Fußball

Für Fußballer "nicht so schlimm" Lehmann irritiert erneut mit Corona-Aussagen

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Hat Corona bereits überstanden: Jens Lehmann.

(Foto: imago images/Christian Schroedter)

Als Jens Lehmann mit dem Coronavirus infiziert war, hatte er nur leichte Symptome zu beklagen. Entsprechend sieht der ehemalige Fußball-Nationaltorhüter kaum Gefahren für Profis mit einem guten Immunsystem. Sein neuer Verein Hertha BSC distanziert sich bereits von den Aussagen.

Der ehemalige Fußball-Nationaltorhüter Jens Lehmann hält eine Infizierung mit dem neuartigen Coronavirus bei Fußballern für weitgehend unbedenklich. "Solange die Symptome nicht so schlimm sind, denke ich, müssen die Spieler damit zurechtkommen", sagte der 50-Jährige, der selbst mit Sars-Cov-2 infiziert war, beim britischen TV-Sender beINSports. "Wir haben viele Spieler, die tatsächlich infiziert waren, und die meisten von ihnen zeigten nicht einmal Symptome. Ich denke also, für junge, gesunde Menschen mit einem starken Immunsystem ist das keine so große Sorge", ergänzte er.

Lehmann, neuerdings Aufsichtsratsmitglied bei Bundesligist Hertha BSC, hält auch nichts von allzu starken Beschränkungen der Bevölkerung. "Letztendlich muss man damit leben", sagte er über das Virus, "denn das Einzige, worauf dieser Lockdown basiert, ist die Hoffnung, dass wir irgendwann einen Impfstoff oder ein Medikament finden, das einen heilt. Aber es gibt nur Hoffnung. Bisher haben wir gar nichts. Deshalb kann man nicht alles abschalten, man muss weitermachen."

Es ist nicht das erste Mal, dass Lehmann mit Aussagen zur Corona-Krise für Aufsehen sorgt. In der Sport1-Sendung "Doppelpass" hatte er Ende April gesagt: "Diese Frage hat mir auch noch keiner beantworten können, warum in einem Stadion wie der Allianz Arena, wo 70.000 Leute reinkommen, warum man da nicht 20.000 reinstecken kann." Bei einem "Abstand von zehn Metern" würden sich Fans im Stadion "wahrscheinlich nie in die Quere kommen". In den sozialen Medien erntete der frühere Bundesliga-Profi dafür Häme und Kritik.

Hertha distanziert sich von Aussage

Sein neuer Arbeitgeber distanziert sich weitestgehend von den jüngsten Aussagen. Ein Klubsprecher betonte gegenüber dem "Spiegel", dass Lehmann nicht repräsentativ für Hertha BSC spreche. Zwar spreche Lehmann von "Wir", der Berliner Klub könne damit aber nicht gemeint sein. "Denn er spricht ja von 'einigen Spielern', bei Hertha BSC hatten wir bisher lediglich einen Fall."

Der Sportmediziner Wilhelm Bloch hat kein Verständnis für die jüngsten Aussagen des früheren Fußball-Nationaltorhüters. "Das halte ich für eine Verharmlosung. Solche Aussagen sind aus medizinischer Sicht schwer nachvollziehbar", sagte der Wissenschaftler von der Deutschen Sporthochschule in Köln. Erst, wenn er einen Spieler genau untersucht habe, könne er sagen, ob eine Infektion Schäden verursacht hat, erläuterte Bloch: "Auch wenn ein Spieler symptomfrei ist, empfehlen wir mindestens zwei Wochen Pause."

Über seine eigene Erkrankung Mitte März hatte Lehmann Ende April bei der "Bild"-Zeitung gesagt, er habe "anderthalb Tage an Husten und leichtem Fieber" gelitten. "Nach zwei Wochen Quarantäne wurde ich von den Behörden wieder für gesund erklärt." Der Krankheitsverlauf sei "leichter als bei einer Grippe" gewesen, "aber gefährdete Menschen müssen natürlich aufpassen. Es hilft wahrscheinlich auch, einigermaßen gesund zu leben."

Quelle: ntv.de, mba/sid