Fußball

Mehrere Klubs stornieren Tickets Deutscher Clásico soll kein Geisterspiel sein

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Der BVB storniert vorsorglich Tickets - und darf wohl wieder welche verkaufen.

(Foto: imago images/Jan Huebner)

Am vergangenen Samstag feiern 50.000 Zuschauer den Sieg des 1. FC Köln über Mönchengladbach. Das sorgt für Empörung und eine Reaktion aus der Politik. Geisterspiele werden diskutiert, das Topspiel zwischen dem BVB und Bayern soll es aber nicht treffen. In Bayern ist man einen Schritt weiter.

Die Geisterspiele im deutschen Profi-Sport sind endgültig zurück. Aber noch nicht in allen Bundesländern. Zum Klassiker in der Fußball-Bundesliga zwischen Borussia Dortmund und Bayern München soll der BVB das Stadion zu einem Drittel auslasten dürfen. Das sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann bei ntv. "Wir haben uns in der Regierung darauf verständigt, dass wir jetzt erst einmal die Kapazität der Stadien auf ein Drittel beschränken werden. Keine Stehplätze mehr, alles auf Sitzplätze und dann halten wir das für vertretbar", so der Minister.

Allerdings könnte die Ministerpräsidentenkonferenz am Donnerstag diesen Plan durchkreuzen. Ein Entwurf, der ntv vorliegt, sieht vor, maximal 10.000 Zuschauende zu Großveranstaltungen zuzulassen. Das wären deutlich weniger als die 27.000, die laut Laumanns Aussage beim BVB ins Stadion dürften. Die Ministerpräsidenten tagen am Donnerstag. Solange gibt es in den verschiedenen Bundesländern diverse Regeln und Überlegungen.

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst hält ein komplettes Stadionverbot für wenig sinnvoll. "Ich glaube nicht, dass wir damit besser fahren, denn die Leute werden ihre Spiele gucken. Und dann gehen die in die Kneipen, gehen die in die Kellerbars", sagte er in der ARD-Sendung "Maischberger. Die Woche". Er glaube, dass es an der frischen Luft ausreichend Sicherheit gebe, sofern strenge Auflagen wie eine deutliche Reduzierung der Zuschauerzahl eingehalten würden.

BVB storniert Tickets

Der BVB stornierte vorsorglich am Mittwochvormittag alle bereits verkauften Tickets für das Topspiel. 67.000 Karten - und damit alle zur Verfügung stehenden - waren verkauft, die Käufer erhalten nun ihr Geld zurück. Sollten Zuschauer zum Topspiel zugelassen werden, muss der Verkauf neu gestartet werden. Genauso geht Borussia Mönchengladbach vor, das am Wochenende den SC Freiburg empfängt. Klar sei schon, dass "deutlich weniger als die bisher geplanten knapp 48.500 Zuschauer" im Stadien zugelassen sein würden, hieß es.

Neben diesen Spielen wird es auch zu Kapazitätsbegrenzungen bei den Erstliga-Spielen Bayer 04 Leverkusen gegen SpVgg Greuther Fürth, Arminia Bielefeld gegen 1. FC Köln kommen - die Bielefelder kündigten an, zumindest keine weiteren Karten im Vorverkauf zu veräußern. In der 2. Bundesliga werden die neuen Einschränkungen in Nordrhein-Westfalen erst in der darauffolgenden Woche greifen. Die drei NRW-Zweitligisten - FC Schalke 04, SC Paderborn und Fortuna Düsseldorf - treten am kommenden Spieltag allesamt auswärts an.

Empörung über Köln

Mit der Auslastungsbegrenzung reagieren die Länder auch auf die heftige Kritik am Rheinderby. Wüst hatte noch kurz vor der Austragung der Partie zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach am vergangenen Samstag die Entscheidung für Vollauslastung des Stadions verteidigt. "Ich glaube, das ist bei der Lage in Nordrhein-Westfalen eine angemessene Entscheidung", hatte der CDU-Politiker der ARD gesagt. Doch der gesundheitspolitische Sprecher der NRW-CDU, Peter Preuß, sagte später im Deutschlandfunk, dass "eine solche Genehmigung, wie sie wohl erteilt worden ist, heute, unter den Bedingungen, die wir jetzt kennen, nicht erteilt worden wäre."

Die Bilder der 50.000 Zuschauer im Kölner Stadion, die sich in weiten Teilen nicht an die kurzfristig angeordnete Maskenpflicht hielten, hatten für großen Unmut gesorgt. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sowie die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckhardt, hatten sich verärgert gezeigt. "Spiele im vollen Stadion sind aktuell nicht akzeptabel", hatte Lauterbach auch mit Blick auf die Anreisewege und die Feiern nach den Spielen gesagt und die Grünen-Politikerin hatte auf Twitter geschrieben, dass sie "wirklich null Verständnis dafür" habe. Auch FDP-Chef Christian Lindner hatte sich bei "Anne Will" für eine Reduzierung der Zuschauerzahlen ausgesprochen.

