Fußball

Neuer, Nübel und der FC Bayern Ein Vertrag, der ein großes Problem schafft

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Manuel Neuer wird das Tor des FC Bayern nicht so schnell räumen. Das ist nicht für alle eine Nachricht zum Jubeln.

(Foto: imago images/ActionPictures)

Manuel Neuer und der FC Bayern haben es tatsächlich noch geschafft: Sie haben sich auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit geeinigt. Trotz aller Misstöne der vergangenen Wochen ist das keine Überraschung. Und es hat eine Signalwirkung in alle Richtungen.

Als die ganze Welt am vergangenen Wochenende nach Köpenick (das liegt übrigens im Osten von Berlin) blickte, als sie erfuhr, dass zwei widerborstige Unioner das Null-Zuschauer-Konzept der Deutschen Fußball-Liga mit einem schnöden Baumplatz-Trick zu sabotieren versuchten, da warf Manuel Neuer der seit Wochen erregten Öffentlichkeit noch einmal einen leckeren Vertragspossen-Happen zu. Den vorsichtigen Optimismus von Klubchef Karl-Heinz Rummenigge konterte er mit einem "klar ist noch überhaupt nichts". Der Beisatz, dass Rummenigge über alles indes "im Bilde sei", ging etwas unter.

Nun, nur drei Tage nach der letzten öffentlichen "Ich-sag-was-du-sagst-was"-Runde schleicht sich das größte Theaterstück der fußballfreien Corona-Zeit fast ein wenig schüchtern von der Bühne: Manuel Neuer verlängert seinen Vertrag beim FC Bayern bis 2023 - und alle im Verein sind glücklich.

Alle im Verein sind glücklich

Gute Arbeit, FC Bayern

Der FC Bayern nutzte die Bundesliga-Pause effektiv, um Leistungsträger weiter an den Klub zu binden: Mit Alphonso Davies (bis 2025), Thomas Müller und Manuel Neuer (bis 2023) verlängerten drei Spieler, dazu durfte Trainer Hansi Flick endlich seinen Cheftrainervertrag unterschreiben. Nun fehlen noch Thiago und David Alaba: Mit beiden Stammspielern laufen derzeit noch Gespräche über eine Ausdehnung ihrer Papiere.

Und das wird schon auch so sein. Denn der, der am wenigsten glücklich darüber sein dürfte, der ist noch gar nicht da. Alexander Nübel nämlich, der wie man hört, mittelfristig die Nummer eins beim FC Bayern werden will und soll, ist ja noch anderthalb Monate Gelsenkirchener. Und dort übrigens längst auch (nicht) mehr glücklich. Denn beim FC Schalke 04 sitzt "eines der größten Torwarttalente in Europa", so betont es Karl-Heinz Rummenigge gerne und häufig, nur auf der Bank. Ein Problem.

Und dieser Status, der ist trotz der bisweilen großen handwerklichen Schwierigkeiten seines Konkurrenten Markus Schubert, nicht verhandelbar. Es ist ein Status, der Nübel nun aller Wahrscheinlichkeit nach akut karrieregefährdend noch über Jahre begleitet - mindestens mal drei, wenn der Kapitän des Rekordmeisters denn dann 2023 wirklich geht. Eine sportlich erfolgreiche Ablösung des mittlerweile ikonischen Neuer in München - wer glaubt schon daran? Und wer glaubt eigentlich daran, dass ein Nachfolger Nachfolger werden kann, wenn er ewig nur trainiert und nicht spielt?

Trainer Hansi Flick hat die Hierarchie im Tor ja auch gerade erst geordnet: Manuel Neuer ist die unumstößliche Nummer eins. Und sein aktuell erster Ersatzmann Sven Ulreich nicht zwingend die Nummer drei. Heißt also: Sollte Ulreich nicht wechseln, das ist weder ausgeschlossen noch nicht ausgeschlossen, geht es für den ambitionierten und forschen Nübel in der neuen Saison vorerst mal darum, überhaupt in den Kader für die Spieltage des FC Bayern zu kommen. Pflichtspiele - eher unwahrscheinlich.

Neuer spielt, Nübel nicht

Wäre da nicht diese ominöse und bislang nicht bestätigte Klausel, die dem 23-Jährigen Einsätze garantieren soll. Es ist eine Klausel, mit der Flick nicht nur wegen der Autorität seine Amtes arg fremdelt (Neuer übrigens auch). "Wer letztendlich spielt, ist immer Sache des Trainers. Und diese Entscheidung spreche ich immer mit meinem Team ab."

Neuer spielt, Nübel sitzt - so schaut's dann eben aus. In der Welt des Trainers und in der Welt des Münchner Torwart-Titans. Der hält ja bekanntermaßen gar nichts von allzu forschen Herausforderern, weder in der Nationalmannschaft noch in seinem Klub. Und so hatte er im vergangenen Herbst den klagenden Marc-André ter Stegen zunächst mal wuchtig eingenordet, um dann im Wintertrainingslager auch Nübel klar zu machen, wie das in München laufen soll: "Ich bin Sportler, ich bin Profi. Ich bin kein Statist, sondern Protagonist und möchte immer spielen."

Aus der Wut des Torwarts, der nach seinen schweren Verletzungen in den Jahren 2017 und 2018 nun wieder in allerbester, in weltbester Form spielt, hatte sich eine aburd lange Vertragsposse entsponnen, wie es sie in München ewig nicht gab. Es ging um Status, um Wertschätzung, um wilde Forderungen, um Vertrauen und um Indiskretionen - der zumindest nach außen eher bescheiden wirkenden Torwart wurde in der Diskussion zum "Teuer-Neuer" oder zu "Manu mit den Monsterwünschen". Ein überraschend Gieriger, ausgerechnet in dieser schweren Krisen-Zeit. Seine Beliebtheitswerte rauschten bisweilen bedenklich Richtung Coronavirus-Niveau.

Alles ein nun völlig unspektakulär beendetes Schauspiel, jetzt sind sie doch noch alle wieder glücklich geworden miteinander an der Säbener Straße. Große Fragen müssen dann ab dem Sommer wieder geklärt werden, wenn Neuers Nachfolger an Neuers Nachfolge arbeitet. Die Unterschrift hat diese Fragen nun nur dringender werden lassen.

Quelle: ntv.de