Fußball

Erfundenes Uefa-Treffen Hat der Fifa-Präsident die Fifa gelinkt?

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Große Gesten, große Kosten: Gianni Infantino ist mal wieder in Erklörungsnot.

(Foto: imago images/Xinhua)

Gianni Infantino tritt einst mit dem Versprechen an, die Fifa nach der verfilzten Ära seines Vorgängers transparenter zu führen. Hoffnungen auf eine wirkliche Besserung zerstört der Schweizer schnell. Jetzt gibt es offenbar einen neuen Fall fragwürdiger Geschäftsführung.

Fifa-Präsident Gianni Infantino gerät wegen des Einsatzes eines Privatjets offenbar in Erklärungsnot. Wie die "Süddeutsche Zeitung" in ihrer Wochenendausgabe berichtet, ließ Infantino als Begründung für eine teure Rückreise aus Surinam ein Treffen mit Uefa-Präsident Aleksander Ceferin angeben - das angeblich aber frei erfunden war.

Dies gehe aus einem internen Mailverkehr hervor. Demnach buchten Infantino und seine Delegation am Ende einer Reise durch amerikanische Staaten im April 2017 kurzfristig einen Privatjet für den Rückflug in die Schweiz, weil sich die gebuchten Linienflüge "aus technischen Gründen" verschoben hätten - wie Infantinos Mitarbeiter behauptet hätten. Die Extrakosten sollen im sechsstelligen Bereich gelegen haben.

Beim formal unabhängigen Audit- und Compliance-Komitee sei die Buchung mit einem wichtigen Treffen mit Ceferin am Folgetag in Nyon begründet worden. Das Treffen mit dem Uefa-Boss habe am 12. April um 14 Uhr in Nyon stattfinden sollen, wie ein Infantino-Mitarbeiter behauptete. Ein Vorwand, um die erforderliche Zustimmung der Fifa-eigenen Compliance-Abteilung für die immensen Extrakosten zu erhalten? Nach Informationen der "SZ" weilte Ceferin nämlich am 12. April in der armenischen Hauptstadt Eriwan.

Die Fifa teilte auf "SZ"-Anfrage mit, dass die Buchung in Übereinstimmung mit den Regeln erfolgt sei. Zu Kosten des Fluges und den konkreten Vorgängen machte sie keine Angaben.

Infantino war schon zu Beginn seiner Amtszeit 2016 wegen seiner Fluggewohnheiten in die Kritik geraten. So hatte er die Reise zu einem Besuch beim Papst im Privatflieger vorgenommen und auch den Flieger eines russischen Oligarchen genutzt. Konsequenzen gab es für Infantino durch die Fifa-Kontrollinstanzen nicht. Ob im neuen Fall weiter ermittelt werde, teilte die Fifa nicht mit.

Infantino ist in der Schweiz derzeit auch in die Justizaffäre um Michael Lauber verwickelt, den Chefankläger der Berner Bundesanwaltschaft. Lauber droht wegen mehrerer Geheimtreffen mit Infantino die Amtsenthebung.

Quelle: ntv.de, ter/sid