Redelings Nachspielzeit

Felix Magath triumphiert Das gebrochene Versprechen des Uli Hoeneß

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Felix Magath und Uli Hoeneß bei einem der größten Spiele der Ligageschichte - dem 5:1 der Wolfsburger gegen Bayern.

(Foto: imago sportfotodienst)

Saison 2008/09: Der neue BVB-Trainer Jürgen Klopp erzählt eine irre Geschichte, Jürgen Klinsmann scheitert als Bayern-Coach brachial und Uli Hoeneß will von einem alten Versprechen an den neuen deutschen Meister VfL Wolfsburg plötzlich nichts mehr wissen!

Meister der Spielzeit 2008/09 wurde völlig überraschend der VfL Wolfsburg unter seinem Trainer Felix Magath. Überraschend auch deshalb, weil die Wölfe nach der Hinrunde mit neun Punkten Rückstand auf Hoffenheim und die Bayern nur auf Platz neun der Tabelle standen. Nach vielen intensiven Trainingseinheiten auf dem extra errichteten "Meisterhügel" (eine aufgeschüttete Anhebung auf dem Übungsgelände des VfL) spielte Wolfsburg eine kolossal erfolgreiche Rückrunde mit einer Ausbeute von 43 Zählern. Der VfL war damit der erste Verein, der sich seit 39 Jahren neu in die Liste der deutschen Fußballmeister eintragen konnte. Höhepunkt der Saison war ohne Frage der 5:1-Sieg am 26. Spieltag zu Hause gegen einen völlig konfus aufspielenden FC Bayern München.

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Und genau diese derbe Niederlage führte wohl auch dazu, dass Bayerns Uli Hoeneß von einem alten Versprechen aus dem Jahr 2004 ("Wenn der VfL Wolfsburg tatsächlich Meister werden sollte, spendiere ich denen einen Meisterbalkon") nichts mehr wissen wollte ("Das gilt jetzt nicht mehr"). Ein Bauunternehmer sprang ein und half der Stadt Wolfsburg aus der Patsche. Seine Firma errichtete einen mobilen Meisterbalkon und stellte diesen kostenlos zur Verfügung. Balkon-Bauer Marian Pokuta: "100 Leute hätten ohne Weiteres genug Platz zu feiern! Den könnten wir jetzt mitten auf den Rathausplatz stellen. Das wäre natürlich auch ein Augenschmaus."

Hoeneß überbringt Klinsmann eine Nachricht

Anders als beim VfL Wolfsburg lief es beim FC Bayern München quasi nie so richtig rund in dieser Saison. Vieles war zum Start in die Spielzeit neu, doch eines blieb trotz aller Veränderungen beim Alten: Uli Hoeneß, der eigentlich seinen Platz auf der Bank gegen einen Sitz auf der Tribüne eintauschen wollte, wurde vom neuen Bayern-Coach Jürgen Klinsmann gebeten, diese Idee zu verwerfen. Hoeneß freute sich sichtlich über die Bitte des ehemaligen Nationaltrainers und nahm zwischen ihm und seinem Assistenten Martin Vasquez Platz. Klinsmann zu seiner unerwarteten Entscheidung: "Uli ist mein Chef, aber auch mein Ratgeber. Das sind 30 Jahre Erfahrung neben mir. Es wäre ja dumm, darauf zu verzichten. Darum habe ich ihn gebeten, sich weiter auf die Bank zu setzen."

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Doch am Ende konnte auch Uli Hoeneß Klinsmann nicht mehr helfen. Als die Bayern fünf Spieltage vor Schluss Gefahr liefen, die direkte Qualifikation für die Champions League zu verspielen, handelten sie schnell und schmissen Jürgen Klinsmann nach der 0:1-Niederlage am 29. Spieltag zu Hause gegen den FC Schalke 04 raus - auch wenn am darauffolgenden Tag der Bayern-Konkurrent VfL Wolfsburg in Cottbus ebenfalls mit 0:2 unterlag. Nachdem Uli Hoeneß Klinsmann die Nachricht überbracht hatte, sagt er: "Ich glaube, Jürgen war überrascht, dass wir unsere Entscheidung, die wir gestern getroffen haben, so konsequent durchziehen. Er hat ja das Spiel unserer Freunde in Cottbus gestern auch gesehen und vielleicht gedacht, dass die Entscheidung so aufgeschoben wird."

