Fußball

Salihamidzic erneut beschädigt Die folgenschwere Attacke von Manuel Neuer

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Unschuldig?

(Foto: imago images/photoarena/Eisenhuth)

Noch immer ist wahrscheinlicher, dass Manuel Neuer seinen Vertrag beim FC Bayern verlängert als dass er den Klub verlässt. Mit seinem Verhalten in den vergangenen Wochen hat er aber nicht nur sich selbst beschädigt.

Wenn beim FC Bayern etwas dringend gesagt werden muss, dann ist die "Bild"-Zeitung gefragt. So ist es nicht immer, aber eben doch sehr oft. Und so war es auch am späten Montagabend. Da musste Klubchef Karl-Heinz Rummenigge nämlich etwas loswerden. Und zwar, dass er glaubt, nein, dass er überzeugt ist, dass seine Münchner und Kapitän Manuel Neuer "eine für beide Seiten glückliche Lösung finden werden." Nun, der Chef ist nicht der Einzige, der das glaubt. Tatsächlich ist ja unvorstellbar, dass diese bisher so erfolgreiche Geschichte endet wie ein Schangelroman: mit einer tragischen Scheidung.

Das aktuelle Kapitel steigert den Klimax der Erzählung aber dramatisch Richtung Krise. Und wer nun der eiligere Treiber der Konfrontation ist, das die entscheidende Frage. Womöglich ist es Neuer selbst, der den Klub am Sonntag mit der brisanten Loyalitäts- und Maulwurfsfrage konfrontierte. Natürlich via "Bild"-Zeitung, von wegen dringend und so. Womöglich ist der Treiber indes auch Hasan Salihamidzic. Der ja häufig kritisierte Sportdirektor muss sich nämlich mit dem Vorwurf beschäftigen, dass er Details aus den Verhandlungsrunden verpfiffen haben könnte. So wurde unter anderem eine angebliche 20-Millionen-Euro-Forderung pro Jahr bekannt, die Neuer (er bestreitet die Summe) brutal gierig erscheinen ließ, die sein Image heftig ankratzte.

Der Salihamidzic, das ist der Hauptverdächtige

Gesagt hat das, also den direkten Vorwurf an den Sportdirektor, so direkt niemand. Und dennoch wird das, was da gesagt wurde, von fast allen Sportmedien des Landes halt so verstanden: der Salihamidzic, das ist der Hauptverdächtige. Denn von den drei direkt Beteiligten hat er als Einziger kein überzeugendes Alibi. Thomas Kroth, der die Gespräche über den Vertrag von Neuer als dessen Berater führt, scheidet als Täter aus. Wegen seiner Rolle. Und mit Verweis auf vergangene, diskret geführte Verhandlungen.

Oliver Kahn steht ebenfalls auf einer sehr stabilen Verteidigungslinie: Er schätzt Neuer. Er lobt Neuer. Und er weiß: Als Torwart kannste euch ewig alt noch ewig gut sein. Bleibt also Salihamidzic. Und der hat den 23 Jahre alten Schalker Alexander Nübel ablösefrei verpflichtet (was gemeinhin als gute Idee betrachtet worden war). Den perspektivischen Nachfolger von Neuer. Und blöderweise soll er dem Talent in Lehre auch direkt mal ein paar Einsätze versprochen haben - was Neuer skurril findet, wie der der "Bild" sagte.

Mehr als diese drei sind also nicht direkt involviert in das, was das über die Zukunft des Kapitäns ausgehandelt wird. Aber, und das ist das beste Alibi für den Sportdirektor, es ist natürlich so, dass der Kreis der inhaltlich Mitwissenden schnell wachse. So könnte auch aus dem Aufsichtsrat etwas nach draußen gedrungen sein. Auch wenn Uli Hoeneß, der Ex-Präsident, für die Verschwiegenheit des Gremiums bürgt. Dass nun aber dennoch vor allem über Salihamidzic geredet wird, erhöht erneut den Druck auf ihn. Und dass der Verein Neuer laut "Sport Bild" mit dem Interview (der Klub war nur darüber informiert, dass es kommt) am Wochenende ohne Strafe ziehen lässt, ist auch keine Stütze für den beschädigten Sportdirektor. Es ist das Gegenteil.

Schon einmal geschwächt worden

Wieder einmal. Denn der Sportdirektor war ja zuletzt bereits in seinem Treiben deutlich eingegrenzt und in seiner Funktion geschwächt worden. Alle Pläne für den neuen Kader des FC Bayern finden nämlich in enger Abstimmung mit Trainer Hansi Flick statt. Und das sogar offiziell verbrieft. Flick hat sich nämlich so irgendetwas zwischen Mitsprache- und Vetorecht in seinen neuen, seinen ersten Cheftrainervertrag in München schreiben lassen. Das wohl auch, weil er mit der Kaderpolitik des Sportdirektors im Winter so gar nicht zufrieden war. Und das öffentlich auch kundtat. Immerhin bekam er dann doch noch einen Fußballer für das, laut Flick, viel zu kleine Aufgebot. Eine Verstärkung ist der rechts verteidigende Leihspieler Álvaro Odriozola allerdings nicht.

Dass Salihamidzic in diesen Tagen aber auch einige wichtige Verhandlungserfolge oder -miterfolge aufzuweisen hat (und mit David Alaba und Thiago weitere strategisch wichtige Gespräche führt), das geht unter. So hat Flick verlängert. Der wiedererstarkte Thomas Müller auch. Und Alphonso Davies, das einst vom Sportdirektor selbst entdeckte und in dieser Saison so bemerkenswert aufspielende Talent aus Kanada, bindet sich langfristig. Das alles wird überlagert von Neuer. Und dieser bizarren Posse um Vertragsinhalte. Die könnte sich aber womöglich nun sehr bald auflösen. Und zwar mit der "glücklichen Lösung". Denn beide Lager sollen sich wieder aufeinanderzubewegen. Das berichtet die "Sport Bild". Ist ja dringend und so.

Seit dem Interview des 34-Jährigen und seines Beraters sei "wieder eine Annäherung zwischen beiden Parteien zu spüren." Quellen dafür werden nicht genannt. Vielleicht war's der Maulwurf? Neuer soll indes die von ihm geforderte größere Wertschätzung bekommen - wie diese aussehen soll, vorerst unklar. Sowohl der Torwart als auch der Rekordmeister würden aber die Bereitschaft zeigen, "eine Einigung für eine weitere Zusammenarbeit erzielen zu wollen." Es wäre eine Einigung mit einem hohen Preis (nein, nein, nicht das Gehalt, obwohl das wohl auch), denn diese Einigung kennt ja mindestens zwei Verlierer: Salihamidzic und Neuers Image.

Quelle: ntv.de