Fußball

Wann muss Koeman gehen? Zwerg Barça stürzt ungebremst ins Bodenlose

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Ronald Koeman wirkt an der Seitenlinie nicht wie jemand, der noch etwas retten kann.

(Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Ronald Koeman kann es kaum glauben. Wieder einmal verliert seine Mannschaft. Diesmal bei Benfica Lissabon. Die Barça-Krise verschärft sich weiter. Der Niederländer ist nicht der Auslöser dieser Krise, aber er trägt die Verantwortung für die Verzwergung des einstigen Superklubs. Wann muss er gehen?

Es gibt mit Sicherheit einfachere Jobs der Welt als den Trainerposten beim strauchelnden Giganten FC Barcelona. Geplagt von einer Finanzkrise epischen Ausmaßes, der Seele beraubt durch den Abgang Lionel Messis und entkernt durch den Verlust anderer Schlüsselspieler, taumeln die Katalanen durch die frühe Saison. Nicht alles ist auf Trainer Ronald Koeman zurückzuführen.

Aber doch kann nach dem 0:3 bei Benfica Lissabon mit an Wahrscheinlichkeit grenzender Sicherheit behauptet werden: Auf Ronald Koeman ist auch einiges zurückzuführen. Die Barcelona-Vereinsikone beteiligt sich an dem Raub: Er klaut Barça die Identität auf dem Platz mit einer befremdlichen und orientierungslosen Defensivtaktik und er entzieht ihnen durch öffentliche Statements das ohnehin bereits geringe Selbstvertrauen.

"Dieser Umbruch im Team wird es uns kaum erlauben, auf einem Niveau mit den Top-Klubs in Europa zu spielen", hatte Koeman am Tag vor dem Spiel mit einem gewissen Fatalismus erklärt, der bereits am nächsten Tag wie eine euphorische Analyse der Situation erschien. Da hatte man gegen eine Mannschaft der europäischen Mittelklasse eine Demütigung erfahren.

Koeman erinnert an Kovac

Sein negativer Spielansatz - gegen Benfica trat er mit drei Innenverteidigern an, um den Laden dichtzumachen, ein Plan, der bis zur dritten Minute aufging - und seine negativen Einschätzungen der Lage erinnern immer mehr an die berühmten Worte Robert Kovacs kurz vor dem fatalen 1:5 in Frankfurt. "Man muss die Spielertypen haben", hatte er damals das traurige Spiel der Bayern, die nur ein paar Monate später die Champions League gewannen, erklärt. "Man kann nicht versuchen, 200 km/h auf der Autobahn zu fahren, wenn sie nur 100 schaffen."

Das alles führte zur ersten Barça-Niederlage gegen eine portugiesische Mannschaft seit einem 0:1 gegen Belenenses in einem UEFA-Cup-Spiel im Jahr 1987. Zum ersten Mal überhaupt sind die Katalanen mit zwei Niederlagen in eine Champions League gestartet und das Ausscheiden in der außer Bayern München eher durchschnittlich besetzten Gruppe ist eine realistische Option. Das würde zu weniger Einnahmen führen und die Abwärtsspirale noch schneller drehen lassen.

"Es ergibt natürlich keinen Sinn, das jetzige Team mit dem von vor ein paar Jahren zu vergleichen. Das ist so klar wie Wasser. Ich kann Ihnen nur eine Einschätzung über meine Arbeit hier geben - und ich fühle mich durch meine Spieler und ihre Einstellung unterstützt", erklärte Koeman die Pleite gegen Benfica, die durch Darwin Nuenz (3. / 79., Elfmeter) und Rafa Silva (69.) zu ihren Treffern gekommen waren, auch mit dem Verfall der Mannschaft.

Wer will sich das antun?

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Die Pleite im Estadio da Luz hat gezeigt: Ronald Koeman ist Teil des Problems. Und er ist der erste Hebel, um den freien Fall ins Mittelmaß zu stoppen. Nicht einmal seine Spieler stehen noch hinter ihm. Frenkie de Jong kommentierte nur, dass es nicht an ihm sei, über den Trainer zu sprechen. Er ergänzte: "Es ist keine Lösung, jetzt den Coach zu wechseln. Es sind noch genügend Spiele, um (in der Champions League, Anm.d.Red.) weiterzukommen. Wir müssen die Situation gemeinsam durchstehen und hart arbeiten." Rückendeckung klingt anders.

Zwar wird Barça Koeman abfinden müssen, aber es wäre immerhin gut investiertes Geld. Die Frage ist jetzt: Wer kann diesen Verein retten? Und wer will sich das überhaupt antun? Es gibt einfachere Jobs. Auch im Fußball.

Quelle: ntv.de

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