Söder setzt Geisterspiele durch

In Bayern ist man einen Schritt weiter. Ministerpräsident Markus Söder will alle Fans aus den Stadien seines Freistaats verbannen. "Es macht auf absehbare Zeit keinen Sinn, wieder Zuschauer zuzulassen", sagte er am Dienstag dem Bayerischen Rundfunk. "Es ist eine wichtige Forderung, dass wir bundeseinheitlich beschließen, dass wir künftig keine Zuschauer mehr machen. Wenn das auf Bundesebene nicht funktioniert, würden wir das für Bayern allein machen." Egal, was also als bundesweite Regel beschlossen wird, die bayerischen Profiklubs müssen sich auf Geisterspiele einstellen. Den FC Bayern trifft es aufgrund des anstehenden Spitzenspiels erst am 8. Dezember in der Champions League gegen den FC Barcelona. Bereits an diesem Wochenende betroffen sind die Partien FC Augsburg gegen VfL Bochum, FC Ingolstadt gegen Dynamo Dresden, Jahn Regensburg gegen SV Darmstadt 98 und TSV 180 München gegen den 1. FC Magdeburg.

Auch in Baden-Württemberg steht die Rückkehr zu den Spielen ohne Fans kurz bevor. "Es ist klar, dass im Profifußball Geisterspiele kommen", hatte Regierungssprecher Arne Braun schon am Sonntag gesagt. Zum Entsetzen der Vereine: "Wir sind ein großer Verein. Wir haben eine große Stadionkapazität und sind auch abhängig von den Ticketing-Erlösen. Wenn die wegbrechen, dann spüren wir das sehr deutlich. Deswegen sind Geisterspiele für uns wirklich auch dramatisch", sagte Thomas Hitzlsperger, der Vorstandschef des Bundesligisten VfB Stuttgart. Trotz der Sorge rechnet der Klub mit zwei Geister-Heimspielen bis Weihnachten. Auch wenn es bisher noch keine entsprechende Verordnung gebe, müsse man aktuell davon ausgehen, "dass wir die beiden letzten Heimspiele 2021 nur ohne Zuschauer austragen dürfen", teilte der Klub mit. Betroffen wären die Partien gegen Hertha BSC an diesem Sonntag sowie gegen den FC Bayern München am 14. Dezember.

Unterdessen geht der 1. FC Union Berlin davon aus, die Partie gegen RB Leipzig am Freitag (20.30 Uhr im ntv.de-Liveticker) entsprechend der derzeit gültigen Verordnung vor 13.506 Zuschauern austragen zu können. Doch könnte sich diese bald ändern. "Im Moment sind wir in Berlin bei einer Größenordnung von 5000 Menschen", kündigte Noch-Senatschef Michael Müller im RBB an.

Und der Flickenteppich zieht sich weiter durch: Niedersachsen denkt über eine Reduzierung der Kapazitäten nach, in Rheinland-Pfalz gilt nach wie vor die 2G-Regelung und Hamburg will sich einer "bundeseinheitlichen Regelung anschließen". Werder Bremen lässt nur noch Dauerkarten-Inhaber mit 2G-Regel für die anstehende Partie gegen Erzgebirge Aue zu, diesem Vorschlag sei die Bremer Bürgerschaft gefolgt.

DFL schließt Saison-Unterbrechung aus

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hatte zuletzt einen selbstverordneten Zuschauerausschluss ausgeschlossen und auf die Zuständigkeit der Politik verwiesen. In einer Stellungnahme hieß es zusätzlich, dass "ein selbstverhängter, flächendeckender Lockdown im Sinne einer Saison-Unterbrechung" kein Thema sei.

Wie es letztlich kommen wird, entscheidet sich bei den neuerlichen Bund-Länder-Beratungen am morgigen Donnerstag. Der Entwurf, der ntv vorliegt, könnte sich noch stark verändern. Möglicherweise setzt sich doch Söder mit seiner Forderung nach bundesweiten Begegnungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit durch. Unterstützung erhält der CSU-Politiker neben Baden-Württemberg auch aus Sachsen, wo die Geisterspiel-Regelung ohnehin bereits gilt.

Eile ist geboten, schließlich finden schon am Freitag wieder Spiele statt. Die Zeit zur Organisation drängt.

Quelle: ntv.de, sue/ara

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