Fußball

Sportvideos für die Quarantäne 11., 23., 24., 26., 29. – Das 7:1-Weltwunder

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Das wohl verrückteste Spiel der WM-Geschichte: Deutschland schlägt Brasilien im Halbfinale mit 7:1.

(Foto: imago/ActionPictures)

Der Livesport steht still, die Coronavirus-Krise stoppt die Ligen, Wettkämpfe sind abgesagt. Auf Sport aus dem TV muss trotzdem niemand verzichten, schließlich gibt es Aufzeichnungen von historischen Ereignissen. Heute: Das unglaubliche 7:1 der DFB-Elf im Halbfinale der WM 2014 gegen Gastgeber Brasilien.

Beeindruckender als alle Tore, als die unglaubliche Dominanz der deutschen Nationalmannschaft im Spiel ist diese Szene: Die brasilianischen Zuschauer im Mineirão Stadion von Belo Horizonte stehen auf und applaudieren dem Gegner. Bei einem Halbfinale einer heimischen Weltmeisterschaft, von der das Land schon seit mehr als einem halben Jahrhundert geträumt hat. In einem Land, in dem Fußball Religion ist, wenn nicht noch mehr. Der beklatschte Gegner ist die DFB-Elf von Jogi Löw, die gerade in einem denkwürdigen Spiel kurz vor Schluss das 7:0 erzielt hat. Ein Spiel für das es nicht genug Superlative gibt, ein Denkmal, das eigentlich kaum in Wörter zu fassen ist.

Zwar fehlt Superstar Neymar, aber ganz Brasilien ist sich vor diesem WM-Halbfinale trotzdem sicher, dass die Seleção ins Finale in Rio einziehen wird. Die Mutter von Legende Ronaldo ist im Stadion, dem zu diesem Zeitpunkt besten WM-Torschützen aller Zeiten. Sie sagt vor dem Anpfiff auch ohne Neymar werden "alle Tore schießen". Damit sollte sie recht behalten – nur anders als gedacht und gemeint.

11., 23., 24., 26., 29. Allein schon diese Minutenaufzählung der Tore in der ersten Halbzeit liest sich absurd. Brasilien beginnt mit Dampf, Marcelo versucht es gleich mal mit einem Fernschuss. Aber Deutschland steht sicher und legt auch in der Offensive gut los.

Nach zehn Minuten Spielzeit zirkelt Toni Kroos einen Eckstoß von rechts in den Strafraum, die Seleção-Abwehr konzentriert sich nur auf Miroslav Klose und Mats Hummels und Thomas Müller darf völlig unbedrängt einnetzen. Marcelo versucht, direkt zu antworten, aber Kapitän Philipp Lahm grätscht ihm links im Strafraum den Ball schulbuchmäßig ab.

Dann beginnt, was im WM-Fußball so noch nie jemand gesehen hatte. Müller legt in der 23. Minute auf Klose ab, der mit seinem ersten Versuch noch an Keeper Julio Cesar scheitert, sich dann aber im Nachschuss in die Geschichtsbücher einträgt: Mit dem 2:0 überholt er ausgerechnet in diesem Spiel Ronaldo in der ewigen WM-Torschützenrangliste – vor den Augen dessen Mutter.

Nur eine Minute später trifft Kroos zum 3:0 und hält sich ungläubig die Hände vors Gesicht. Brasilien zerfällt, die DFB-Elf spielt bei Kroos' und Sami Khediras nächsten Toren mit der Abwehr Katz und Maus. Die Treffer von André Schürrle in der zweiten Hälfte sind noch das i-Tüpfelchen und der Ehrentreffer durch Oscar in der 90. Minute lediglich Makulatur.

Sete a um

Jeder Fußballfan weiß noch genau, wo er dieses denkwürdige Spiel geschaut hat. Jeder Anhänger der DFB-Elf weiß, was er für Emotionen vor allem in den ersten 45 Minuten erlebt hat. Wie er nach dem 1:0 noch nicht zu doll jubeln wollte. Wie er beim 2:0 seine Freude kaum mehr unterdrücken konnte. Wie er beim 3:0 alle und jeden umarmte, beim 4:0 nur noch ungläubig mit dem Kopf schütteln und beim 5:0 lediglich endgültig die Fassung verlieren konnte. So etwas hatte es noch nie gegeben. Vielleicht wird es so ein Spiel auch nie wieder geben.

Die brasilianischen Fans sind spätestens Mitte der ersten Halbzeit völlig erschüttert. Tränen fließen. Manch einer verlässt in der Pause schon das Stadion, zu groß ist der Schmerz. Die schlimmste WM-Niederlage der Seleção schafft es über die nächsten Jahre in den allgemeinen Sprachgebrauch des Landes: Sete a um, sieben zu eins, wird im Land zu einem Synonym, wenn jemandem irgendetwas Schlechtes widerfährt. Selbst den DFB-Kickern auf dem Platz tut das Scheibenschießen ein wenig leid und der Jubel fällt bei jedem Treffer weniger euphorisch aus.

Dann aber erheben sich die Brasilianer – und zollen der Mannschaft von Jogi Löw für die historische Leistung Respekt und Anerkennung in einzigartiger Manier (hier gibt es das komplette Spiel im re-Live-Stream). Im WM-Finale drückt der Ausrichter dann sogar der DFB-Elf die Daumen – da geht es schließlich gegen Brasiliens Erzfeind Argentinien.

Quelle: ntv.de