Fußball

Schweiz eröffnet Strafverfahren Fifa-Boss muss sich wegen Geheimtreffen verantworten

imago0044941286h.jpg

Infantino muss sich in der Schweiz verantworten.

(Foto: imago images/Agencia EFE)

Es wird ernst für Gianni Infantino: Die Schweizer Staatsanwaltschaft eröffnet ein Strafverfahren gegen den Fifa-Präsidenten. Dabei geht es um geheime Treffen zwischen dem Chef des Fußball-Weltverbandes und dem Leiter der Bundesanwaltschaft, Michael Lauber. Nun droht eine Suspendierung.

Der Skandal um die Fifa-Affäre und den Leiter der Schweizer Bundesanwaltschaft, Michael Lauber, geht in die nächste Runde. Die Staatsanwaltschaft hat ein Strafverfahren gegen den Fifa-Präsidenten Gianni Infantino eröffnet. Angeklagt wird auch ein ebenfalls bei den Treffen anwesender Oberstaatsanwalt.

Die Aufsichtsbehörde der Bundesanwaltschaft teilte mit, dass der außerordentliche Staatsanwalt Stefan Keller nach einer Untersuchung mehrerer Strafanzeigen zu dem Schluss gekommen ist, dass im Zusammenhang mit den Treffen von Lauber und Infantino Anzeichen für ein strafbares Verhalten bestehen. Dabei gehe es um Amtsmissbrauch, Verletzung des Amtsgeheimnisses, Begünstigung und die Anstiftung zu diesen Tatbeständen.

Infantino droht Suspendierung

Damit gerät Infantino gut ein Jahr nach seiner Wiederwahl als Fifa-Präsident weiter in Erklärungsnot. Anfang Juni hatte der Weltverband sämtliche Vorwürfe gegen den 50-Jährigen zurückgewiesen. Infantino "hat sicherlich nichts falsch gemacht, indem er Herrn Lauber getroffen hat. Es ist kein Vergehen, den Bundesanwalt zu treffen und solche Treffen sind nicht ungewöhnlich. Gianni Infantinos Motivation war, den Schweizer Behörden jegliche Unterstützung anzubieten", hieß es damals.

Falls die Fifa-Ethikkommission ihrer Linie treu bleibt, droht dem 50 Jahre alten Infantino eine Suspendierung. So hatte das Gremium jedenfalls 2015 bei Infantinos Vorgänger Joseph S. Blatter und dem früheren Uefa-Chef Michel Platini reagiert, nachdem ein Strafverfahren gegen Blatter wegen einer Fifa-Zahlung an Platini eingeleitet worden war.

Lauber hat Rücktritt eingereicht

Auch gegen Lauber soll nun ein Strafverfahren eröffnet werden. Er ist aber noch bis Ende Januar 2021 im Amt und deshalb vor Strafverfolgung geschützt. Deshalb beantragte der eigens eingesetzte außerordentliche Staatsanwalt beim Parlament die Aufhebung seiner Immunität.

Mehr zum Thema

Lauber hatte seinen Rücktritt eingereicht, nachdem die Aufsichtsbehörde ihn wegen der Treffen bereits gerügt und ihm eine Verletzung seiner Amtspflichten und unwahre Aussagen vorgeworfen hatte. Er wies die Anschuldigungen zurück. Die geheimen Treffen fanden 2016 und 2017 statt, während die Bundesanwaltschaft gegen die Fifa wegen Korruption ermittelte. Bei den Ermittlungen geht es unter anderem um die Vergaben der Fußball-WM 2018 an Russland und 2022 an Katar.

Zudem hatte Lauber in dem Zeitraum der drei nicht-protokollierten Treffen auch das Verfahren im Sommermärchen-Skandal geleitet. Die Untersuchungen zum Eklat um die WM-Vergabe 2006 nach Deutschland wurden aber Ende April wegen Verjährung eingestellt.

Quelle: ntv.de, ara/dpa/sid