Redelings Nachspielzeit

"Was glaubt er, wer er ist?" Salihamidžić‘ fiese Attacke gegen Hansi Flick

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Attackierte Salihamidžić auch Hans Flick?

(Foto: Stefan Matzke/sampics/Pool via Peter Schatz)

Der Frontalangriff von Hasan Salihamidžić auf Marco Reus und den BVB hat nicht nur für Verwunderung gesorgt, sondern auch eine deutliche Gegenreaktion aus Dortmund hervorgerufen. Doch die Attacke des Bayern Sportvorstands zielte indirekt noch auf jemand anderes – bewusst oder unbewusst!

Die Fußstapfen sind groß - doch Hasan Salihamidžić scheint tatsächlich gewillt zu sein, in die langjährige Rolle seines früheren Mentors und Förderers Uli Hoeneß zu schlüpfen. Doch was auf den ersten Blick vielleicht relativ überzeugend daherzukommen scheint, offenbart auf den zweiten einen (versteckten) Fallstrick, den Salihamidžić entweder übersehen, bewusst in Kauf genommen oder mit voller Absicht ausgelegt hat.

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Doch erst einmal zurück auf Anfang. Der Frontalangriff des Bayern Sportvorstands auf Marco Reus und den BVB bei Sky ist inhaltlich absolut diskutabel, denn natürlich wird es für alle Beteiligten durch die vorzeitige Abreise von Reus vor dem Island-Spiel in Zukunft nicht leichter, einen Führungsanspruch des Dortmunders in der Nationalmannschaft argumentativ zu begründen. Doch da es Hasan Salihamidžić selbstverständlich nie um diesen Aspekt der Diskussion ging, sind die Reaktionen aus Dortmund (Michael Zorc: "Was glaubt er eigentlich, wer er ist?") absolut nachvollziehbar. Es ist vielmehr verwunderlich, dass sich der DFB bisher mit einer Stellungnahme zurückgehalten hat. Denn die offensichtliche Attacke auf Reus und den BVB hat noch einen zweiten, versteckteren Adressaten - und das ist niemand Geringeres als der neue Bundestrainer Hansi Flick. Schließlich gehören zu solch einem Vorgang wie vor der Island-Partie immer zwei Parteien: der Spieler, der abreisen möchte und der Trainer, der das gestattet.

Bayern-Sportvorstand mischt sich in DFB-Belange ein

Dass Hansi Flick seinen Posten bei den Bayern aus freien Stücken hergegeben hat, glaubt ohnehin immer noch kein Fußballfan in Deutschland. Es ist eher so, dass die Verwunderung weiterhin groß darüber ist, dass Flick diese einmalige Position gegen den Job des Bundestrainers eingetauscht hat. Vermutlich wird es für seine Entscheidung eine ganze Reihe von plausiblen Gründen gegeben haben, doch ein Aspekt steht immer wieder im Vordergrund, wenn sich Fußballanhänger über diese Geschichte unterhalten. Und dabei fällt ohne Ausnahme stets der Name Hasan Salihamidžić. Denn auch Flick hat ja schließlich nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass die ständigen Reibereien mit Salihamidžić schlussendlich maßgeblich dazu beigetragen haben, dass er seinen Trainerposten bei den Bayern aufgegeben hat. Und nun diese zwar versteckte, aber dennoch überaus fiese Attacke auf Flick.

Ben Redelings

Ben Redelings ist ein leidenschaftlicher "Chronist des Fußballwahnsinns" und Anhänger des ruhmreichen VfL Bochum. Der Bestseller-Autor und Komödiant lebt im Ruhrgebiet und pflegt sein legendäres Anekdoten-Schatzkästchen. Für ntv.de schreibt er montags und samstags die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Weitere Informationen zu Ben Redelings, seinen aktuellen Terminen und seinem Buch mit den besten Kolumnen ("Zwischen Puff und Barcelona") gibt es auf seiner Seite www.scudetto.de.

Ob Hasan Salihamidžić diesen Angriff auf die Autorität des Bundestrainers absichtlich oder unbeabsichtigt geführt hat, ist dabei absolut zweitrangig. Im (verständlichen) Interesse das Bestmögliche für seinen eigenen Klub zu erreichen, hat der Bayern Sportvorstand in jedem Fall billigend in Kauf genommen, dass bei dieser Diskussion auch das Ansehen von Hansi Flick Schaden nehmen kann. Denn auch die weiteren Ausführungen von Salihamidžić ("Was Kimmich macht, was Neuer macht, was Goretzka macht, das ist für mich Führung. Darauf kann sich der Trainer verlassen") sind eine deutliche Einmischung in die Belange des neuen Bundestrainers. Und das ist umso verwerflicher zu bewerten, weil sie unterschwellig mitschwingen und nicht direkt adressiert sind. Die Wirkung dieser Äußerungen ist jedoch nach innen wie nach außen nicht zu unterschätzen - und wird nachhaltige Folgen haben. Es ist deshalb auch umso verwunderlicher, dass von Seiten des DFB bisher noch nichts in Richtung Salihamidžić dazu gesagt wurde. Vermutlich hofft man, die Sache in der Öffentlichkeit stillschweigend aussitzen zu können.

So sehr sich alle Fußballinteressierten auch darüber freuen, dass es nun endlich wieder eine neue "Abteilung Attacke" bei den Bayern gibt, so intensiv und kritisch wird man in den kommenden Wochen und Monaten das Agieren des Münchener Sportvorstands beobachten. Im Augenblick scheinen die Fußstapfen von Uli Hoeneß jedenfalls noch etwas groß zu sein für Hasan Salihamidžić, doch das kann sich ja in Zukunft ändern. Schließlich werden sich gerade die älteren Fußballfans auch noch an den einen oder anderen (legendären) Fehltritt des heutigen Ehrenpräsidenten erinnern.

Quelle: ntv.de

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