Für Klinsmann holten die Bayern völlig unerwartet Jupp Heynckes aus seiner Trainer-Rente zurück. Hoeneß: "Ich begrüße meinen alten Kumpel Jupp Heynckes, mit dem wir viele Schlachten geschlagen haben. Ich freue mich sehr, dass er unserer Bitte, für die fünf Spiele einzuspringen, nachgekommen ist." Und Heynckes hatte nichts verlernt. Wie auf Knopfdruck spulte er die Floskeln eines geübten Trainers auf seiner ersten Pressekonferenz ab: "Es ist meine Aufgabe, dass die Spieler frei werden, Spielfreude haben. Dass sie befreit werden von den Fesseln, die sie haben." Bei so viel knöchriger Ernsthaftigkeit hatte es Heynckes' neuer Assistent Hermann Gerland leicht, die Runde mit ein paar lockeren Bemerkungen zu bespaßen. Nachdem sein Chef auf die Frage der Journalisten, was denn seine Frau zu seinem Engagement sagen würde, bereits geantwortet hatte, ergriff auch Gerland ungefragt das Wort und sagte mit einem verschmitzten Lächeln um die Mundwinkel: "Ich musste meine Frau nicht vorher fragen. Ich müsste sie wohl nur fragen, wenn ich den FC Bayern verlassen wollte. Aber da würde sie wohl kein Okay geben." Der Plan der Münchner Führungsriege ging auf. Bayern sicherte souverän den zweiten Tabellenplatz.

In Dortmund regiert jetzt König Klopp

Zum Krach mit Klinsmann - mit dem man wie üblich eigentlich Stillschweigen vereinbart hatte - kam es anschließend nach einem TV-Auftritt des ehemaligen Bayern-Trainers in Günther Jauchs Sendung "stern TV". Hoeneß reagierte hörbar verschnupft: "Ich habe in Latein gelernt: Si tacuisses, philosophus mansisses - das bedeutet: Wenn du geschwiegen hättest, wärst du ein Philosoph geblieben." Und auch auf Jauch war der Manager sauer: "Der hat dem Jürgen eine Plattform gegeben, Dinge zu erzählen, die nicht stimmen, ohne kritische Fragen zu stellen." Über des TV-Moderators Ankündigung von Jürgen Klinsmann als "Barack Obama des deutschen Fußballs" kann Hoeneß hingegen nur lachen: "Wenn Jürgen der Obama des deutschen Fußballs ist, dann bin ich Mutter Teresa."

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Und auch der BVB hatte einen neuen Trainer: Jürgen Klopp. Und der ging gemeinsam mit der PR-Abteilung des Vereins erst einmal daran, die vergraulten Fans emotional wieder näher an den Verein zu holen. Bei seiner Vorstellung sagte Klopp: "Ich habe Riesenlust, hier zu arbeiten. Wir werden einige Vollgas-Veranstaltungen ablaufen lassen. Rasenschach wird es bei mir nie geben. Wenn Spiele langweilig sind, verlieren sie ihre Berechtigung."

Eigentlich war Klopp lange Zeit beim HSV als kommender Übungsleiter gehandelt worden, doch das scheiterte an einigen kleinen Details, wie Klopp sich im Interview mit der "Hamburger Morgenpost" erinnerte: "Die Vorstände Bernd Hoffmann und Katja Kraus wollten mich. Aber der Sportdirektor Didi Beiersdorfer konnte sich einfach nicht entscheiden. Also hatte er einen Scout losgeschickt, damit der wohl mal so guckt, wie ich ausschaue. Und dann war man überrascht, dass ich so aussehe, wie ich aussehe. Da hab ich dann bei Herrn Beiersdorfer angerufen und gesagt: 'Falls ihr noch Interesse habt - ich sage hiermit ab!' Nein, das ging ja gar nicht! Wer in diesem Geschäft arbeitet, der muss wissen, wie ich arbeite. Und dann hieß es noch, ich sei immer nach der Mannschaft auf den Trainingsplatz gekommen, wäre schlecht rasiert und hätte Löcher in den Jeans. Also, diese Beurteilung war echt daneben. Wobei, halt! Das mit dem schlecht rasiert, das stimmte natürlich." Und so fing in der Spielzeit 2008/09 das Abenteuer des Jürgen Klopp in Dortmund an. Wie wir mittlerweile wissen: Es wurde eine unglaublich bewegende wie großartige Zeit für den heutigen Coach des FC Liverpool!

Quelle: ntv.de

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