Formel1

Radikal neue Regeln ab 2021 So sieht die Zukunft der Formel 1 aus

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Ist das das Formel-1-Auto der Zukunft? Zumindest ist es der Entwurf, wie die Boliden ab 2021 aussehen könnten. Im Oktober wird das neue Reglement vorgestellt.

(Foto: dpa)

Die Formel 1 hat ein Problem: Mercedes, Ferrari und Red Bull fahren von Sieg zu Sieg, der Rest ist chancenlos. Das soll das neue Reglement ab 2021 ändern - mit weniger Aerodynamik, mehr echtem Racing und einer Budgetobergrenze. Was hat die Königsklasse des Motorsports vor?

Die Formel 1 will mehr spektakuläre Rennen, mehr Überholmanöver und endlich wieder Erfolgschancen auch für die Teams, die nicht über ein scheinbar grenzenloses Budget verfügen. Das Geschick der Fahrer soll über den Sieg entscheiden und nicht die Anweisungen der Ingenieure aus der Boxengasse. Das sind Ziele des neuen Reglements, das zur Saison 2021 in Kraft tritt. Bevor die finale Fassung im Oktober dieses Jahres präsentiert wird, gibt es jetzt erste Details, welche Vision die Formel 1 von ihrer Zukunft entwirft.

Weil der aktuelle Grundlagenvertrag Ende 2020 ausläuft, braucht es einen neuen sportlichen und finanziellen Rahmen. Einfach nur "weiter so" zu sagen ist dabei keine Option, wie Ross Brawn als Sportdirektor der Rennserie konstatiert: "Die Formel 1 ist auf keinem guten Weg, dafür gibt es viele Gründe." Einer dieser Gründe, vielleicht sogar der eindrücklichste, findet sich beim Blick in die Siegerlisten: 128 Rennen ist es her, dass der Gewinner eines Formel-1-Rennens nicht die Farben von Mercedes, Ferrari oder Red Bull trug. Im März 2013 siegte Kimi Räikkönen im Lotus-Renault beim Großen Preis von Australien in Melbourne. Der heutige McLaren-Pilot Lando Norris war damals 13 Jahre alt. Seitdem siegten nur die großen Drei.

Vier Schwerpunkte listet der Entwurf auf, der erstmals öffentlich diskutiert wird. An den Verhandlungen beteiligt sind neben dem Weltverband auch die Fahrer um Weltmeister Lewis Hamilton, dazu die aktuell zehn Teams und natürlich Liberty Media, seit Januar 2017 Hauptgesellschafter der Formel 1 und mit großen Ambitionen angetreten. Was sich alles ändern soll im Überblick:

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Die Autos sollen mehr Zweikämpfe und mehr Racing ermöglichen: Die Aerodynamik der aktuellen Boliden ist hochkomplex. Sie ist dafür entwickelt, dass die Autos auf freier Strecke so schnell wie möglich fahren können. Diese Optimierung des Luftstroms für freie Fahrt führt jedoch dazu, dass das Überholen schwierig ist - denn sobald die Autos hintereinander fahren, strömt die Luft nicht mehr so wie geplant um das Auto und die Front- und Heckflügel. Sobald ein Pilot zum Vorherfahrenden aufschließt, fährt er durch die vom Vordermann und dessen Auto verwirbelte Luft. Die Folge: Das Auto verliert Abtrieb, die Reifen überhitzen und verlieren an Grip. Das soll ab 2021 vorbei sein, wie Nicholas Tombazis erklärt. Er ist Technischer Direktor für Formelsport-Rennserien beim Weltverband FIA. Statt wie noch 2017 die Hälfte des Abtriebs einzubüßen, soll sich dieser Verlust künftig auf fünf bis zehn Prozent reduzieren.

Auch die Reifen werden überarbeitet - derzeit liege der Fokus viel zu sehr darauf, die Reifen mit einer schonenden Fahrweise so lange wie möglich am Leben zu halten statt aufs Gas zu drücken. Deshalb entwickelt Hersteller Pirelli für 2021 komplett neue Pneus. Formel-1-Technikchef Pat Symonds gibt zu, dass "wir von Pirelli in den letzten zwei Jahren völlig falsche Dinge gefordert haben". Die neuen Reifen sollen länger halten und weniger schnell an Grip verlieren. Boxenstopps sollen allerdings weiterhin erforderlich sein, betont Symonds. Ein Szenario wie in der Saison 2005, als ein Reifensatz das ganze Rennen durchstehen musste, ist deshalb ausgeschlossen.

