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Profiteur im Transfer-"Domino"? Der FC Bayern lauert - und wartet auf Sané

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Karl-Heinz Rummenigge hat die Öffentlichkeit über den Stand der Dinge beim FC Bayern aufgeklärt.

(Foto: imago images / eu-images)

Karl-Heinz Rummenigge weist die Kritik an den bisherigen Transferaktivitäten des FC Bayern zurück. "Wir sind noch nicht am Ende. Wir sind grundsätzlich bereit, auch das, was ich als Topspieler bezeichnen würde, nach wie vor zu holen", sagt er. Der Stand der Dinge ist indes ernüchternd.

Eine kritische Meinung zum FC Bayern, die dürfe man frei äußern. Als bekanntermaßen große Demokraten nehme man solche Äußerungen zur Kenntnis. Selbst wenn man intern zu der Erkenntnis gelangt, dass es sich um eine eher eigenartige Kritik handelt. Das hat Karl-Heinz Rummenigge gesagt, der große Demokrat. Die Kader- und Transferdiskussion, die Thomas Kroth, Berater von Kapitän Manuel Neuer, am Samstag via "Süddeutsche Zeitung" entfachte hatte - als "private Meinung", wie Rummenigge nun nach Rücksprache mit Neuer erfuhr - und die die "Bild" am Sonntag mit ihrer "Pulverfass"-Einschätzung befeuerte, sie macht den Chef des Münchener Fußball-Bundesligisten in "keinster Weise nervös". Er verstehe natürlich, dass die "Ungeduld" - es hätte natürlich Geduld heißen müssen - nicht die große Tugend der Öffentlichkeit ist, aber allen Nervöslingen versicherte er, dass "wir mit Hochdampf" auf dem Transfermarkt arbeiten. "Wir werden eine Mannschaft haben, die in allen drei Wettbewerben sehr wettbewerbsfähig antreten wird." Das hatte niemand in Zweifel gezogen. Zum Thema war eher die (Un-)Tauglichkeit der Bemühungen um neues Spitzenpersonal geworden.

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Hatte Präsident Uli Hoeneß nicht schon frühzeitig und euphorisch die festgezurrten "big deals" verkündet? Hatte nicht Sportdirektor Hasan Salihamidzic in bemerkenswerter Offenheit seine Transferziele Leroy Sané und Callum Hudson-Odoi beworben? Doch, so war's. Offenbar ein Fehler. In Zukunft, so Rummenigge, würde man beim FC Bayern wieder weniger offensiv über die eigenen Aktivitäten reden. Darüber habe man im Klub gerade erst Einigkeit erzielt. Die Aktivitäten aber ruhen freilich nicht. Die Münchener Verantwortlichen, sie lauern. Wie auch die anderen Top-Klubs in Europa. Erst wenn der erste große Transfer getätigt werde (Anmerk. d. Red.: Eden Hazard wechselte bereits vom FC Chelsea zu Real Madrid), würde der Dominostein fallen, der alles in Bewegung bringe. So glaubt Rummenigge. Ein Effekt werde einsetzen, aus dem auch der FC Bayern etwas machen könnte. "Wir sind noch nicht am Ende. Wir sind grundsätzlich bereit, das, was ich als Topspieler bezeichnen würde, nach wie vor zu holen". Was damit wohl gemeint ist? Eher so die Perspektivkategorie um Benjamin Henrichs und Cengiz Ünder, die laut "Kicker" gehandelt werden, als die doch eigentlich erwarteten "big deals"?

Und wer wird dieser Dominostein-Transfer? Vielleicht Antoine Griezmann, der sich selbst von Atlético Madrid freikaufen will, um dann zum FC Barcelona zu wechseln? Vielleicht auch Neymar, der Paris St. Germain gerne verlassen möchte? Oder Ousmane Dembélé? Vielleicht aber auch doch Sané, der das Flügelproblem der bayrischen Offensive lösen könnte, der dann mit Kingsley Coman und Serge Gnabry eines der spannendsten Außenbahn-Trios im europäischen Fußball bilden würde? Nun, entgegen mehrerer Medienberichte ist der Traum von einer Verpflichtung des deutschen Nationalspielers in München zumindest noch nicht geplatzt. "Soweit ich weiß, kommt Leroy Sané diese Woche aus dem Urlaub zurück", erklärte Rummenigge. "Während seines Urlaubs wollte er keine Gespräche führen. Er wollte sich Gedanken machen. Das hat er sicher auch getan. Wir werden in aller Ruhe abwarten, was passiert."

Lauern auf den Last-Minute-Coup?

