Formel1

Entscheidung in dieser Woche? Schumacher läuft die Zeit im Haas-Dilemma davon

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Die Aussichten für 2023 sind trübe.

(Foto: IMAGO/Eibner)

Nur noch ein Cockpit in der Formel 1 ist für die kommende Saison unbesetzt. Es ist das von Mick Schumacher, der es selbst gern behalten möchte. Doch auch wenn seine Formkurve aufwärts zeigt, fehlen schlagende Argumente. Sein Rennstall Haas will sich offenbar in diesen Tagen entscheiden.

Mick Schumacher hat ein Problem. Und es wird einfach nicht kleiner, sondern größer. Von Woche zu Woche, von Rennen zu Rennen, von Interview zu Interview. "Wenn er bei uns bleiben will, muss er uns zeigen, dass er in der Lage ist, regelmäßig zu punkten", sagte Gene Haas, Besitzer des Formel-1-Teams Haas, vor einiger Zeit über Mick Schumacher. Klarer Fall: Dieses Ziel hat der 23-Jährige in dieser Saison verpasst. Das lässt sich schon zwei Rennen vor Schluss konstatieren.

Seit neun Rennwochen ist er ohne Punkte, gerade einmal zwölf Zähler hat er in der gesamten Saison bislang gesammelt, ist damit nur 16. In der Fahrerwertung. Sein Teamkollege Kevin Magnussen liegt mit 24 Punkten immerhin drei Plätze vor ihm. Das Duell der beiden ist allerdings eng. Nach dem Rennen in Silverstone Anfang Juli holten beide Piloten je noch acht Punkte. Magnussen aber fuhr in zwei Rennen in die Punkteränge, Schumacher nur in einem. "Man muss es realistisch sehen: Seit Silverstone ist Mick der bessere Fahrer [bei Haas]. Er kann mehr aus dem Auto rausholen", sagte allerdings Ralf Schumacher bei Sky mit Blick auf seinen Neffen.

Doch das ist tatsächlich eher zweitrangig, denn der Däne ist nur eine Randfigur dieser Geschichte, für ihn wird es auch im kommenden Jahr bei Haas weitergehen, sein Vertrag läuft über mehrere Saisons. Groß spekuliert wird lediglich darüber, wer mit ihm für die Teamwertung kämpfen darf. Ein Deutscher wird es sein, so viel ist inzwischen wohl sicher. Infrage kommen nur noch Schumacher oder Nico Hülkenberg, der derzeit Ersatzfahrer von Aston Martin ist - und dort Anfang der Saison den mit dem Coronavirus infizierten Sebastian Vettel ersetzte, nun aber seit Längerem schon nicht mehr zum Einsatz kam. Und so könnte der Name Schumacher aus der Formel 1 verschwinden. Zumindest vorerst.

Haas drückt aufs Tempo

Denn Mick Schumacher und Haas sind nicht das perfekte Dreamteam, sie reiben sich aneinander, das wirkt stärker nach außen als das Miteinander. Dass Schumacher zuletzt beim Großen Preis von Mexiko am vergangenen Wochenende erneut kein gutes Ergebnis liefern konnte, sondern nur 16. wurde, schiebt Schumacher seinem Auto zu. "Heute war leider keine Pace drin. Man hat gesehen, dass es bei beiden Autos der Fall war", sagte er nach dem Rennen, in dem Magnussen noch einen Platz hinter ihm ins Ziel kam. Er habe schon in der ersten Runde gemerkt, dass nichts gehe, sagte der 23-Jährige bei Sky. "Selbst wenn wir einen guten Start gehabt hätten, wären wir nach hinten durchgereicht worden."

Kein gutes Bild, dass er von seinem Rennstall zeichnet. Dabei gehört zur Wahrheit auch, dass er sich eine deutlich bessere Ausgangslage in der Qualifikation selbst verbaut hatte. Seine schnellste Runde - mit Platz sechs - war ihm wegen Überfahren des Streckenlimits gestrichen worden. "Hätten wir das durchziehen können, wären wir wahrscheinlich komfortabel ins Q2 gekommen, selbst ins Q3 vielleicht. Dann sähe es nochmal anders aus", sagte er bei Sky.

Er klammerte sich daher an die "gute Qualifying-Runde" als positive Erfahrung. Und betonte, er glaube nicht, dass das Mexiko-Rennen viel Einfluss auf die Vertragsfrage habe. Die Frage nämlich, die seit Monaten öffentlich diskutiert wird. Die Frage, ob Schumacher weiter in der Formel 1 vertreten sein wird. Auf die positive Erfahrung kann er nicht mehr viel aufbauen. Mit dem Rennen in Brasilien in zwei Wochen und direkt darauf dem Saisonfinale in Abu Dhabi bleibt nicht mehr viel übrig von der Saison.