Weniger Abstand vom Ersten zum Letzten: In der Qualifikation in Silverstone war Pole-Mann Valtteri Bottas im Mercedes mehr als drei Sekunden schneller als Williams-Pilot Robert Kubica auf dem 20. Startplatz. Solche gewaltigen Abstände sind derzeit mehr die Regel als die Ausnahme. "Wir haben drei Teams, die Rennen gewinnen können und das war's", sagt Brawn. Die Lücke ist zu groß und soll auf knapp die Hälfte reduziert werden. Dadurch würde das Feld deutlich enger zusammenrücken. Wie das gelingen soll? Mit einem sehr genau formulierten technischen Reglement, das im besten Fall keine Schlupflöcher bietet. Bisher bekommen die Teams vor der Saison das neue Regelbuch und bauen danach ihre Autos, immer auf der Suche nach Lücken, die kein anderer entdeckt. Jetzt soll ein "Automobil-Stylist" dabei helfen, diesen Prozess umzukehren: nämlich die Design-Ideen in technische Vorgaben umzuwandeln.

Dabei hatte einst Brawn selbst davon profitiert, die Regeln nach Schwachpunkten zu durchforsten: Als er 2009 als Teamchef des nach ihm benannten Rennstalls Brawn GP in dessen einziger Saison sensationell beide WM-Titel einfuhr. Die entwicklerische Freiheit der Teams werde damit zwar deutlich eingeschränkt, dieser Schritt sei aber notwendig. Außerdem soll die Hilfestellung für die Fahrer weniger werden - statt bei Problemen wie überhitzenden Reifen über den Funk eine Anleitung vom Renningenieur zu erhalten, sollen die Piloten künftig selbst gefordert sein, eine Lösung zu finden.

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Formel-1-Chef Ross Brawn sieht das neue Reglement als "ersten Schritt" in die Zukunft der Rennserie.

(Foto: imago/Motorsport Images)

Boliden, die Eindruck machen: Die neuen Autos sollen "sexy" sein, schreibt die Formel 1. Sie sollen also nicht nur spannende Rennen garantieren, sondern auch den Fans gefallen. Bis zur Produktion eines ersten Prototypen dauert es zwar noch, erste Designs sind jedoch bereits veröffentlicht. "Ästhetisch ansprechend", nennt Tombazis als Ziel. Um herauszufinden, was sich dahinter verbirgt, will Brawn die Fans befragen. Dabei geht es nicht es nur um Fragen der Optik - vielmehr soll ermittelt werden, was die Zuschauer an der Formel 1 schätzen oder warum sie ihr Interesse verloren haben. Wie genau diese Befragung aussieht, ist noch offen.

Eine finanzielle Obergrenze: Mercedes, Ferrari und Red Bull fahren auch deshalb immer den Sieg unter sich aus, weil sie das größte Budget haben. Eine Obergrenze soll dafür sorgen, dass künftig alle Teams die Chance haben, Rennen zu gewinnen, wenn sie ihr Geld gut einsetzen. Außerdem soll es die Serie für Neueinsteiger attraktiv machen. Standardisierte und somit einheitliche Bauteile sollen das ermöglichen - wenn etwa Felgen, Bremssystem und die Ausstattung der Boxenstopp-Crews vorgegeben ist, muss dort niemand in die Entwicklung investieren. Auch die Teamgröße, also die Zahl der Mitarbeiter an der Strecke und in der Fabrik, soll festgeschrieben werden, um das ständige gegenseitige Überbieten zu stoppen. Bislang gibt es dort keine Regularien, und die Belegschaft des finanzstarken Mercedes-Teams ist um ein Vielfaches größer als die des Sauber-Rennstalls, der seit dieser Saison als Alfa Romeo Racing an den Start geht. Allerdings: Die Gehälter der Fahrer sollen davon ausgenommen sein, ebenso wie die Ausgaben für das Marketing.

Brawn betont, dass das Reglement mit der Präsentation im Oktober nicht unveränderbar festgeschrieben ist: "Das ist keine endgültige Lösung, die wir installieren und dann verschwinden." Vielmehr sei dies "der erste Schritt", um die Formel 1 bereit für die Zukunft zu machen.

Quelle: n-tv.de

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