Fußball

Zurück in die Klopp-Spur? Für den BVB geht es mit Rose um alles

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Ab dem Sommer muss Marco Rose beim BVB riesige Aufgaben erledigen.

(Foto: imago images/Team 2)

Seit Jürgen Klopp sucht der BVB einen passenden Trainer. Marco Rose soll nun nicht nur für eine neue Identität sorgen, sondern muss auch die Dortmunder wieder zur mindestens zweitstärksten Fußballmacht in Deutschland formen. Ansonsten drohen bittere Konsequenzen.

Diese Trainerverpflichtung muss sitzen. Fünf Spielleiter hat der BVB seit Jürgen Klopps Abgang 2015 verschlissen. Nummer sechs, Marco Rose von der anderen Borussia aus Mönchengladbach, muss nicht nur die sportliche Talfahrt der Dortmunder stoppen. Es geht um alles für die Schwarz-Gelben. Rose muss dem BVB eine neue Identität einhauchen und die Fans wieder mitreißen, dem Revierklub die Konstante Champions League erhalten, damit weiterhin junge Talente gen Dortmund ziehen - und dem Verein die Stellung als mindestens zweite Kraft im deutschen Fußball zurück erkämpfen.

Das BVB-Gefühl vom Beginn der 2010er-Jahre ist fast vollständig verblasst. Die Position als zweite Kraft im deutschen Fußball hat der Klub an RB Leipzig verloren. Mehr noch: Seit Monaten ist Dortmund nur noch Mittelmaß und flößt niemandem mehr Angst ein. Marco Rose steht ab Sommer vor der Mammutaufgabe, die Risse im BVB-Selbstverständnis zu kitten und dem Klub eine neue Identität zu geben. Schon Anfang Januar hatte Lizenzspielerchef Sebastian Kehl gefordert, dass man eine "neue Leistungskultur auf dem Platz kreieren" müsse. Nicht weniger als die seit Klopp hart erarbeitete Stellung im Bundesliga- und Königsklassen-Fußball steht auf dem Spiel.

Qualifiziert sich der Revierklub nicht mehr für die Champions League, wollen Europas Rohdiamanten - die Haalands, die Sanchos, die Bellinghams - nicht mehr zum BVB. Das Ausbildungs-Geschäftsmodell würde ins Stottern geraten, schließlich setzt auch Leipzig auf diese Methode. Die Talfahrt würde dann erst so richtig beginnen. Damit das nicht passiert, müssen die bereits vorhandenen Haalands, Sanchos und Bellinghams unbedingt gehalten werden, möglicherweise hilft ihnen die nun geschaffene Klarheit auf dem Trainerposten.

Auch die realistische Chance auf Titel muss für sie und für den Verein weiterbringende Transfers gegeben sein. Seit dem Ende der Ära Klopp gab es lediglich den Pokalsieg im Jahr 2017, viel zu wenig für die Nummer zwei Deutschlands. Daran wird Rose gemessen werden.

Konsequente Idee vom Fußball

Das Erbe Klopps belastet den BVB immer noch. Nie konnte es vernünftig zum Abschluss gebracht werden, nie konnte eine echte neue Identität eingeimpft werden, nie war der Klub sich wirklich klar darüber, für welchen Fußball er eigentlich stehen möchte. Trainer mit den unterschiedlichsten Philosophien verwischten immer wieder die Konturen.

Aber Rose kann - das hat er in Gladbach und Salzburg bewiesen - eine Begeisterung in der Mannschaft wecken, wie der öffentlich zu kritische Edin Tersic, der zurückhaltende Lucien Favre und der komplizierte Thomas Tuchel es wohl nicht vermochten. So etwas braucht das emotionale Umfeld in Dortmund und die Stadt selbst. Er muss aber seinen eigenen Weg finden und darf sich vom Klopp'schen Erbe nicht beeinflussen lassen.

Rose besitzt zwar nicht so viel Rock'n'Roll wie der Über-Trainer, aber dafür eine ebenso konsequente Idee vom Fußball: direkt und zielgerichtet nach vorne, aggressiv und angriffslustig, viel Pressing und Gegenpressing, schnelles Konterspiel. Dennoch schneidet der frühere Profi seine variablen Formationen gerne genau auf den jeweiligen Gegner zu, nutzt dabei aber stets die Talente und Fähigkeiten seiner Spieler perfekt aus.

Schon in Salzburg ließ Rose schönen und gleichzeitig erfolgreichen (zwei Meistertitel, schmiss 2018 die Dortmunder aus der Europa League) und durchschlagskräftigen Fußball spielen. Mit den Fohlen schrieb er Geschichte, als er sie zum ersten Mal überhaupt ins Achtelfinale der Champions League führte. Und das in einer Hammer-Gruppe mit Real Madrid und Inter Mailand. Die zuvor stagnierende Mannschaft entwickelte sich prächtig unter ihm, darauf zählt nun auch der BVB.

Positive Bilanz gegen den FC Bayern

Allerdings: Zuletzt zeigten sich bei den Gladbachern aber auch einige Grenzen unter Rose auf, in den jüngsten 15 Ligaspielen gab es nur fünf Siege. Und obwohl der Trainer stets eloquent und authentisch gibt und emotional positiv rüberkommt, bekommt sein Standing durch den vorschnellen Abgang vom Fohlen-Projekt ein paar Kratzer ab. Wobei Sportdirektor Max Eberl jüngst betont hatte, dass Rose ohne die nun aktivierte Ausstiegsklausel nie in Gladbach angefangen hätte. In Dortmund muss Rose schnell klarmachen, für welche Werte er steht. Seine Persönlichkeit wird dem Revierklub aber besonders nach dem zu ruhigen Favre und dem zu perfektionistischen Tuchel guttun.

Auch der nicht immer einfache BVB-Boss Watzke dürfte sich mit dem emotional intelligent wirkenden Coach verstehen. Ihr Verhältnis wird wichtig sein, denn Rose soll auch Stabilität in das Fundament des Bundesligisten bringen. Dem Klub stehen Weichen stellende Jahre bevorstehen.

Funktioniert alles reibungslos auf der Trainerposition, der neben Watzkes Rolle wichtigsten im Verein, können die Verantwortlichen die im Sommer 2022 auslaufenden Verträge von Sportdirektor Michael Zorc und Sebastian Kehl und die im Winter 2022 endenden Amtszeiten von Watzke und Präsident Reinhard Rauball entspannter angehen. Rose wird also auch für die längerfristige Zukunft des BVB eine wichtige Rolle spielen, für die Jahre, wenn er vielleicht gar nicht mehr Trainer beim Revierklub ist. Eine große Erwartungshaltung lastet auf ihm, an der er nicht zerbrechen darf.

Für den BVB geht es mit Marco Rose um alles. Kurz- und mittelfristig muss der neue Dortmund-Coach riesige Aufgaben bewältigen: Dem polarisierenden Klub seine Mentalität zurückgeben und ihn wieder als wichtigsten Bayern-Jäger etablieren, bevor sich das Mittelmaß langfristig einschleicht. Vielleicht war auch Roses Bilanz gegen die Bayern ausschlaggebend für den Wechsel. In drei Ligaspielen lautet diese: zwei Siege bei einer Niederlage.

Quelle: ntv.de

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