Fußball

Corona überrascht Dynamo-Profi Vier Sätze gegen den Bundesliga-Start

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"Ich habe alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen, die ich konnte. Und trotzdem ist es passiert", schreibt Simon Makienok.

(Foto: imago images/Hentschel)

Am Wochenende geben die 1. und 2. Fußball-Bundesliga ihr Comeback nach der Corona-Zwangspause. So ist der Plan - dank Lobbyarbeit und eines umfassenden Hygienekonzepts. Doch die Wiederaufnahme bleibt ein großes Wagnis.

"Nachdem ich fünfmal getestet wurde, seit wir wieder mit dem Training begonnen haben und jedes Ergebnis negativ war, bekam ich plötzlich einen Test zurück, der besagte, dass ich positiv auf Covid-19 getestet wurde. Keine Symptome, keine Indizien, nichts. Ich habe alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen, die ich konnte. Und trotzdem ist es passiert."

Vier Sätze. Und jeder einzelne knallt lauter als eine reißende Achillessehne. Jeder einzelne trifft die Deutsche Fußball-Liga und ihr Konzept zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs in der 1. und 2. Bundesliga dort, wo es am schwächsten ist. Dort, wo ihr Lindenblatt liegt. Denn diese Sätze offenbaren einmal mehr in schmerzhaftester Deutlichkeit: Das Coronavirus ist längst noch nicht berechen- und nicht souverän beherrschbar. Das, was Simon Makienok, infizierter Stürmer von Dynamo Dresden, bei Instagram geschrieben (und mittlerweile auch wieder gelöscht) hat, ist das stärkste Argument gegen die Rückkehr des Profi-Fußballs.

Und dies trotz des Berliners Salomon Kalou, der in seiner akuten Gedankenlosigkeit die ganze Branche unter den Generalverdacht stellte, dass ihnen dieses komische, pandemische Coronavirus eigentlich eher wumpe ist. Mit harten Konsequenzen (Freistellung des Spielers), mit prominenten Ermahnungen (Bayerns Manuel Neuer in der "FAZ"), mit Einzelfall-Stempel, mit allerorten verkündeten Nicht-bei-uns-Beteuerungen und der maximal verbreiteten Reumütigkeit des Spielers wurde der überraschende Video-Gau vom Profi-Fußball abgewehrt. Aber welcher Mechanismus soll nun greifen? Außer der Löschfunktion bei Instagram?

Fairer Wettbewerb? Eher nicht

Nun, vorerst mal die Komplett-Quarantäne. Das Gesundheitsamt Dresden hatte nach zwei weiteren positiven Corona-Fällen beim Zweitligisten - er befand sich wieder im Training mit dem gesamten Kader - für die gesamte Mannschaft sowie den Trainer- und Betreuerstab eine zweiwöchige Isolation angeordnet. Damit packte die Behörde nun deutlich härter zu als in der Woche zuvor, als ein erster positiv getesteter Spieler einzeln isoliert worden war. Sportlich ist der Wert der Wiederaufnahme damit entkleidet: ein fairer Wettbewerb ist so nicht möglich: kein Training, keine Spiele (mindestens zwei fallen aus), dann Kaltstart - und das im eigenen Abstiegskampf. Mehr Nachteil geht wohl kaum.

Reagieren künftig noch mehr Gesundheitsämter auf positive Fälle so wie nun in Dresden - also mit einer Komplett-Quarantäne - könnte der geregelte Bundesliga-Betrieb im Mai oder Juni schnell wieder zum Traumbild werden. Denn sobald wieder angepfiffen wird, wären bei einem positiven Test zwei Mannschaften involviert. "Ich interpretiere das nicht als Rückschlag", erklärte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert derweil am Samstagabend im ZDF-"Sportstudio" zum "Fall Dresden". Ihm sei völlig klar gewesen, "dass das jederzeit passieren kann. Wir stehen am Anfang des Wiedereintritts. Wenn Dresden 14 Tage in Quarantäne geht, ist das kein Grund, die gesamte Saison infrage zu stellen. Wir ändern momentan nicht das Ziel, sondern nur die Pläne."

Spielpläne, klar. Zwei Neu-Ansetzungen, das ist auch in der Enge der kommenden Wochen möglich. Ein, zwei weitere ganz sicher auch. Aber - und das weiß und betonte auch Seifert im ZDF: "Es gibt sicherlich eine Größe, dann ist das irgendwann nicht mehr machbar." Wie hoch diese Zahl sein müsse, sagte er nicht.

Die Angst der Spieler wächst

Organisatorische Probleme, mögliche Wettbewerbsverzerrung - das ist das eine. Die Angst der Spieler das andere. Und die ist offenbar durchaus präsent. Nachdem der Kölner Verteidiger Birger Verstraete zunächst vorpreschte und wieder eingefangen wurde, legte unter anderem Sören Bertram nach. Der Offensivspieler von Drittligist 1. FC Magdeburg bekannte: "Ich habe Angst davor, mich bei einem Spiel anzustecken. Die Gefahr ist bei vielen Zweikämpfen gegeben", sagte er der "Magdeburger Volksstimme": "Wir sind alle im Kopf nicht frei, weil wir nach einer Infektion für den Rest unseres Lebens Lungenprobleme haben könnten."

Gleich mehrere Experten hatten zuletzt unmissverständliche und massive Warnungen ausgesprochen, unter anderem Ingo Froböse, Sportmediziner der Deutschen Sporthochschule Köln. Er sehe "wirklich große Gefahren auf die Spieler und die Trainer zurollen, dass mögliche Infektionen zu gravierenderen Schäden führen können", sagte er dem SWR. Mit langfristigen Folgen sei dann "natürlich" zu rechnen. Die Corona-Problematik wirke "bei dieser hohen Belastung sicherlich noch verschärfend". Die Spieler würden schon ein wenig missbraucht. Auch der Kardiologe Tienush Rassaf warnt. Es könne zu Herzmuskelschäden bei unerkannt an Corona erkrankten Fußball-Profis kommen, sagte er der Deutschen Presseagentur.

Unerkannt - ab wann ist etwas unerkannt? Die Corona-Tests schlagen für gewöhnlich nicht sofort bei einer Infektion an. Sondern erst bei ausreichender Virenlast. Ansteckend ist der Betroffene aber bereits vorher. "Keine Symptome, keine Indizien, nichts. Ich habe alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen, die ich konnte. Und trotzdem ist es passiert."

Am Samstag, um 13 Uhr, geht's (so bleibt der Plan) wieder los. Anpfiff in Liga zwei.

Quelle: ntv.de