Fußball

Dortmunds Erfolg im Schnellcheck Im Zweifel Erling Haaland

45 Minuten braucht Borussia Dortmund, um in das Bundesliga-Topspiel bei RB Leipzig zu finden. Dann ist auch Erling Haaland hellwach, der seine Quote auf "25 in 25" schraubt. Julian Nagelsmann ist deshalb weniger gut drauf als vor dem Anpfiff.

Was ist in der Leipziger Arena passiert?

Statistisch gesehen exakt das, was zu erwarten war. Denn einen Heimsieg von RB Leipzig gegen Borussia Dortmund gab es seit knapp viereinhalb Jahren nicht, als der damalige Aufsteiger aus Sachsen das Bundesliga-Spiel seiner Konzerngeschichte mit 1:0 gegen die Westfalen für sich entschied. Seitdem gab es vier weitere Duelle im ehemaligen Zentralstadion, in denen Schwarzgelb unbesiegt ist. Trotzdem hatte Leipzigs Übungsleiter Julian Nagelsmann vor dem Top-Spiel der 15. Runde des Fußball-Oberhauses gesagt: "Den Sieg planen wir schon ein, weil wir [...] sehr gut drauf sind." Offensichtlich aber nicht gut genug, zumindest an diesem Abend.

Es sollte ja ein Topspiel werden, so verkauft die DFL diese Anstoßzeit, doch zumindest in der ersten Halbzeit war wenig davon zu sehen, dass diese beiden Klubs gerne die ewige Meistertitel-Serie des FC Bayern beenden wollen würden. Dortmund ließ Leipzig kommen, aber nicht in gefährliche Abschlusssituationen und wer sich die kompletten 90 Minuten in der Wiederholung anschauen möchte, der kann die Phase vor dem Seitenwechsel problemlos überspringen.

Im zweiten Spielabschnitt löste sich Borussia Dortmund dann aus der Lethargie des ersten Durchgangs und schaffte es tatsächlich, das Tor der Leipziger in Bedrängnis zu bringen. Sogar mehrfach und erfolgreich, weshalb im ewigen Auf und Ab der schwarzgelben Fußball-Seele nun wieder Zeit ist für große Hoffnungen. Zumindest bis zur nächsten Ernüchterung gegen einen dem eigenen Selbstverständnis nach ganz eindeutig schlagbaren Gegner.

Teams & Tore

Tore: 0:1 Sancho (55.), 0:2 Haaland (71.), 0:3 Haaland (84.), 1:3 Sörloth (89.)

Leipzig: Gulacsi - Orban, Upamecano, Halstenberg - Adams, Sabitzer (61. Klostermann), Haidara (71. Hwang), Angelino - Dani Olmo, Forsberg (61. Sörloth) - Poulsen (88. Samardzic). - Trainer: Nagelsmann

Dortmund: Bürki - Meunier, Akanji, Hummels, Guerreiro - Witsel (30. Can), Delaney (69. Zagadou) - Sancho (85. Tigges), Reus (85. Brandt), Reyna - Haaland. - Trainer: Terzic

Unsere ausführliche Meldung zum Spiel gibt's hier.

Die 90 Minuten im Spielfilm

10. Minute: Bislang reicht es, die Dortmunder Hälfte des Spielfeldes im Blick zu behalten. Die Borussia verteidigt tief, hat mitunter alle elf Spieler hinter der Mittellinie. Leipzig macht Druck, ohne bislang aber ernsthaft gefährlich geworden zu sein. Der schwarz-gelbe Spielaufbau hat seinen Namen noch nicht verdient.

12. Minute: Das Gute an Geisterspielen: Die Ansagen auf und neben dem Feld sind klar zu hören. So zum Beispiel Mats Hummels, der fragt: "Wo ist das Foul?" Die ebenso richtige wie überzeugende Antwort von Schiedsrichter Daniel Siebert: Genau dort, wo es nun den Freistoß gibt.

17. Minute: Das Bundesliga-Spitzenspiel erinnert ein bisschen an die eigenen Erfahrungen in der Kreisklasse. Referee Siebert lässt durchaus Härte in der Zweikampfführung zu, beide Mannschaften nutzen dies. Die fußballerische Qualität steigert das nicht. Wobei die in der Kreisklasse manchmal auch die kompletten 90 Minuten lang verschollen geblieben ist.

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Witsel musste früh verletzt runter.

