Fußball

Verständnis für Özils Rücktritt Neuer fordert DFB-Reformen nach WM-Fiasko

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DFB-Kapitän Manuel Neuer erwartet einen Neuanfang im DFB-Team - und auch, dass dieser nicht reibungslos verlaufen wird.

(Foto: REUTERS)

Erst langes Schweigen, jetzt klare Erwartungen: Für DFB-Kapitän Manuel Neuer steht nach dem deutschen WM-Debakel fest, "dass einiges geändert werden muss". Auch den heiklen Rücktritt von Mesut Özil kommentiert der Bayern-Profi.

Klare Forderungen an Bundestrainer Joachim Löw und die DFB-Führung, Verständnis für Mesut Özil: Kapitän Manuel Neuer hat fünf Wochen nach dem WM-Desaster sein Schweigen gebrochen und dabei eine eindeutige Erwartungshaltung für den Neuaufbau des tief gefallenen Weltmeisters formuliert. "Es ist die Aufgabe der Verantwortlichen des DFB, die Mannschaft zu strukturieren und dieser wieder ein Gesicht zu verpassen", sagte Neuer im Trainingslager des deutschen Rekordmeisters Bayern München in Rottach-Egern und ergänzte: "Fakt ist, dass einiges geändert werden muss."

Der nach 92 Länderspielen zurückgetretene Özil wird dabei keine Rolle mehr spielen. Für Neuer eine Entscheidung, die man "akzeptieren" müsse. "Die Gründe muss man für sich selbst suchen, und die hat er dann auch gefunden", sagte der 32-Jährige. Özil hatte in seiner dreiteiligen Rücktrittserklärung Rassismus-Vorwürfe gegen den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und dessen Präsidenten Reinhard Grindel erhoben. Neuer zieht sich diesen Schuh nicht an. "Wir haben immer versucht, alle Spieler zu integrieren und alles getan, damit jeder mit einem guten Gefühl in die Spiele geht", sagte der Nationaltorhüter, der den Fall Özil und dessen Aufarbeitung als "sehr anstrengend" bezeichnete. Neuer sagte aber auch: "Ich denke, wenn alle Spieler überragende Leistungen gezeigt hätten, würden wir jetzt nicht hier stehen und darüber reden."

Zuvor hatte schon der Leverkusener WM-Teilnehmer Julian Brandt erklärt: "Mesut ist auf gar keinen Fall der Grund dafür, dass wir ausgeschieden sind." Der Spielmacher habe zwar nicht seine beste Leistung abgerufen, aber "das haben wir alle nicht. Nur auf ihn einzudreschen, ist einfach falsch."

Stolz und Einsatzwille

Für Neuer geht es nach dem erstmaligen Scheitern einer DFB-Auswahl in einer WM-Vorrunde nun darum, "wieder die Spieler da zu haben, die auch wirklich stolz sind, für die deutsche Nationalmannschaft zu spielen und alles dafür geben, für das eigene Land zu spielen, damit man wieder in die Erfolgsspur kommt". Schon direkt nach dem WM-Bankrott hatte Neuer bilanziert: "Man hat nie gemerkt, dass wir hier eine Weltmeisterschaft spielen und dass wir hier eine Mannschaft auf dem Platz haben, vor der man richtig großen Respekt hat, gegen die man einfach ungern spielt."

Der Blick soll sich jetzt nach vorne richten. Zum Neustart wartet am 6. September in München Weltmeister Frankreich auf das Löw-Team. Drei Tage später geht es in Sinsheim gegen Peru. "Wir wollen da natürlich wieder ein anderes Gesicht zeigen", sagte Neuer.

"Denke, dass sich einiges tut"

Löw wird seinen Kader für den Neuanfang und seine umfangreiche WM-Analyse am 29. August präsentieren. Neuer ist davon überzeugt, "dass die Verantwortlichen die für sich richtigen Entscheidungen treffen werden. Ich denke, dass sich einiges tut". Nach einem ersten Analyse-Gipfel in Frankfurt/Main hatte Löw erklärt, dass man in erster Linie bei der Einstellung und der Spielauffassung ansetzen wolle. Man müsse den Spielern wieder "Freude, Spaß und Leidenschaft" anmerken. Die aktuellen Trends im Weltfußball sollen zudem "in die Spielauffassung einfließen", um diese wieder zu schärfen, so der Bundestrainer.

Bayern-Präsident Uli Hoeneß forderte derweil wieder eine größere Fokussierung der Spieler. "Hätten unsere Nationalspieler weniger gedaddelt, hätten sie nachts besser geschlafen und nicht während des Spiels", polterte der 66-Jährige bei einer CSU-Veranstaltung in Bad Wiessee. Thomas Müller scheint schon einmal auf dem richtigen Weg zu sein. Er verspüre eine "riesige Motivation", versicherte der Münchner.

Quelle: n-tv.de, Oliver Mucha, sid

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