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Oft kommen Schäden erst beim Auszug zur Sprache.
Oft kommen Schäden erst beim Auszug zur Sprache.(Foto: imago/blickwinkel)
Mittwoch, 23. August 2017

Schäden in der Mietwohnung: Was muss der Mieter selbst bezahlen?

Von Isabell Noé

Das Parkett hat Kerben, auf den Silikonfugen gibt es schwarze Schimmelspuren und die Klobrille lag auch schonmal besser auf der Schüssel - wer in einer Wohnung lebt, verschleißt sie. Dafür zahlt man schließlich Miete. Doch damit ist nicht alles abgegolten.

Abgezogene Dielen, weiße Wände, neues Bad – beim Einzug war die Wohnung gerade frisch saniert. Als die Mieterin nach sieben Jahren ausziehen will, ist davon nicht mehr so viel zu sehen: Möbel und Absätze haben Spuren auf dem Holzfußboden hinterlassen, das Plastik der Badewanne hat tiefe Kratzer, auf den Fugen macht sich Schimmel breit. Und die Wände vom Rauchen vergilbt und mit allerlei Dübeln durchlöchert. Die Frage ist: Für welche Schäden muss die Mieterin aufkommen?

Wer in einer Wohnung lebt, hinterlässt Spuren, damit muss auch der penibelste Vermieter leben. Die Bewohner schlafen schließlich nicht nur, sie kochen, essen, laufen herum, duschen und waschen – das sieht man der Wohnung irgendwann an, und dafür bezahlen sie auch Miete. Veränderungen, die durch "vertragsgemäßen Gebrauch" entstanden sind, hat der Mieter nicht zu verantworten, so steht es im Bürgerlichen Gesetzbuch. Anders sieht es aus mit Beschädigungen, die der Mieter grob fahrlässig oder sogar mutwillig herbeigeführt hat.

Möbel aufstellen muss erlaubt sein

Beispiel Bodenbelag: Teppichboden sollte zehn bis 15 Jahre halten, ist er danach verschlissen, kann das nicht dem Mieter angelastet werden. Brandlöcher oder Rotweinflecke dagegen schon. Möbel können auf Bodenbelägen dauerhafte Abdrücke hinterlassen. Trotzdem darf der Mieter schwere Schränke oder Kommoden aufbauen, das gehört zum vertragsgemäßen Gebrauch. Er kann allenfalls verpflichtet werden, den Schaden zu begrenzen, zum Beispiel durch Unterlegscheiben. Vermeidbar sind dagegen Einkerbungen durch Pfennigabsätze auf Holzfußböden. Sie sind allenfalls bei Geschäftsräumen im Rahmen des Üblichen, privaten Mietern ist es dagegen zumutbar, dass sie ihr schadenbringendes Schuhwerk an der Haustür ausziehen.

Ein anderes Beispiel: Wände. Wenn der Mieter in der Wohnung viel geraucht hat, sind sie womöglich stark vergilbt. Das muss der Vermieter hinnehmen, denn innerhalb der Wohnung darf der Mieter rauchen, so viel er will. Normalerweise darf er auch Haustiere halten, zumindest kleinere. Nutzt die Katze allerdings die Tapete als Kratzbaum, zählt das nicht zum vertragsgemäßen Gebrauch. Die Kratzspuren muss der Mieter auf jeden Fall selbst beseitigen. Das gleiche gilt übrigens, wenn der Hund den Türrahmen zerkaut oder der Hamster den Teppich anfrisst. Schäden durch Tiere sind immer Mietersache.

Schimmel auf Silikon lässt sich auf Dauer kaum vermeiden.
Schimmel auf Silikon lässt sich auf Dauer kaum vermeiden.(Foto: imago stock&people)

Manche Vermieter werten auch Dübellöcher als Sachbeschädigung. Wer Hängeschränke oder Regale anbringen will, wird mit doppelseitigem Klebeband aber nicht weit kommen und lieber zur Bohrmaschine greifen. Das kann der Vermieter nicht verbieten und normalerweise lassen sich die Dübellöcher in blanken Wänden oder Fugen später auch problemlos wieder zuspachteln. Anders bei Fliesen oder Kacheln. Will der Mieter hier bohren, sollte er vorher um Erlaubnis fragen.

Das Bad gehört wahrscheinlich zu den Räumen, die am häufigsten genutzt werden. Irgendwann werden die Fugen dunkel und die Wasserschläuche brüchig, das ist ganz normal. Und auch Badewannen blitzen nicht ewig wie neu, Emaille kann nach zehn Jahren schonmal stumpf werden und Kunststoff verkratzen. Das sollte beim Auszug kein Problem werden. Für großflächige Abplatzungen oder lange Schrammen kann der Mieter aber verantwortlich gemacht werden. Ein Dauerbrenner, gerade im Bad: Schimmel. Sind Silikonfugen oder auch die Wände stark befallen, muss sich der Vermieter um die Beseitigung kümmern. Hat der Mieter nachweisbar falsch gelüftet und so den Schimmel selbst herangezogen, muss er aber möglicherweise zahlen.

Kleinere Reparaturen selbst bezahlen

Viele Schäden kommen erst beim Auszug aufs Tapet. Doch wenn Mieter lange in der Wohnung bleiben, stellt sich oft schon vorher die Frage "wer bezahlt?". Grundsätzlich muss der Vermieter die Wohnung nicht nur im vertragsgemäßen Zustand übergeben, sondern auch zusehen, dass dieser Zustand während der Mietzeit erhalten bleibt. Er muss dafür sorgen, dass die Rohre halten und die Elektronik funktioniert, dass die Fenster dicht sind und die Türen richtig schließen. Und wenn der Mieter beispielsweise eine neue Klobrille braucht, dann muss der Vermieter auch diese stellen.

In vielen Verträgen werden solche kleineren Reparaturen auf den Mieter abgewälzt. Das ist zulässig, solange es um Summen bis etwa 100 Euro geht. Darüber hinaus ist aber der Vermieter in der Pflicht, auch bei kosmetischen Reparaturen. So muss der Mieter nicht jahrzehntelang mit dem Teppichboden leben, der schon beim Einzug vorhanden war. Auch die mitgemieteten Einrichtungsgegenstände muss der Vermieter instanthalten. Geht beispielsweise der Herd der Einbauküche kaputt, ist die Reparatur seine Sache. Ausnahme auch hier: Der Mieter hat den Schaden selbst herbeigeführt. Springt das Cerankochfeld,etwa weil eine Kaffeetasse darauf gefallen ist, muss der Mieter für Ersatz sorgen.

Quelle: n-tv.de