Fußball

"Habe mich in ihm getäuscht" Ex-Schalke-Boss Tönnies bricht mit Putin

Der russische Präsident Wladimir Putin (r) und Clemens Tönnies, damaliger Aussichtsratsvorsitzender des Bundesligavereins Schalke 04, halten ein Schalke-Trikot mit der Aufschrift des ehemaligen Sponsors Gazprom.

Tönnies und Putin bei der Vertragsunterzeichnung 2006.

(Foto: picture-alliance/ dpa/Archivbild)

Über lange Zeit kokettiert der ostwestfälische Unternehmer und ehemalige Schalke-Boss Clemens Tönnies mit seiner guten Verbindung zu Wladimir Putin. Der lädt die Mannschaft kurz nach der Annexion der Krim sogar in den Kreml ein. Nach dem Beginn des Angriffskriegs bricht Tönnies nun mit Putin.

Clemens Tönnies und Peter Peters zeigen sich geschockt von Russlands Krieg gegen die Ukraine. Die ehemaligen Funktionsträger des FC Schalke 04 fühlen sich "getäuscht" vom russischen Autokraten Wladimir Putin. "Wir haben uns darauf verlassen, dass die Dinge in Ordnung kommen und es ehrliche Versuche gibt, alles im Frieden zu lösen", sagte der ehemalige Schalker Finanzchef Peters dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Ich habe mich wie viele andere in ihm getäuscht", erklärte der Ex-Aufsichtsratschef Tönnies über die Social-Media-Kanäle seines Unternehmens, der Tönnies Holding, Deutschlands größtem Schlachtbetrieb.

Anfang der Woche hatte sich Fußball-Zweitligist FC Schalke 04 trotz drückender Schuldenlast von dem russischen Staatskonzern Gazprom getrennt. Der Vertrag lief eigentlich noch bis 2025 und brachte dem Verein rund 10 Millionen Euro pro Jahr in der zweiten Liga, eine Summe, die sich bei der Rückkehr ins Oberhaus mehr als verdoppelt hätte. Doch die neue Führung des Vereins sah sich nicht nur aufgrund der immer lauter werdenden Kritik zu diesem Schritt gezwungen.

Aktuell laufen Verhandlungen mit dem Wohnungsunternehmen Vivawest, das kurzfristig als neuer Haupt- und Trikotsponsor einspringen könnte. Nach ntv.de-Informationen wäre das Unternehmen bereit, rund zwei Millionen Euro für den Rest der Saison zu zahlen. Eine kurzfristige Finanzhilfe, die Schalke 04 zurück auf Kurs bringen könnte. Der Traditionsklub aus dem Ruhrgebiet hatte sich seit 2007 in eine finanzielle Abhängigkeit von Gazprom begeben und war damit der erste Ankerpunkt des Staatskonzerns außerhalb Russlands. Seit 2012 war der bis zur Aufkündigung der Zusammenarbeit in Zusammenhang mit dem Angriffskrieg auch einer der Großsponsoren der Europäischen Fußball-Union (UEFA).

Die Zusammenarbeit mit Schalke 04 war erst im Mai 2021 nach dem Abstieg des finanziell schwer angeschlagenen Ruhrgebiets-Giganten verlängert worden. Im Jahr 2007 war der ursprüngliche Vertrag mit Gazprom Germania, einer deutschen Gazprom-Tochter, von Tönnies ausgehandelt worden, Peters war damals der Schalker Finanzchef. Beide hatte den Revierklub 2020 verlassen.

Tönnies kokettierte mit Putin-Freundschaft

"Ich bin fassungslos über den Vernichtungskrieg von Putin in der Ukraine und verurteile ihn aufs Schärfste", teilte Tönnies nun in einem Statement mit: "Meine Gedanken sind bei allen Ukrainerinnen und Ukrainern, die von diesem sinnlosen Krieg betroffen sind." Tönnies verwies zudem darauf, dass sein Unternehmen "die geschäftlichen Aktivitäten in Russland" 2021 beendet habe.

Tönnies hatte sich nach dem Ende der Zusammenarbeit mit Gazprom als Übergangslösung angeboten und sich mit seinem Unternehmen, das Marken wie Böklunder oder Gutfried führt, als Hauptsponsor mit einem befristeten Vertrag ins Gespräch gebracht. Von der neuen Schalker Vereinsführung hatte es darauf keine ernstzunehmende Reaktion gegeben.

"Wir bleiben da ruhig. Wir sind Sportsleute und keine Weltpolitiker. Die Politik ist nicht unser Spielfeld", hatte Tönnies im April 2014 gesagt. Kurz nach der völkerrechtswidrigen Annexion hatte der damalige Schalke-Boss mit einer Einladung Putins in den Kreml kokettiert. Das war auch innerhalb der eigenen Fanszene auf heftige Kritik gestoßen.

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Die damalige Frage, ob Schalke trotz der Krim-Krise weiterhin mit Gazprom zusammenarbeiten wolle, hatte er mit den Worten, es werde auch "eine Zeit nach der Krise geben" beiseite gewischt. Damals zahlte das Unternehmen jährlich rund 17 Millionen Euro an die Königsblauen. "Gazprom ist ein starker und zuverlässiger Partner, dem das Wohlergehen von Schalke am Herzen liegt. Beide Seiten sind hochzufrieden", hatte Tönnies kurz vor der Einladung von Putin der "Bild"-Zeitung gesagt und die Annexion der Krim "aus deutscher Sicht" einen Fehler genannt. "Ich bin kein Weltpolitiker", hatte Tönnies gesagt: "Aber wir freuen uns, wenn wir uns sehen. Er [Putin, Anmerk. der Red.] erkundigt sich dann auch nach Schalke. Wir haben ein gutes Verhältnis, dazu stehe ich."

US-Präsident Joe Biden hatte den russischen Staatschef wegen des Angriffskriegs als "russischen Diktator" bezeichnet. Der frühere Schach-Weltmeister Garri Kasparow nannte Putin in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" einen "verrückten Diktator".

Quelle: ntv.de, sue

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