Fußball

"Nichts hindert den Präsidenten" Infantinos Strafverfahren lässt die Fifa kalt

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Gianni Infantino ist seit 2016 Präsident des Fußball-Weltverbandes.

(Foto: imago images/Bildbyran)

Fifa-Präsident Gianni Infantino muss sich mal wieder mit Mauschelei-Vorwürfen auseinandersetzen. Der Verdacht ist so konkret, dass in der Schweiz ein Strafverfahren gegen den mächtigen Funktionär eröffnet wird. Dem Fußball-Weltverband ist das allerdings keine strenge Reaktion wert.

Gianni Infantino kann nach Ansicht der Fifa auch während des laufenden Verfahrens der Schweizer Staatsanwaltschaft als Präsident des Fußball-Weltverbandes arbeiten. Das bekräftigte die Fifa am Samstag gegenüber der Nachrichtenagentur AP. "Nichts hindert den Präsidenten daran, seine Aufgaben zu erfüllen", teilte die Fifa demnach in einer Erklärung mit. "Er wird weiterhin seine Funktionen innerhalb der Fifa übernehmen."
Die Staatsanwaltschaft hatte am Donnerstag ein Strafverfahren gegen Infantino eröffnet. Dabei geht es um geheime Treffen zwischen dem Chef des Fußball-Weltverbandes und dem Leiter der Bundesanwaltschaft, Michael Lauber. Angeklagt wird auch ein ebenfalls bei den Treffen anwesender Oberstaatsanwalt.

Infantino sei Subjekt einer Untersuchung, hieß es nun seitens der Fifa. "Er wurde jedoch weder angeklagt noch ist er schuldig." Dem "Spiegel" teilte der Verband mit: "Wie schon mehrfach gesagt, werden die Fifa und ihr Präsident weiterhin voll mit den Behörden kooperieren. Bis diese Untersuchungen abgeschlossen sind, gibt es nichts, was den Präsidenten an der Erledigung seiner Pflichten hindert. Er wird seinen Aufgaben innerhalb der Fifa weiter vollumfassend nachkommen."

Neuerungen nach dem letzten Fifa-Beben

Bei Infantinos Vorgänger Joseph Blatter war man da bei der Fifa noch härter: Als gegen Blatter 2015 wegen des Vorwurfs der Untreue in der Schweiz ein Strafverfahren eröffnet worden war, wurde die damalige Ethikkommission mit dem deutschen Hans-Joachim Eckert an der Spitze schnell aktiv. Knapp zwei Wochen dauerte es nur, bis zunächst eine 90-Tages-Sperre verhängt, letztlich wurde Blatter dann sogar für mehrere Jahre aus dem Verkehr gezogen.

Blatter war wegen einer dubiosen Millionenzahlung der Fifa an den damaligen Uefa-Präsidenten Michel Platini ins Visier der Ermittler geraten. Beide kostete das bis dahin größte Beben der Fifa-Geschichte die Zukunft auf höchster Fußball-Ebene. Mit den beispiellosen Sperren der beiden ranghöchsten Funktionäre festigte die damalige Ethikkommission den Eindruck der Unabhängigkeit. Mittlerweile ist die Kommission allerdings mit anderen Personen besetzt - dies hatte unter anderem Infantino vor drei Jahren angeregt.

Im Mai 2017 wurden Ermittlungschef Cornel Borbély und der deutsche Richter Hans-Joachim Eckert als Leiter der rechtssprechenden Kammer von Infantino geschasst. Seitdem tritt die Ethikkommission kaum noch öffentlich in Erscheinung. Die Ermittlungskammer leitet die Kolumbianerin Maria Claudia Rojas, früher Präsidentin des Staatsrats ihres Heimatlandes. Die Rechtsprechung wird vom früheren Präsidenten des Europäischen Gerichtshofes, Vassilios Skouris (Griechenland), verantwortet. Beiden wurde immer wieder Untätigkeit vorgeworfen - vor allem mit Blick auf Infantino, zuletzt in Zusammenhang mit einem fragwürdigen Privatjet-Flug vor zwei Jahren, über den die "Süddeutsche Zeitung" ausführlich berichtet hatte.

Bundesanwalt wurde schwer gerügt

Grundlage für provisorische Sperren ist Punkt 84 des Reglements: "Der Vorsitzende der Untersuchungskammer (...) kann zu einem beliebigen Zeitpunkt während der Untersuchung vorsorgliche Sanktionen verhängen, um zu gewährleisten, dass das Untersuchungsverfahren nicht beeinträchtigt wird, oder wenn ein Verdacht auf ein Vergehen besteht und ein rechtzeitiger Entscheid im ordentlichen Verfahren zweifelhaft erscheint."

All das sieht die Fifa derzeit offenbar nicht gegeben. Infantino weist die Vorwürfe zurück und betont, mit den Treffen seiner "wesentlichen Aufklärungspflicht auch im Sinne der Fifa" nachgekommen zu sein. Zum Zeitpunkt der Treffen zwischen Infantino und Lauber ermittelte die Bundesanwaltschaft gegen frühere Fifa-Funktionäre wegen Korruption.

Bundesanwalt Lauber hat bereits seinen Rücktritt eingereicht. In einem in der Vorwoche veröffentlichten Urteil hatte das Schweizer Bundesverwaltungsgericht festgestellt, dass Lauber seine Amts- und Treuepflicht in mehreren Punkten "schwer verletzt" habe.

Quelle: ntv.de, ter/dpa/sid