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Man City holt im Titelrennen auf Verlorenes "Finale" lässt Klopp kalt

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Klopp gratuliert fair dem Sieger Manchester City - und dem Siegtorschützen Leroy Sané.

(Foto: imago/Sportimage)

Durch die erste Niederlage der Premier-League-Saison schmilzt der Vorsprung des FC Liverpool an der Tabellenspitze. Die Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp muss gegen Titelverteidiger Manchester City feststellen, dass in großen Fußball-Duellen Kleinigkeiten entscheiden.

Falls Jürgen Klopp versucht haben sollte, einen gelassenen Eindruck zu machen in der Stunde der ersten Niederlage der Saison, dann ist ihm das gut gelungen, zumindest weitgehend. Vielleicht ist es aber auch einfach so, dass ihn das 1:2 bei Titelverteidiger Manchester City wirklich nicht besonders beunruhigt. Anzeichen von Panik ließ der Trainer des FC Liverpool jedenfalls nicht erkennen. "Ich wusste vorher, dass City uns schlagen kann, es ist nicht das erste Mal", sagte er über den Ausgang der zu jeder Zeit packenden Partie. Zur Lage seiner Mannschaft befand er: "Wir sind immer noch in einer sehr guten Position, also ist alles gut für uns." Die Situation in der Tabelle der Premier League stellt sich für ihn folgendermaßen dar: "Wenn mir jemand gesagt hätte, dass wir nach den Spielen gegen City vier Punkte Vorsprung haben, hätte ich dafür Geld gezahlt."

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Voller Körpereinsatz für drei Punkte: Josep Guardiola.

(Foto: imago/Sportimage)

Klopp hatte im Vorlauf auf das bislang größte Spiel der Saison den Eindruck vermeiden wollen, dass es sich bei der Partie um eine Entscheidungsschlacht um die Meisterschaft handele, und er hielt hinterher an dieser nüchternen Betrachtung fest. Aus seiner Sicht ist nichts Außergewöhnliches passiert an diesem kühlen Abend in Manchester. Tatsächlich wäre es ja erstaunlich gewesen, wenn der FC Liverpool, der seit 1990 auf den Titel wartet, das Duell um die Krone für Englands beste Mannschaft schon zu einem so frühen Zeitpunkt entschieden hätte. Aber es wäre eben möglich gewesen. Mit einem Sieg hätte Klopps Auswahl den Vorsprung auf den Titelverteidiger auf zehn Punkte ausgebaut. Doch weil Manchester City dieses "Finale" - so nannte es Trainer Josep Guardiola - durch eine bemerkenswert kämpferische Leistung und Tore von Sergio Agüero und Leroy Sané bei dem zwischenzeitlichen Ausgleich durch Roberto Firmino gewann, ist das Rennen um den Titel wieder offen.

ManCity hatte auch mehr Glück

Das Spiel war eng und hätte so oder so ausgehen können. Der Sieg für Guardiolas Team war schon verdient, doch auch ein Unentschieden wäre möglich gewesen. Mit etwas Glück hätte Liverpool sogar gewinnen können. Die Partie zeigte, dass es in großen Duellen auf Kleinigkeiten ankommt, das gilt für die 90 Minuten im direkten Aufeinandertreffen und auch grundsätzlich für den Kampf um Titel und Trophäen über eine ganze Saison. In diesem Fall sprachen diese Kleinigkeiten für Manchester City. Die Mannschaft war in der Abwehr überwiegend sicher, während bei Liverpool Innenverteidiger Dejan Lovren ein schwaches Spiel machte. Sie hatte den gnadenlosen Torjäger Agüero, während Liverpool zwei, drei Chancen ungenutzt ließ. Sie hatte den überragenden Defensiv-Stabilisator Fernandinho und den unermüdlich rennenden Bernardo Silva, und - das, gehört ebenfalls zum Fußball dazu: sie hatte in entscheidenden Situationen Glück.

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Ein Ball von Sadio Mané prallte an den Pfosten. Beim anschließenden Klärungsversuch hätte Verteidiger John Stones beinahe ein Eigentor produziert, rettete aber im letzten Moment. Nach einer rüden Grätsche gegen Liverpools Angreifer Mohamed Salah sah City-Kapitän Vincent Kompany nur die Gelbe Karte, wobei auch Rot mindestens vertretbar, wenn nicht sogar zwingend gewesen wäre. Bei Sanés Siegtreffer klatschte der Ball erst an den Innenpfosten und von dort über die Linie. "Am Ende kann man sagen: vom Pfosten rein oder vom Pfosten raus macht einen massiven Unterschied", sagte Klopp. Gerade die Situation mit Kompany und Salah brachte ihn dann aber doch ein bisschen aus der Ruhe. Er hatte kein Verständnis für die Nachsicht von Schiedsrichter Anthony Taylor: "Wie in aller Welt ist das keine Rote Karte?", fragte der Trainer.

Es bleiben vier Punkte Vorsprung

Durch Manchester Citys Sieg im vorgezogenen Endspiel ist die Ausgangslage für den Rest der Saison spannend. Guardiolas Mannschaft hat gegen Liverpool nachgewiesen, dass sie sich auch aus engen Situationen befreien kann. Sie hat theoretisch noch genug Zeit, um den Rückstand auf den Tabellenführer aufzuholen und die Titelverteidigung erfolgreich zu gestalten. Für Liverpool wird die erste Niederlage der Saison eine Warnung sein, nicht nachlässig zu werden im Kampf um die Meisterschaft. Vier Punkte Vorsprung sind immer noch ein gutes Polster - doch die Mannschaft hat gemerkt, dass es einen Verfolger gibt, der nicht locker lassen will.

Quelle: n-tv.de

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