Redelings Nachspielzeit

Haalands fieses Vorbild Als der "Fall Möller" Frankfurt eskalieren ließ

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"Der schwarze Abt" und Andreas Möller.

(Foto: imago/Alfred Harder)

Das Interview von BVB-Starspieler Erling Haaland am Wochenende hat für Aufruhr gesorgt. Denn noch ist nicht ganz klar, welches (falsche?) Spiel der Norweger mit seinen sorgsam gewählten Worten spielt. Dass das auch tüchtig ins Auge gehen kann, zeigt ein populärer Fall aus der Vergangenheit.

Noch ist die Lage unter Kontrolle beim BVB. Doch wie schnell eine harmlose Situation eskalieren kann, weiß keiner so gut wie die Dortmunder selbst. Das Transfer-Hick-Hack um Ousmane Dembélé im Sommer 2017 ist allen Fußballfans in Deutschland noch in bester Erinnerung. Eine solche mediale Schlammschlacht will man bei der Borussia nun im Fall Erling Haaland unter allen Umständen vermeiden.

Und tatsächlich sind die Vorzeichen beim Norweger aufgrund seiner Ausstiegsklausel anders als damals bei Dembélé. Doch Haalands "Druck"-Interview nach dem Sieg gegen den SC Freiburg sorgte dennoch für "Aufruhr", wie Sebastian Kehl im "Doppelpass" zugab. Nun heißt es beim BVB so schnell wie möglich alle öffentlichen Feuer zu löschen – denn jedes einzelne Wort zu viel könnte brandgefährlich für den weiteren sportlichen Erfolg werden. Und wie das dann aussehen kann, wissen die älteren Offiziellen bei Borussia Dortmund sicherlich noch aufgrund eines anderen spektakulären Falls der Bundesliga-Historie.

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Denn wie eine Lage dramatisch außer Kontrolle geraten kann, hat vor genau dreißig Jahren ein ehemaliger Dortmunder gezeigt. Andreas Möller, der vier Jahre später in England Europameister mit der deutschen Nationalmannschaft werden sollte, wurde damals von Berti Vogts medial hart angezählt, als der Bundestrainer in einem Interview meinte: "Ich kann beweisen, dass Andy mehrfach die Unwahrheit gesagt hat." Und nicht nur Möller selbst sorgte damals für Schlagzeilen. Besonders sein Manager Klaus "Der schwarze Abt" Gerster gab im Frühjahr 1992 keine gute Figur ab. Angeblich ermittelte sogar die Staatsanwaltschaft gegen ihn, wie eine große deutsche Sportzeitschrift berichtete, weil ein Kölner Anwalt "Strafanzeige wegen Betrugs" gegen Gerster gestellt hatte.

Vereine genervt, Mitspieler genervt

"Eher höre ich auf, Fußball zu spielen", hat Andreas Möller damals gemeint, als sein Transfer nach Italien zum internationalen Politikum wurde, weil er nicht zu Atalanta Bergamo wechseln wollte. Letztendlich musste die FIFA entscheiden, wie der äußerst verzwickte und delikate Fall zu lösen war. Im Kern ging es im Jahr 1992 darum, dass Möllers Manager Klaus Gerster im Namen seines Mandanten für ein Vertragschaos im ganz großen Stil gesorgt hatte, das juristisch höchst zweifelhaft und moralisch gegenüber den beteiligten Vereinen äußerst bedenklich war. Um den Bundesliga-Spieler buhlten damals sowohl Juventus Turin wie Atalanta Bergamo und Eintracht Frankfurt. Möller selbst hielt sich stets alle Türen offen – und verspekulierte sich dabei so dramatisch, dass er anschließend sogar von seinen eigenen Mitspielern als "Lügner" bezeichnet wurde.

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Die ganze Geschichte begann damals bereits im Februar 1990, als Möller nicht nur einen Arbeitsvertrag bei Juventus Turin unterzeichnete, sondern auch eine Vereinbarung über eine Ablöse für den abgebenden Verein Eintracht Frankfurt über 5 Millionen Mark unterzeichnete. Ein Jahr später unterschrieb der Nationalspieler zudem eine Einverständniserklärung, die die Abtretung der Rechte von Juventus Turin an Atalanta Bergamo beinhaltete. Juve hatte alle Ausländerplätze belegt und wollte Möller in Bergamo ein Jahr parken. Doch dem gebürtigen Frankfurter gefiel diese Lösung trotz seiner Erklärung plötzlich nicht mehr – und so drohte er, lieber ganz mit dem Fußball aufhören zu wollen.

"Fall Möller" kostet Frankfurt alles

Dass es dazu schlussendlich nicht kam, lag an dem Urteil der FIFA. Der internationale Fußballverband entschied, dass Möller zu Juventus wechseln und die Ablöse aus eigener Tasche bezahlen müsse. Eine gute Entscheidung. Nicht nur für Andreas Möller, dem es in Turin sehr gut gefiel - "Wenn du in Italien eine gute Aktion gehabt hast, reden die Fans eine Viertelstunde davon - du kannst dich gemütlich zurücklehnen. Das kommt meiner Spielweise sehr entgegen" -, sondern auch für den deutschen Fußball. Denn ähnlich wie viele Jahre später bei Dortmunds Skandal-Profi Ousmane Dembélé hatte der "Fall Möller" der Bundesliga insgesamt nicht gutgetan.

Ben Redelings

Ben Redelings ist ein leidenschaftlicher "Chronist des Fußballwahnsinns" und Anhänger des ruhmreichen VfL Bochum. Der Bestseller-Autor und Komödiant lebt im Ruhrgebiet und pflegt sein legendäres Anekdoten-Schatzkästchen. Für ntv.de schreibt er montags und samstags die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Weitere Informationen zu Ben Redelings, seinen aktuellen Terminen und seinem Buch mit den besten Kolumnen ("Zwischen Puff und Barcelona") gibt es auf seiner Seite www.scudetto.de.

Damals spielte Andreas Möller über viele Wochen und Monate bewusst falsch. Er benutzte die Öffentlichkeit und verschiedene Personen, um seine eigenen Interessen durchzusetzen. Dass ihm das nicht dauerhaft geschadet hat, hat er vor allem dem Umstand zu verdanken gehabt, dass sein damaliger Manager Klaus Gerster viel von der allgemeinen Kritik auf sich lenken konnte. Und hier liegt vermutlich sogar eine Parallele zum Fall Haaland.

Man kann es nur vermuten, aber vielleicht hat Erling Haalands unausgereifte Attacke auf die Offiziellen des BVB auch damit zu tun, dass sein Berater Mino Raiola momentan gesundheitlich angeschlagen ist und operiert werden musste. Ganz offensichtlich sollte die Borussia im Augenblick eher die Füße stillhalten, als zu aggressiv eine frühzeitige Entscheidung des jungen Norwegers einzufordern. Denn das eine solche Personalie durchaus auch den sportlichen Erfolg eines gesamten Klubs gefährden kann, zeigt die Geschichte des Andreas Möller äußerst anschaulich. Die Eintracht verspielte damals auf den allerletzten Metern noch die sicher geglaubte Meisterschaft – und nicht wenige Spieler dieser großen Frankfurter Elf gaben im Sommer 1992 nicht nur insgeheim auch Möller eine (Teil-)Schuld an diesem dramatischen Finale.

Quelle: ntv.de

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