Klare Gedanken und ein kühles Herz brauche es nun. Mit diesen Qualitäten hatte der FC Bayern bereits in der Vergangenheit späte Top-Verpflichtung erfolgreich eingetütet. Javi Martinez beispielsweise, auch Xabi Alonso und Arjen Robben kamen quasi auf den letzten Drücker. "Wir sind in Position", sagte Rummenigge. Und weiterhin auch in der Lage finanziell bei den meisten Klubs mitzuhalten. Allerdings sei die Konkurrenz deutlich größer geworden und "die Summen, die heutzutage bezahlt werden, sind andere, wir sprechen im dreistelligen Millionenbereich schon fast von Normalität. Da wird die Luft dünner." Klar ist indes: Die Bayern werden noch einkaufen. Ein bis drei Transfers braucht's noch, um die intern verabredete Kadergröße von 18 Feldspielern zu erreichen. Klar ist auch: Am Ende der Transferphase steht dann tatsächlich auch das von Hoeneß ausgerufene "größte Investitionsprogramm" der Klubgeschichte. "Da wird der Uli recht behalten", versicherte Rummenigge. Tatsächlich ist es mit den 118 Millionen für Lucas Hernández, Benjamin Pavard und Jann-Fiete Arp bereits umgesetzt.

"Servus, ich bin der Lucas"

  • "Servus. Ich bin Lucas. Ich bin glücklich, hier zu sein. Ich freue mich auf eine gute Saison mit dem FC Bayern. Also: Pack ma's!" Mit diesen Worten hat sich der 23 Jahre alte französische Fußball-Weltmeister Lucas Hernández in München vorgestellt.
  • Der Abwehrspieler, der von Atletico Madrid kam und einen Vertrag bis 2024 unterschrieben hat, will zeigen, "das die 80 Millionen Euro gut investiert sind".
  • Nach einer Knie-Operation wartet Hernández aktuell noch auf "grünes Licht" der Ärzte, um ins Training mit dem Team einsteigen zu können.

Bis zum 2. September, also noch knapp zwei Monate, hat der Klub Zeit seinen Kader zu verstärken. Dabei geht es für Rummenigge aber nicht nur um "Qualität", sondern auch um "Quantität". Mit Mats Hummels habe der FC Bayern im Sommer lediglich einen Stammspieler abgegeben. Und der Verlust wurde mit den im guardiola'schen Superlativ jetzt nochmal angepriesenen "Top-top-Spielern" Hernández, dessen Präsentation übrigens Anlass des Pressegesprächs in der Allianz Arena war, und Pavard aufgefangen. Ein weiterer Stammspieler werde den Klub nicht mehr verlassen - womöglich aber Jérôme Boateng, den der Klubchef bei seiner zufriedenen Hymne auf die internationale Spitzenklasse der neuen bayrische Abwehr gar nicht mehr erwähnte. Auf Nachfrage zur Situation des Weltmeisters sagte er dann: "Der Trainer plant mit Niklas Süle, mit Lucas und mit Benjamin." Für einen anderen Weltmeister, eben Hummels, sei das eben der Grund gewesen, zu gehen.

Für Rummenigge ist diese Entscheidung übrigens kein Anlass dem 30-Jährigen nachzutrauern. Anders als in Dortmund, wo sie ihren Rückkehrer als nach wie vor "besten deutschen Innenverteidiger" feiern, sehen sie es in München nun naturgemäß so: "Ich habe ja irgendwo gelesen, der beste deutsche Innenverteidiger würde jetzt nicht mehr beim FC Bayern spielen. Ich bin der Meinung: Der beste deutsche Innenverteidiger spielt bei Bayern München, und er spielt im Übrigen auch in der Nationalmannschaft dort." Es ist: Niklas Süle, der beim Rekordmeister zum Stammspieler reifte und so das Duo Hummels und Boateng verdrängte. Wie der nun seine Zukunft plane, dass müsse man halt abwarten. Zum Trainingsstart am Vormittag war er jedenfalls erstmal dabei.

Mit gerade einmal sieben Feldspielern und Nachwuchstorwart Christian Früchtl startete der Meister die Vorbereitung auf die kommende Saison mit einem Leistungstest. Am Nachmittag folgte noch eine erste öffentliche Einheit auf dem Trainingsgelände an der Säbener Straße, angeleitet von Niko Kovac. Der soll sich laut "Süddeutsche Zeitung" im Mai übrigens ernsthaft mit einem Rücktritt beschäftigt haben, zermürbt von den ewigen Rummenigge-Sticheleien. "Das war mir nicht bekannt", erklärte der Klubchef nun irritiert. "Im Moment ist die Gerüchteküche sehr groß, da werden Dinge manchmal überstrapaziert."

Quelle: n-tv.de

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