Dann soll laut Teamchef Günther Steiner feststehen, wer neben Magnussen im Jahr 2023 für Haas fahren wird. Derjenige soll dann nämlich die Post-Season-Tests fahren. Heißt: Allerspätestens beim Rennen am 13. November in Brasilien fällt die Entscheidung. Vieles deutet darauf hin, dass sie sogar in diesen Tagen schon geklärt werden könnte. Weil Steiner schon beim Rennen in den USA angekündigt hatte, eine Entscheidung nicht inmitten eines "Back-to-Back"-Rennens treffen zu wollen, sondern mindestens eine Woche Pause dazwischen liegen solle. Jetzt ist dafür der letzte Zeitpunkt im Rennkalender - die Grands Prix in Brasilien und Abu Dhabi folgen wieder direkt ohne Wochenendpause aufeinander.

Derzeit deutet vieles auf Hülkenberg hin. Der sagte jüngst bei Servus TV: "Die Gespräche laufen nach wie vor und ich bin relativ optimistisch." Allerdings gebe es noch nichts Konkretes und er treffe nicht die Entscheidung. Doch allein das Hinhalten von Schumacher zeigt deutlich, dass die Überzeugung bei Haas von ihrem derzeitigen Fahrer nicht riesengroß ist.

Jung oder alt?

Ex-Rennfahrer und Sky-Experte Timo Glock sagte, er glaube, dass "man bei Haas einfach andere Vorstellungen hat" und deswegen einen neuen Fahrer verpflichten wolle. Dass Haas die Entscheidung zwischen zwei Deutschen treffen will, macht die Frage durchaus brisanter. Es geht also einzig darum: jung oder alt? Schumacher ist gerade einmal 23 Jahre jung, Hülkenberg schon 35 Jahre alt. Der eine fährt seine zweite Saison, der andere kann bereits auf 181 Grands Prix zurückblicken, ist zuletzt aber eben nur Reservefahrer gewesen. Ihn zeichnet aus, dass er da ist, wenn er gebraucht wird. Seine zwei Einsätze zu Saisonbeginn für Vettel brachten Aston Martin allerdings auch keine Punkte ein.

Ralf Schumacher schlug sich bereits auf die Seite seines Neffen: "Hülkenberg ist nah am Karriereende. Bei Mick sieht man anhand seiner Leistungen und Verbesserungen in diesem Jahr, wie viel Potenzial noch zu erwarten ist." Doch Fakt ist auch: In 18 von 20 Rennen verpasste Schumacher die Top Ten. Nicht immer selbstverschuldet, einige Male war auch der Rennstall entscheidend beteiligt: Strategiefehler, scheinbare Bevorzugung Magnussens, zuletzt fehlende Leistung des Autos.

Schumacher glaubt noch an seine Zukunft bei Haas: "Ich bin sicher, dass die Dinge in Brasilien wieder ganz anders aussehen." Doch möglich, dass das Urteil über seine persönliche Zukunft dann schon gefallen ist und sein Rennen in Brasilien für Haas keine Rolle mehr spielt.

Zukunft liegt trotzdem in der Formel 1

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So kontrovers die kommende Saison diskutiert wird, sind sich die Experten einig: Mick Schumacher würde auch trotz einer möglichen Pausensaison 2023 irgendwann später in die Formel 1 zurückkehren. Dann nämlich, wenn Audi bei Sauber einsteigt. "So wie ich das sehe, liegt seine Zukunft bei Audi. Die wollen ihn haben und es gab auch schon Gespräche", hatte Insider Ralf Bach gesagt. Bis dahin ist allerdings noch viel Zeit, erst 2026 wird der Firmenname Audi in der Formel 1 auftauchen. Zu viel Zeit, die es zu überbrücken gilt, die Rennerfahrung braucht Schumacher dringend, eine so lange Pause würde einen enormen Rückstand bedeuten. Und so gibt es Gerüchte, dass er ab 2024 bereits für Sauber - seit 2018 unter dem Marketingnamen Alfa Romeo unterwegs - fahren könnte. Dort könnte er den Chinesen Zhou Guanyu ersetzen, der in der aktuellen WM-Wertung gerade einmal sechs Punkte hat.

Im Jahr 2026 ist Schumacher dann 27 Jahre alt und wäre immer noch ein Fahrer für viele kommende Saisons. Um die Zukunft sollte sich Schumacher also wenig Gedanken machen. Die Frage ist nur: Was hat er in der kommenden Saison zu tun?

Quelle: ntv.de

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