(Foto: imago images/MIS)

23. Minute: Die erste richtig gefährliche Situation für Leipzig, aber die Hereingabe vom starken Angelino rauscht durch. Was auch durchrauscht: Julian Nagelsmann, der - grob geschätzt - noch keine einzige Aktion seiner Mannschaft unkommentiert gelassen hat. Womit er sich in der Kreisklasse wenig Freunde machen würde.

35. Minute: Die Nackenstarre löst sich etwas, Dortmund findet mittlerweile den Weg in die Leipziger Hälfte. Mehr aber auch noch nicht. Gerade ist es so spannend, dass die Frage aufkommt, ob es die Sachsen mit dem "Bullen"-Thema im Stadion nicht etwas übertrieben haben, als sie das komplette Rund mit Bildern von überlebensgroßen Tieren bestückt haben.

Halbzeit: Was ist eigentlich bei Twitter so los? Nicht viel, aber es ist ein schönerer Ort, seit Donald Trump zumindest dort seine Lügen nicht mehr in die Welt hinausschreien darf. Zum Bundesliga-Topspiel? Wer die ersten 45 Minuten verpasst hat, hat fast nichts verpasst.

49. Minute: Na endlich, Torgefahr. Dortmund über links, Reus bekommt den Ball links im Strafraum, aber Gulacsi wehrt zur Ecke ab. Die köpft Can aufs Tor. Eine Annäherung. Und der erste Torschuss des BVB.

55. Minute, TOOOOOOR FÜR DORTMUND: Der BVB offensiv jetzt deutlich zielstrebiger als vor der Pause. Haaland und Reus kombinieren auf der rechten Seite, der Norweger kommt mit Tempo in den Sechzehner und legt zurück auf Reus, der mit der Hacke zu Sancho spielt. Der schiebt links unten zur Führung ein. Oder wie es Mats Hummels sagt: "Gut so, Jadon", verbunden mit dem Aufruf: "Es geht sofort weiter". Zunächst mal mit Anstoß Leipzig.

65. Minute: Einmal die gewaltige Kraft des Erling Haaland spüren, das durfte gerade das Leipziger Tor. Allerdings so, dass der Ball vom Gehäuse zurück ins Spielfeld flog, nein, geschleudert wurde. Linke Klebe, Gulacsi noch dran, Latte, kein Tor. Aber Dortmund mit klaren Vorteilen. Fast hätte Leipzig erneut anstoßen müssen.

67. Minute: Pfosten auf der anderen Seite. Dani Olmo bekommt im Strafraum beeindruckend viel Platz und entscheidet sich deshalb pflichtgemäß, das Spielgerät an Roman Bürki vorbeizuschießen. Das gelingt ihm auch, allerdings klatscht sein Schuss an den linken Innenpfosten und von dort zurück ins Spiel, Zentimeter fehlen zu: Anstoß Dortmund.

71. MINUTE, WUNDERSCHÖNES TOR FÜR DORTMUND: Viel schöner wird's heute nicht. Erst büffelt sich Haaland gegen vier Leipziger durch und legt nach außen auf Sancho, der viel Zeit hat, mit Guerreiro kombiniert und dann flankt. In der Mitte lässt Haaland so gar keinen Zweifel daran aufkommen, dass diese Hereingabe für ihn gedacht hat und köpft deshalb ein, weil was soll er auch sonst machen?

72. Minute: Anstoß Leipzig.

80. Minute: Mats Hummels ist nicht zufrieden: "Wir sind zu passiv gerade" und "Wir müssen mehr machen, Marco, defensiv."

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Das Ding war durch.

(Foto: imago images/Eibner)

84. MINUTE, TOOOOR FÜR DORTMUND: Julian Brandt steht schon zur Einwechslung bereit, aber Marco Reus muss kurz vor Feierabend noch etwas erledigen. Einen wunderschönen Steckpass auf Haaland, der dadurch frei vor Gulacsi auftaucht, diesen souverän umkurvt und zur Entscheidung einschiebt. Für den ist es das 25. Bundesliga-Tor im 25. Bundesliga-Spiel.

89. Minute, Tor für Leipzig: Im Stadion läuft "I feel good", aber so richtig gutgelaunt sieht keiner aus, der weißes Trikot und rote Hose trägt. Haalands Nationalmannschaftskollege Alexander Sörloth macht sein erstes Bundesliga-Tor, am Ausgang dieses Spiels ändert das nichts.

