Fußball

Nach Rassismus-Vorwurf Herthas Torunarigha stellt Strafanzeige

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Jordan Torunarigha hat via Instagram einen leidenschaftlichen Appell gegen Rassismus veröffentlicht.

(Foto: imago images/Kolvenbach)

Nach Rassismus-Vorwürfen gegen mehrere Zuschauer beim Pokalspiel zwischen dem FC Schalke 04 und Hertha BSC stellt Jordan Torunarigha Strafanzeige. Der Berliner wurde eigenen Angaben zufolge beleidigt. Extremismusforscher Robert Claus sieht einen "gesellschaftlich tief verwurzelten Rassismus".

Jordan Torunarigha von Fußball-Bundesligist Hertha BSC leitet nach den Rassismus-Vorwürfen gegen mehrere Zuschauer im Pokalspiel beim FC Schalke 04 rechtliche Schritte ein. Der Spieler stelle "mit Unterstützung des Vereins Strafanzeige gegen Unbekannt". In dem Achtelfinalduell am Dienstag (3:2 n.V.) war Torunarigha, der in der Verlängerung die Gelb-Rote Karte sah, laut eigener Aussage rassistisch beleidigt worden. Der DFB-Kontrollausschuss leitete am Mittwoch eine Untersuchung ein.

Laut einer Stellungnahme von Hertha an den Kontrollausschuss hat sich der Vorfall in der 84. Minute vor der Schalker Südkurve ereignet. Schalke bat die Fans um Mithilfe bei der Suche nach den Schuldigen, denen Stadionverbote und sogar der Vereinsausschluss droht, sollten sie Mitglieder sein.

Auch die Polizei ermittelt

Sein Klub und zahlreiche Profis anderer Vereine hatten sich nach der Partie mit Torunarigha solidarisiert. Schalke hatte bekräftigt, die Aussagen des Spielers hinsichtlich "rassistischer Aussagen und Laute gegen ihn" sehr ernst zu nehmen und den Fall gemeinsam mit unter anderem der Polizei zu überprüfen. Die Polizei Gelsenkirchen nahm dann auch bereits Ermittlungen auf.

Am Donnerstag hatte sich Torunarigha erstmals zu Wort gemeldet und sich klar gegen Diskriminierung ausgesprochen. "Ich bin in Deutschland geboren, ich bin hier aufgewachsen, habe hier mein Abitur gemacht, spreche Deutsch wie alle anderen, deshalb kann ich diese Äußerungen, wie sie von einigen Idioten während des Spiels gemacht wurden, in keinster Weise verstehen", schrieb der 22 Jahre alte frühere Junioren-Nationalspieler bei Instagram.

"Tief verwurzelter Rassismus"

Der Fan- und Extremismusforscher Robert Claus spricht nach dem Vorfall von einem "gesellschaftlich tief verwurzelten Rassismus". Dieser drücke sich in einer langen Liste an Beispielen im Fußball aus, wo sich einzelne Fans "rassistisch, antisemitisch oder anderweitig diskriminierend" äußerten, sagte Claus in einem Interview der "Berliner Zeitung". "Affenlaute sind leider dafür ein klassisches Beispiel."

Diese und rassistische Rufe waren laut Claus vor allem in den 80er und 90er Jahren noch viel normaler. "Viele Fankurven haben in der Zwischenzeit einen Selbstreinigungsprozess mitgemacht." Gerade Frankfurt und Schalke seien dafür bekannt, dass sie innerhalb ihrer Ultra-Szene diskutiert und reguliert hätten, rassistische und antisemitische Rufe nicht zu dulden.

Quelle: ntv.de, tno/dpa/sid