Fußball

Ärger über "puren Hass" Pokalsieger RB Leipzig kämpft um Anerkennung

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Trainer Domenico Tedesco schreit seine Freude heraus.

(Foto: IMAGO/Ulrich Hufnagel)

Nur 13 Jahre nach der Vereinsgründung gewinnt der RB Leipzig den ersten großen Titel im deutschen Fußball. Ein Märchen, möchte man glauben. Doch kaum jemand aus der Bundesliga wagt sich öffentlich vor, um den Sachsen zu gratulieren. Das rechte Lager sieht einen Sieg "über die politische Korrektheit".

Jetzt ist es also passiert. Der RB Leipzig hat die erste große Trophäe im Schrank. Mit einem Sieg im Elfmeterschießen gegen den SC Freiburg krönten sich die Sachsen zum Sieger im DFB-Pokal. Nur 13 Jahren nach der Gründung des Klubs durch die Übernahme der Lizenz des SSV Markranstädt, sechs Jahre nach dem Aufstieg in die Bundesliga und im dritten Anlauf in Berlin, wurde der Name der Leipziger in den Pokal eingraviert.

"Ich glaube, wir müssen mal innehalten und schauen, was wir erreicht haben in den letzten 13 Jahren, in sechs Jahren Bundesliga", sagte der sichtlich bewegte Geschäftsführer Oliver Mintzlaff nach dem Spiel in der ARD und bezeichnete den Titel auf Sky auch als ein Stück weit Genugtuung "für all das, was wir ertragen und lesen mussten." Die Kritik der letzten Wochen und Tage war nicht unbemerkt an ihm vorbeigegangen.

"Auf ewig ein Teil dieser großartigen Pokal-Historie. Gewöhnt euch dran", schrieben die Leipziger am Morgen nach dem großen Sieg auf Twitter, diesem Seismografen der ewigen Empörung. Die war dem von einem österreichischen Rechtspopulisten finanzierten Klub in den letzten Tagen und während des Spiels von fast allen Seiten entgegengeschleudert worden - auch weil sie noch am Finaltag mit einem Marketingvideo zahlreiche Athleten aus dem eigenen Red-Bull-Stall Grußbotschaften hatten aufsagen lassen.

So war es vielleicht auch verständlich, dass die Protagonisten nach tagelangen Attacken auf den Klub und das dahintersteckende System Red Bull nach dem trotz einer einstündigen Unterzahlsituation errungenen Sieges angefasst und dünnhäutig reagierten. Die Kritik der Leipziger richtete sich zuerst gegen Schiedsrichter Sascha Stegemann, der Freiburgs Führungstreffer trotz eines vorausgegangenen Handspiels korrekterweise anerkannt und RB spät in der Verlängerung einen Elfmeter verweigert hatte.

Kaum jemand gratuliert, die AfD schon

Sowohl RB-Boss Mintzlaff als auch Trainer Domenico Tedesco teilten Stegemann und dessen Assistenten noch auf dem Platz mit, was sie von der Leistung der Offiziellen gehalten hatten - wenig. "Wir waren sicherlich nicht zufrieden mit der Schiedsrichterleistung und das habe ich ihm nur kurz mitgeteilt. Nicht mehr und nicht weniger. Ich glaube, dass das heute keine große Rolle spielt, sondern heute werden wir es richtig krachen lassen", sagte Mintzlaff in der ARD über seine Unterredung mit dem Schiedsrichter direkt nach Abpfiff.

Und Tedesco berichtete später noch von dem "puren Hass", der den Leipzigern von der Freiburger Bank nach der Roten Karte gegen Marcel Halstenberg in der 57. Minute entgegengeschlagen war. Dies habe sich nach dem Abpfiff fortgesetzt, klagte der Trainer und hielt den geschlagenen Freiburgern vor, schlechte Verlierer zu sein.

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Zurück auf Twitter spielte der Gewinner in dem sozialen Netzwerk kaum eine positive Rolle. Die sonst üblichen Glückwünsche der DFL und der anderen Bundesliga-Klubs blieben beinahe komplett aus. Allein die TSG Hoffenheim gratulierte über einen Vereinsaccount. Oliver Kahn, der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München, nutzte seinen Privataccount, während der des Rekordmeisters schwieg. Union Berlin hingegen schickte viel Liebe an die Freiburger und der VfL Bochum gratulierte stattdessen dem FV Engers zum Gewinn des Rheinlandpokals.

Anders hingegen reagierte Tino Chrupalla, der Bundessprecher der AfD, der im Erfolg der Leipziger einen "Sieg über die politische Korrektheit" durch "sächsische Standhaftigkeit und österreichischen Unternehmergeist" sah. Nun kann sich ein Verein seine Fans und auch seine Gratulanten nicht aussuchen, doch die bemerkenswerte Reaktion des Rechtsdraußen zeigte erneut, wie vergiftet die Debatte um das Aushängeschild des Marketinggiganten Red Bull mittlerweile ist. Es ist kein normaler Verein, der sich da in die Geschichtsbücher eingetragen hatte. Es ist einer, der spaltet, wie kein anderer in Deutschland.

Quelle: ntv.de

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