Ratgeber

Kein Ersatz für Arztbesuch Was bringen Hautscreening-Apps?

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Hautscreening-Apps können erste Hinweise geben, ob eine Hautstelle problematisch ist oder nicht.

Für einen Hautarztbesuch muss man hierzulande leider oft lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Hautscreening-Apps versprechen eine schnelle Einschätzung von Hautveränderungen. Stiftung Warentest hat geprüft, ob sich solche Apps überhaupt lohnen.

Viele Menschen geraten in Panik, wenn sich ein Leberfleck oder Muttermal plötzlich verändert oder neue hinzukommen. Gerade beim sensiblen Thema Hautkrebs versprechen Hautscreening-Apps schnelle Erleichterung von den Sorgen, wenn angezeigt wird, dass es sich nicht um Krebs handelt. Doch kann man sich auf solche Aussagen wirklich verlassen? Stiftung Warentest sagt: Jein.

Im Test waren 17 Hautscreening-Apps, davon zwei auf Hautkrebs spezialisierte. Im Fokus standen neben der korrekten Einschätzung auch die einfache Bedienung, der Schutz der Gesundheitsdaten und ob Tipps zur Fotoaufnahme gegeben werden.

Hautkrebs nicht erkannt

Die Apps SkinScreener und Sqin kassierten eine schlechte Testnote ("ausreichend"). Der Algorithmus machte im Test die meisten Fehler bei der Einschätzung verdächtiger Hautstellen. Sqin war besser bei der Beurteilung, allerdings erwies sich die App als wenig zuverlässig, da es nach einem Update viele Probleme gab. Unter anderem lieferte die App in zwei Fällen überhaupt keine Einschätzung für die Hautstellen. Auch bemängelten die Tester die Übersichtlichkeit. Bei Dermanostic (Gesamturteil: "befriedigend") kam es zu einem fatalen Fehler: Eine Ärztin erkannte einen von drei Fällen schwarzen Hautkrebses nicht und riet erst in drei Monaten zur Kontrolle beim Hautarzt. Dasselbe passierte auch bei der App Skin Check, allerdings wurde dort zu einem baldigen Arztbesuch geraten. Beim Hautkrebs sind Fehleinschätzungen natürlich besonders problematisch, denn wird dieser nicht rechtzeitig behandelt, kann er zum Tod führen.

Das beste Ergebnis (Note: "gut") erhielt die Hautscreening-App AppDoc. Das Ärzteteam lieferte fast immer die richtigen Einschätzungen zu den gesendeten Fotos der entsprechenden Hautstellen. Abzug gab es nur, weil einmal die Nachricht zu einem Muttermal eher unverständlich gewesen ist. Gut waren auch die Apps iDoc24 und First Derm, allerdings fielen hier deutliche Mängel in den Geschäftsbedingungen auf, sodass es am Ende nur die Note "befriedigend" gab. SkinVision (Note: "befriedigend") liefert zwar eine gute Beurteilung der Hautareale, allerdings gibt es dort keine Hautkrebserkennung. Die Hautscreening-App kann lediglich das Risiko für Hautkrebs einschätzen.

Nur eine App ist kostenlos

Die Nutzung solcher Hautscreening-Apps kann sehr teuer werden. Die meisten getesteten Apps verlangen 25 Euro pro zu beurteilender Hautstelle. Das macht bei vier Muttermalen gleich 100 Euro. Bei manchen gibt es allerdings eine Preispauschale. Nur Model Dermatology (Gesamtnote: "befriedigend") ist kostenlos, allerdings erhält man hier nur eine Liste möglicher Diagnosen nach Wahrscheinlichkeit sortiert. Wer über 35 Jahre alt ist, kann alle zwei Jahre zur kostenlosen Hautkrebsvorsorge beim Hautarzt gehen. Bei unter 35 Jährigen kommt es auf die Krankenkasse und deren zusätzliche Leistungen an. Manchmal wird das Hautkrebsscreening auch dann anteilig oder gar vollständig übernommen.

Wichtig: Hautscreening-Apps können keineswegs den Besuch beim Hautarzt ersetzen. Oft werden nämlich wirklich problematische Hautstellen gar nicht erst als solche erkannt oder gesehen, wenn sie sich zum Beispiel auf dem Rücken befinden. Auch zeigt der Test von Stiftung Warentest, dass man sich bei den meisten Apps nicht auf das Urteil verlassen kann. Allerdings kann eine Hautveränderung, die per App als problematisch erkannt wurde, eventuell dazu führen, einen früheren Arzttermin zu bekommen. Ob es sich dafür allerdings lohnt, Geld für solche Apps auszugeben, ist wohl eher fragwürdig.

Quelle: ntv.de, imi

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