Fußball

Barça blamiert, Rot für Koeman Was für ein jämmerliches Fußballspiel

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Die Hölle in Fliederfarben.

(Foto: REUTERS)

Es sollte der Befreiungsschlag werden, es wurde die nächste massive Enttäuschung: Der FC Barcelona lässt auch im Liga-Spiel gegen Cadiz CF Punkte liegen. Für Trainer Ronald Koeman könnte es das letzte Spiel gewesen sein. Einen passenden Symbolmoment liefert die Partie bereits.

Das war's für Ronald Koeman. Der Niederländer musste seine Mannschaft am Donnerstagabend verlassen. Der 58-Jährige hatte in der fünften Minute der Nachspielzeit die Rote Karte gesehen. Der Trainer des FC Barcelona war mit zahlreichen Entscheidungen des Schiedsrichters im Spiel bei Cadiz CF nicht einverstanden gewesen. Und er hatte das immer lauter beklagt, bis zur 95. Minute ging das aus Sicht von Koeman gut, dann hatte Carlos del Cerro Grande den Papp auf und schickte den Coach weg. Die Eskalation war nach einer ziemlich unnötigen Aktion von Busquets passiert. Der Welt- und Europameister schoss einen zweiten Ball, der plötzlich im Spiel war, in den Laufweg seines Gegenspielers. Salvi Sanchez war gerade dabei, das Spiel seines Teams anzutreiben.

Nun hatte dieser Moment, in dem Koeman sein Team verlassen musste, durchaus Kraft für mehr als nur für den Moment. Denn der 58-Jährige gilt bei den Katalanen als heftig angezählt. Ob er das wirklich schwache 0:0 an der andalusischen Küste tatsächlich auch noch übersteht? Mehr als fraglich. Seit Tagen kann er über sich lesen, wer sein Nachfolger wird. So soll gar Josep Guardiola plötzlich ein Kandidat sein. Wenn nicht sofort, dann eventuell zur nächsten Saison. Ganz besonders intensiv wird dagegen über Xavi diskutiert, die geliebte Klub-Legende, die derzeit einen katarischen Topverein betreut. Der 41-Jährige hatte immer wieder anklingen lassen, dass es sein Ziel ist, irgendwann Barça zu übernehmen. Viele Menschen, darunter sein einst genialer Tiki-Taka-Partner Andres Iniesta, glauben, dass er (a) bereit ist und dass die Lösung (b) eine verdammt gute ist. Denn allein der Name Xavi heilt schon Wunden.

Und davon gibt es immer mehr am Barça-Torso. Eine Roulette-Regel beschreibt den aktuellen Zustand wohl am treffendsten: Nichts geht mehr. Ohne Lionel Messi (Paris St. Germain) und ohne den verliehenen Antoine Griezmann (Atletico Madrid) stümpert die Offensive erschreckend hilflos für sich hin. Memphis Depay, der große Hoffnungsträger, ließ gegen Cadiz gleich zwei Riesenchancen liegen. Die erste verstolperte er gar auf bizarre Weise. Natürlich ist es für die Lage nicht zuträglich, dass die Top-Talente Ansu Fati und Pedri gerade verletzt ausfallen. Und auch Ousmane Dembélé (ebenfalls verletzt) hat eigentlich das Potenzial, der Mannschaft immer zu helfen. Wenn da nicht die Auffälligkeiten neben dem Feld wären.

Ohne ter Stegen wäre es noch schlimmer

Nun, bester Mann gegen den Klub, der in der vergangenen Saison sensationell den Klassenerhalt geschafft hatte, war Nationaltorwart Marc-André ter Stegen. Direkt nach der Pause holte er einen mächtigen Distanzschuss von Alvaro Negredo aus dem Winkel. Und in der Schlussphase rettete er ebenfalls noch zweimal den drohenden Punktverlust. Dass Frenkie de Jong Mitte der zweiten Hälfe noch Gelb-Rot sah, eine durchaus harte, aber vertretbare Entscheidung, passte zum nächsten fürchterlichen Abend der Blaugrana. Die erste Halbzeit war etwa so ereignisarm wie Wäsche aufhängen. In der zweiten gab es dann zumindest ab und an mal Blutdruck-Momente. Koeman kommentierte die Leistung unmittelbar nach dem Schlusspfiff mit einer abwertenden Handbewegung und einem süffisanten Lächeln.

0:3 in der Champions League gegen den FC Bayern, 1:1 gegen den FC Granada und nun 0:0 gegen Cadiz. Das ist die bittere Wahrheit in Zahlen, sie wird garniert mit ganz schwachen Leistungen, mit einer erschreckenden Ratlosigkeit auf dem Feld. In der Summe könnte das zu einem ganz schnellen Ende für Koeman führen. Der hatte den Weg zum Ausgang in den vergangenen Tagen auch abseits des Feldes geebnet. Erst leistete er sich einen sprachlichen Fauxpas um das geheiligte "Tiki Taka", dann überraschte er Journalisten und Klubspitze mit einem bizarren Monolog-Alleingang bei einer Medienrunde. Besonders Präsident Joan Laporta, dem ohnehin kein gutes Verhältnis zum Coach nachgesagt wird, soll das missfallen haben. Und als sein Trainer in einer niederländischen Zeitung über den "Tyrannen" Messi sprach, sagte er verhängnisvolle Sätze. Etwa, dass Spieler wie Fati ohne Messi nicht mehr so hart trainieren würden. Da schwingt ein Eingeständnis mit, dass der Trainer nicht die Macht hat, die er haben sollte.

Nun soll die Unzufriedenheit beim Verein nach dem Remis in Cadiz noch einmal spürbarer gewachsen sein. Routinier Gerard Piqué bemühte sich nach Angaben spanischer Medien im Anschluss aber um ausgleichende Worte. „Wir gehen durch eine schwere Situation, die wir nicht gewohnt sind“, sagte der Abwehrchef der Zeitung "Marca" und mahnte weiter Ruhe an. "Jeder will gewinnen und es gibt viele Wege, um damit umzugehen. Wir können uns alle beschweren oder wir können arbeiten. Die Spieler sind hier, um zu arbeiten." Piqué rief auch zur Einheit auf: "Lasst uns nicht nach zwei Seiten schauen. Wir sind alle beim Präsidenten und wir sind auch alle beim Trainer. Wir können die Umgebungsgeräusche nicht kontrollieren und wollen darüber nicht nachdenken."

Angesprochen auf den Unmut und die Pfiffe des eigenen Anhangs bekannte er: "Ich will das Trikot Barcelonas nicht tragen, um zweiter oder dritter zu werden. Ich bin hier, um um Titel zu kämpfen." Es droht in diesem Jahr ein arg aussichtsloser Kampf zu werden. Koeman hatte ja bereits angedeutet, dass niemand vom Wunder in der Königsklasse träumen sollte und dass es in der Liga gut wäre, wenn man die Saison im oberen Drittel beenden würde. Irgendwie passt das alles nicht zusammen. Und womöglich geht das alles nun ganz schnell auseinander. "Für euch ist es anscheinend so: Wenn ich gewinne, mache ich weiter, wenn ich verliere, muss ein neuer Trainer gesucht werden", sagte der Coach zu Journalisten in der Nacht zum Freitag. Koeman betonte zwar, dass es ihm nicht um seine persönliche Situation gehe. Wenn Präsident Joan Laporta und der Verein mit ihm reden wollten, gebe es dazu aber genug Gelegenheit. Eine davon wird garantiert wahrgenommen...

Quelle: ntv.de, tno

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