Fußball

Der Zoff schadet dem FC Bayern Flick legt weiter Feuer

Die "Ehe" zwischen Hansi Flick und Hasan Salihamidzic ist mindestens mal gestört. Ob die Beziehung zwischen dem Trainer und dem Sportvorstand des FC Bayern überhaupt noch zu retten ist? Nun, unklar. Für den Fußball-Bundesligisten ist sie indes brandgefährlich.

Na gut, Hansi Flick wurde gefragt. Nach Alexander Nübel und dessen garantierten Einsätzen. Und, ob er, Flick, immer noch glaube, dass Jérôme Boateng auch in der kommenden Saison ein Spieler des FC Bayern sein kann. Mehrere Medien hatten in dieser Woche berichtet, dass der Innenverteidiger keinen neuen Vertrag in München erhalte. So simpel diese beiden Fragen formuliert waren, so viel Sprengkraft hatten sie. Denn Nübel und Boateng sind zwei zentrale Figuren im heftig schwelenden Machtkampf beim FC Bayern.

Und wie heftig dieser an der Säbener Straße schwelt, wie heftig dieser womöglich bereits brennt, das offenbarten die Antworten des Trainers in der Medienrunde vor dem Achtelfinalrückspiel in der Champions League gegen den Lazio Rom (21 Uhr im Liveticker bei ntv.de). Zu Nübel stellte Flick klar, dass er "keine Klauseln" kenne, die die "Spieler in ihren Verträgen haben". Und dann ließ er noch durchblicken, dass ihn solche Dinge ohnehin auch nicht interessieren (er hätte sonst ja auch mal an entsprechenden Stellen nachfragen können). Es sei schließlich so, "dass ich dafür da bin, um Entscheidungen zu treffen, wer spielt, wer nicht spielt. Das ist meine Aufgabe, da lasse ich mir auch nicht reinreden". Und zu Boateng, den Flick an der Säbener Straße wieder sehr wichtig gemacht hat, gestand er bedeutsam: "Zuletzt wurde mit mir nicht darüber gesprochen. Ich kann dazu nichts sagen."

"Ehe" ist gestört

Deutlicher kann man sein Hoheitsgebiet (und dessen Grenzen) nicht abstecken. Nun sind diese Sätze nicht direkt explosiv, denn so ähnlich hatte sich der Coach in den vergangenen Monaten bereits häufiger positioniert. Aber sie wirken immer wieder wie kleine Feuer, die den Frieden beim FC Bayern akut gefährden. Denn sie richten sich unmissverständlich gegen Sportvorstand Hasan Salihamidzic. Nicht nur wegen Nübel und der angeblich versprochenen Einsätze. Die "Ehe" zwischen den sportlichen Alphatieren ist mindestens mal gestört. Und soll laut "Bild"-Zeitung zuletzt sogar lautstark eskaliert sein. Vermittlungsversuche der Bosse Karl-Heinz Rummenigge und Oliver Kahn seien dabei auch ins Leere gelaufen.

Seit der Winterpause 2020 gibt es immer wieder harte Verwerfungen bei Transfers. Hier hat Salihamidzic sein Hoheitsgebiet klar abgesteckt. So geht tatsächlich erst ein (!) Transfer auf den Willen von Flick zurück. Der von Tiago Dantas. Der 20-Jährige ist von Benfica Lissabon ausgeliehen. Der Trainer sieht in dessen Ausbildung ein "Projekt", Salihamidzic dagegen will den Vertrag wohl nicht verlängern. Was für ein Irrsinn! Eine so brutale Konfliktlinie an einem Fußballer, der erst siebenmal in der 3. Liga und drei Minuten in der Bundesliga gespielt hat. Nübel, Tiago Dantas, die gesamte (uneinige) Transferpolitik, dazu noch eine angeblich sehr große Wertschätzung des Bosniers für den Trainer Julian Nagelsmann (RB Leipzig), die Zahl der Brandherde ist groß. Und für den Verein zunehmend gefährlich.

Eine Zukunft mit beiden?

Denn klar ist eigentlich: Die Münchner planen sowohl mit Flick als auch mit Salihamidzic die Zukunft. Die Spekulationen um einen vorzeitigen Abgang des Trainers zum DFB, als neuer Bundestrainer, kassierte Rummenigge gerade erst vehement ein. Und dass der Rekordmeister den Bosnier im vergangenen Sommer zum Sportvorstand beförderte, ist ebenfalls alles andere als eine Kurzzeitplanung. Bitter ist auch: Die Arbeit - Zusammenarbeit ist vermutlich das falsche Wort - beim FC Bayern ist sehr erfolgreich. Sechs Titel hat Flick in seinen knapp anderthalb Jahren bereits gewonnen. Dabei auch das erst zweite Triple der Klubgeschichte klargemacht. Und das mit einem spektakulären Kader, den auch Salihamidzic, der zum Zoff-Thema öffentlich übrigens seit Wochen schweigt, mitzuverantworten hatte.

Ein Löschversuch von Flick (wenn es denn einer war) in der vergangenen Woche ging dann auch gänzlich schief. Seine Aussagen über Zustände wie in einer "Ehe" und eine manchmal mangelnde "Einigkeit" wirkten nicht als Kitt auf die Risse dieser gestörten Beziehung, sie wurden vielmehr als Eingeständnis der Probleme interpretiert. Fast schon ironisch wirkte dann auch sein abschließender Satz: "Trotzdem sehe ich nichts, was uns in der Zusammenarbeit stören könnte." Aber warum dann immer wieder diese kleinen Feuer?

Quelle: ntv.de

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