Was war gut?

Erling Haaland. Also nicht so gut, wie er in Bestform sein könnte, aber das ist so kurz nach einer Verletzung auch noch nicht zu erwarten. Und es ist auch nicht neu, aber die positive Wuchtigkeit des 20-Jährigen beeindruckt immer wieder. Wuchtigkeit ist übrigens eines dieser großartigen Worte, die gesprochen genauso klingen wie das, was sie aussagen. Dafür reicht schon die Szene vor dem 2:0, als Haaland mit dem Ball von insgesamt vier Leipzigern bedrängt wird, sich aber weigert, einen Zweikampf zu verlieren. Deshalb gibt er dann nach außen zu Jadon Sancho, der ihn einige Sekunden wiederum mit einer Flanke auf den zweiten Pfosten zu finden versucht.

Und diese Flanke erreicht Haaland dann mit der bereits angesprochenen Wuchtigkeit, umringt von Abwehrspielern und dennoch kaum zu stoppen. Es war der 25. Bundesliga-Einsatz des Norwegers, der dank der mustergültigen Vorlage von Marco Reus kurz vor Schluss nun eine Torquote in Deutschlands höchster Spielklasse von exakt 1 hat. 25 Tore in 25 Partien. Manchmal sagt eine Statistik mehr 1000 wuchtige Worte.

Was war nicht gut?

Eine andere Statistik. Während Haalands Werte herausragen, sind die von Julian Nagelsmann nicht so berauschend. Denn obwohl der Trainer der Leipziger eine Anweisung nach der anderen von der Seitenlinie aus rief, schrie und brüllte, stand er am Ende als Verlierer da. Über die Außenmikrofone des leeren Stadions war gut zu hören, wie viele Kommandos er seiner Mannschaft zu vermitteln versuchte. Mit der Umsetzung dürfte er allerdings nicht zufrieden sein. Einerseits, weil er - siehe oben - den Sieg ja eingeplant hatte und andererseits, weil er - siehe ebenfalls oben - ja mit dem Glauben ins Spiel gegangen war, seine Mannschaft sei in sehr guter Form. Weil von letzterem vor allem in der zweiten Halbzeit zu wenig zu sehen war, klappte dann auch ersteres nicht und Leipzig wartet weiter auf den zweiten Heimerfolg gegen den BVB.

Wer ist der Gewinner dieses Spieltags?

Jaaaaa, die Antwort klingt langweilig. Und jaaaaa, sie ist offensichtlich. Aber: Borussia Dortmund. Und warum? Weil die Westfalen als einzige Mannschaft aus den Top sechs der Tabelle an diesem Wochenende gewonnen hat. Der FC Bayern verlor in Gladbach nach 2:0-Führung, Leipzig erklärt sich von selbst, Leverkusen patzte mit einem Remis gegen Bremen. Der 1. FC Union teilte die Punkte mit dem VfL Wolfsburg.

Ach, und ein weiterer Gewinner ist natürlich der FC Schalke 04. Einfach, weil die Königsblauen überhaupt mal wieder gewonnen haben in der Bundesliga. Als das nämlich vor dem historischen heutigen Tage zuletzt gelang, hatte Erling Haaland noch kein einziges Mal für den BVB gespielt und es war noch völlig normal, Freunde zur Begrüßung in den Arm zu nehmen. Hoffentlich geht das bald wieder.

Was sagen die Trainer?

Julian Nagelsmann (Trainer RB Leipzig): "Es waren zwei verschiedene Halbzeiten. In der ersten hatten wir viel den Ball, aber uns hat etwas die Tiefe gefehlt. In der zweiten Halbzeit haben wir viele gute Dinge aus der ersten nicht mehr gemacht. Da hatten wir nicht mehr so die Struktur. Wir hatten zu viele Ballverluste, und die hat Dortmund genutzt."

Edin Terzic (Trainer Borussia Dortmund): "Wir wussten, dass dies ein sehr wichtiges Spiel werden würde. Das ist ein großer Schritt in die richtige Richtung, den wir mit vielen kleinen Schritten erreicht haben. Wir haben insgesamt 112 Fehlpässe gespielt - davon gefühlt 110 in der ersten Halbzeit. Das haben wir zum Glück in den Griff bekommen."

Der Tweet zum Spiel

Quelle: ntv.de

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