Redelings Nachspielzeit

Neu-Kommentator bei DAZN-Patzer Als Uli Hoeneß Angst um Michael Ballack hatte

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Michael Ballack sei kein "Übermensch", erklärte Uli Hoeneß einst.

Beinahe wäre der heutige TV-Experte Michael Ballack beim SV Meppen gelandet, doch dann startete er doch noch eine Weltkarriere. Beim FC Bayern München wurde der Trubel dann aber so groß, dass der damalige Manager Uli Hoeneß Angst um den Jungstar hatte.

Gestern ging vielfach erst einmal gar nichts - auch wenn Michael Ballack daran nun wirklich keine Schuld hatte. Die Probleme des Streaming-Dienstes DAZN beim Spiel der Bayern gegen den VfL Wolfsburg waren rein technischer Natur, doch im Netz verknüpften nicht wenige User ihre Kritik am Sender gleich mit einer Schelte gegen die Verpflichtung des neuen Experten Ballack. Viel Geld für frühere Fußballer, wenig Geld offensichtlich für eine funktionierende Technik - so der Tenor der verprellten Konsumenten. Auch wenn man die Enttäuschung der (Nicht-)Zuschauer nachvollziehen kann, so hat das eine mit dem anderen natürlich eher weniger zu tun.

Dass Kritik am neuen Experten Michael Ballack dennoch angebracht ist, steht auf einem anderen Blatt. Denn die glücklichen User, die DAZN ohne Probleme empfingen, konnten während der neunzig Minuten in der Münchener Arena mehrfach deutlich hören, dass der ehemalige Nationalspieler mit seiner neuen Rolle noch etwas fremdelte. Besonders auffällig wurde das während der ersten Hälfte, als sich die Bayern gerade in einer Drangphase befanden, mehrere gute Torgelegenheiten kurz hintereinander hatten und Ballack ohne Bezugnahme auf die Partie allgemeine Bemerkungen zu einem Spieler in aller Ruhe und Ausführlichkeit ausführte, als ob auf dem grünen Rasen gerade eine Trinkpause vom Schiedsrichter angeordnet gewesen wäre.

In solchen Momenten wünscht sich manch Zuschauer sicherlich etwas weniger allgemeines Gerede und mehr direkte Reaktion auf das Spiel. Dass die Kommentierungen und Meinungen des mehrfachen deutschen Meisters dennoch hörenswert und unterhaltsam sind, beweist Ballack immer dann, wenn er in den Talks rund um die Begegnungen gefragt ist.

"Unterschied zwischen Pianisten und Möbelpacker"

Und auch an seinem Live-Stil wird er sicherlich in Zukunft noch so akribisch und gewissenhaft arbeiten wie in der Vergangenheit auf dem Platz. Denn ohne Frage, Ballack ist ein herausragender Fußballspieler gewesen. Der ehemalige Profi Jean-Michel Larqué hat es einmal als Co-Kommentator im französischen Fernsehen sehr treffend auf den Punkt gebracht, als er bewundert über die Eleganz des deutschen Nationalspielers sprach: "Das ist der Unterschied zwischen einem Pianisten und einem Möbelpacker, der immer auf seine Füße schauen muss."

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Die deutsche TV-Legende Heribert Faßbender sagte es früher einmal anders, aber ebenfalls anerkennend: "Auch ein halber Ballack ist vorne immer für ein ganzes Tor gut." Und der gebürtige Görlitzer war schon immer jemand, der hoch hinauswollte. Übrigens auch damals bereits nicht immer zum Gefallen aller - vor allem nicht der Journalisten, wie eine irre wie exemplarische Geschichte aus der Vergangenheit des jungen Michael Ballack zeigt.

Als er mitten im Wendetrubel 1990 in Chemnitz einem jungen Reporter ob seiner spielerischen Dominanz auffiel, fragte dieser Ballack, was denn seine Träume wären. Der Jungspund antwortete, er würde später gerne in der Bundesliga und am liebsten beim SV Werder Bremen spielen. Dem Journalisten passte das gar nicht. Er wollte das Talent lieber beim Heimatverein sehen. Und so schrieb er einen bissigen Kommentar über Ballack und riet ihm, den Kopf nicht zu hoch zu nehmen. Die Folge: Der junge Michael wollte am nächsten Tag nicht mehr zum Training und schloss sich in seinem Zimmer ein. Nichts half. In und für Chemnitz wollte Ballack nicht mehr spielen. Sein Vater versuchte daraufhin das Nachwuchstalent beim SV Meppen unterzubringen. Gelandet ist er kurz darauf schließlich in Kaiserslautern.

"Das ist doch kein Übermensch!"

Und nach einer Zwischenstation bei Bayer Leverkusen kam Ballack dann nach der WM 2002, bei derer eine überragende wie tragische Rolle (als er gesperrt im Finale fehlte) gespielt hatte, zum FC Bayern München. Dort empfingen die Fans "ihren Michi" schon im Trainingslager mit ohrenbetäubendem Gekreische und so viel überschäumender Begeisterung, dass mehrmals der Notarzt gerufen werden musste, weil einige Anhänger wieder zu Sinnen kommen mussten. Irgendwann uferte die Sache so sehr aus, dass der damalige Manager des FC Bayern München, Uli Hoeneß, eingreifen musste, weil er Angst um seinen Jungstar hatte. Der Presse gegenüber reagierte er besorgt und gereizt: "Hört doch mal auf mit dem Ballack. Lasst ihn doch mal zufrieden. Das ist ja nicht mehr auszuhalten. Das ist doch kein Übermensch!"

Und tatsächlich benötigte Michael Ballack damals einige Zeit, um sich mit seiner neuen Rolle beim Rekordmeister zurechtzufinden. Doch die Titel, die er in den Jahren bis 2006 bei den Bayern schließlich sammelte, bevor er nach England zum FC Chelsea wechselte, sprechen für sich. Und so kann man sicher sein, dass er auch bei DAZN in den nächsten Wochen seine Position finden wird - wenigstens solange der Streamingdienst technisch wieder für alle einwandfrei funktioniert.

Quelle: ntv.de

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