Fußball

"Kein Land hat das im Griff" DFB-Profi Rüdiger verzweifelt an Rassismus

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"Jeder sollte bei sich zu Hause selbst anfangen."

(Foto: imago images/Sportimage)

Antonio Rüdiger hat genug gehört: Der deutsche Nationalspieler fordert keine Ausreden mehr im Kampf gegen den Rassismus, sondern entschlossenes Handeln. Der Chelsea-Profi wird im Spiel gegen Tottenham erneut rassistisch beleidigt. Er warnt: Nichtstun hat zur Folge, dass Menschen sterben.

Antonio Rüdiger war das Entsetzen deutlich anzumerken, der deutsche Nationalspieler wirkte verzweifelt und kämpfte mit den Tränen: Erneute rassistische Vorkommnisse um den Verteidiger des FC Chelsea haben die erfolgreiche Generalprobe der Blues vor dem Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League gegen Bayern München am Dienstag (21.00 Uhr/Sky und im Liveticker bei ntv.de) überschattet. "Der Rassismus hat gewonnen! Das zeigt sich, dass diese Leute gewonnen haben, weil sie wieder ins Stadion gehen können. Es muss Widerstand geben", klagte der Ex-Stuttgarter nach dem 2:1 gegen Tottenham Hotspur bei Sky-Sport sichtlich ergriffen. Es klang wie ein Hilferuf von Rüdiger. "Sie werden nicht bestraft, und am Ende des Tages bin ich der Buhmann." Er werde zwar nicht resignieren, fühlt sich allerdings im Stich gelassen: "Es ist nicht so, dass ich aufgebe oder meine Stimme nicht mehr erhebe. Ich werde immer meine Stimme erheben, aber in dieser Hinsicht bin ich alleine", sagte der 26-Jährige.

Unterstützung sei zwar da, aber, so forderte Rüdiger bereits vergangene mit Nachdruck: "Taten müssen folgen! Alles andere hilft nichts. Leute, die daneben sitzen, müssen endlich aufstehen und solche Sachen melden. Man sagt ja: Mitgehangen, mitgefangen. So sehe ich das auch." Beim Hinspiel gegen die Spurs kurz vor Weihnachten war Rüdiger von Tottenham-Anhängern mit Affenlauten rassistisch beleidigt worden. Der deutsche Nationalspieler erstattete Anzeige, doch Täter wurden nie ermittelt. Stattdessen wurde er nun von den Spurs-Fans als Ankläger im Rückspiel ausgebuht.

"Dann gibt es Tote"

Damit setzten sich die Skandale im Fußball fort. Zuletzt hatte es in Deutschland Rassismus-Attacken gegen die Spieler Jordan Torunarigha von Hertha BSC und Leroy Kwadwo von den Würzburger Kickers gegeben. Der jüngste Terroranschlag von Hanau mit insgesamt elf Toten sei, so Rüdiger, für ihn "das Endprodukt! Erst Torunarigha, dann Kwadwo, dann gibt es Tote." Es sei "eine Katastrophe".

Nach der Geburt seines Kindes am Donnerstag mache ihn das noch nachdenklicher. "Soweit wie die Gesellschaft heute ist, wird am Ende des Tages höchstwahrscheinlich auch mein Kind darunter leiden. Wenn nicht gehandelt wird, (...) dann haben wir verloren. So ehrlich müssen wir sein."

Rüdiger war schon in seiner Zeit als Profi beim AS Rom beleidigt worden. Da habe er "immer gehört: In Italien ist das normal. Aber jeder sollte bei sich zu Hause selbst anfangen, und dann sollte man über andere reden. Kein Land hat irgendetwas im Griff". Und der Sport? Der französische Weltmeister Olivier Giroud (15.) und der Spanier Marcos Alonso (48.) hatten in einer wichtigen Partie um Platz vier in der Premier League für Chelsea getroffen und den Blues eine gelungene Generalprobe für das Bayern-Spiel beschert. Rüdiger unterlief in der 89. Minute ein unglückliches Eigentor - doch das war allenfalls eine Randnotiz.

Quelle: ntv.de, tsi/sid