ihres Gegenübers. Denn fühlt sich jemand persönlich angegriffen, wird er kaum zugänglich für Verbesserungsvorschläge sein. Wichtig ist es, die subjektive Perspektive Ihres Feedbacks ausdrücklich in die Kommunikation zu übertragen: Verdeutlichen Sie Ihren Standpunkt mithilfe von Ich-Botschaften und zeigen Sie, was das Verhalten Ihres Gegenübers für Sie bedeutet.

Verwenden Sie eine neutrale, nicht wertende Sprache und verzichten Sie auf Verallgemeinerungen und Verhaltensinterpretationen. Bleiben Sie auf einer analytischen, beschreibenden Ebene. Für Vorwürfe und Anschuldigungen ist kein Platz in einem Feedback-Gespräch.

4. Auf Empfang gestellt

Auch Sie selbst können Adressat von Feedback werden. Das Entgegennehmen von Feedback erfordert ebenfalls einige Übung und bedeutet, die eigene Kritikfähigkeit zu trainieren. Wenn jemand Ihnen eine Rückmeldung gibt, hören Sie in Ruhe zu und lassen Sie sich nicht aus der Ruhe bringen. Verfolgen Sie das Gesagte aufmerksam, ohne in eine Rechtfertigungshaltung zu verfallen oder innerlich bereits an einer Gegenargumentation zu arbeiten. Sie verpassen sonst möglicherweise wesentliche Informationen und können nur geringen oder keinen Nutzen mitnehmen.

Wägen Sie ab und reflektieren Sie die Ihnen entgegengebrachte Kritik genauso besonnen wie die Vorbereitung Ihres Feedbacks an andere. Versuchen Sie, Positives und Verbesserungspotenzial zu erkennen (und freuen Sie sich auf Lob). Suchen Sie gemeinsam mit dem Feedbackgeber nach Lösungen und bleiben Sie weiterhin im Gespräch. Aber vergessen Sie nicht: Feedback ist eine subjektive Einschätzung. Sie dürfen also auch durchaus anderer Meinung sein.

Seien Sie schließlich dankbar für konstruktive Kritik - das stärkt Ihr Vertrauen in Feedback-Prozesse.

Fazit

Feedback ist für die Qualität jeder Beziehung - sei sie privat oder beruflich - von besonderer Bedeutung. Frei von Vorwürfen, Anschuldigungen und auch Rechtfertigungen fördert es die Weiterentwicklung jedes Einzelnen ebenso wie die des gesamten Teams. Regelmäßiges Feedback im Team, aber auch zwischen Chef und Mitarbeitern - bitten Sie als Vorgesetzter Ihre Mitarbeiter ebenfalls um Rückmeldung - ist Teil einer offenen Feedback-Kultur. Eine aufrichtige positive Entwicklungsabsicht ist dabei ein grundlegendes Element jeden Feedbacks. Wird Feedback gerechtfertigt und angemessen geäußert, dann werden Rückmeldungen als konstruktiv wahrgenommen, können vom Feedbacknehmer leichter akzeptiert und beherzigt werden und entlassen ihn schließlich mit einem guten Gefühl - die beste Bedingung, um positive Veränderungen in die Wege zu leiten.

Prof. Dr. Norbert Rohleder ist Professor für Human Resource Management und Soziale Interaktion an der Hochschule Mainz.

Quelle: ntv.de