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Spuren einer mysteriösen Art Afrikaner haben Gene von "Geistervorfahren"

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Die Khoisan im Süden und Südwesten Afrikas tragen Gene einer unbekannten Menschenart in sich.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Dass die Europäer und Asiaten zum Teil vom Neandertaler abstammen, ist mittlerweile belegt. Für Afrikaner galt bisher, dass sich ihre Vorfahren nicht mit anderen Menschenarten vermischten. Bei der Analyse von Erbgut entdecken Forscher nun jedoch Hinweise auf einen bisher unbekannten Vorfahren.

Europäer und Asiaten tragen alle uralte Gene von ausgestorbenen Menschenarten in sich - so wurde das Vermächtnis von Neandertalern im Erbgut heutiger Europäer und Asiaten entdeckt. Letztere haben zusätzlich auch Gene der ebenfalls verschwundenen Denisova-Menschen abbekommen. Doch bei Afrikanern konnte bisher keine Vermischung mit anderen Arten nachgewiesen werden - eine aktuelle Studie ändert dies jedoch.

Das Team um den Anthropologen David Comas von der Universität Pompeu Fabra in Barcelona untersuchte das Erbgut heutiger Afrikaner. Dabei wurden die Gene der Mitglieder von 15 unterschiedlichen Populationen auf dem afrikanischen Kontinent untersucht, darunter Vertreter aller großen Sprachgruppen, Ökosysteme und Lebensstile. Das gesamte Erbgut von insgesamt 21 Individuen nahmen die Forscher unter die Lupe und ließen es mithilfe von Künstlicher Intelligenz analysieren.

Und die Wissenschaftler wurden fündig: Sie entdeckten im Erbgut der heute lebenden Afrikaner die uralten Spuren einer Gen-Übertragung von einer Menschenart zur anderen. Bei den Menschengruppen der Khoisan, Mbuti-Pygmäen und Mandinka - die alle im Afrika südlich der Sahara leben - fanden sie Gene einer Menschenart, deren Linie sich früh vom modernen Menschen getrennt hatte, die aber heute wie der Neandertaler ausgestorben ist. Da nichts über diese Art bekannt ist, sprechen die Forscher von "Geistervorfahren".

Unbekannte Population

"Diese völlig unbekannte archaische Population vermischte sich mit den Vorfahren von Afrikanern, und ihre Gene wurden in deren Erbgut bis heute erhalten", sagt Comas laut Mitteilung der Universität. Mit-Autor Belén Lorente-Galdos betont, dass "das uns bekannte Szenario von sich auf komplexe Weise vermischenden Kulturen in der Geschichte nur die Spitze des Eisbergs der menschlichen Evolution ist, welche von Anfang an komplex gewesen zu sein scheint".

Die neuen Erkenntnisse stellen laut Comas auch das Wissen über die Vermischung von Europäern und Asiaten mit Neandertalern und Denisova-Menschen in Frage. Denn Afrikaner galten bisher als Modell für eine Bevölkerung ohne Gen-Übertragung - die Untersuchungen des Erbguts mithilfe von Künstlicher Intelligenz habe dies jedoch geändert. Nun müsse man sich auch die Gene von Menschen in Eurasien nochmal genauer anschauen - im Hinblick auf den Anteil, der etwa vom Neandertaler stammt. Dieser könnte, so Lorente-Galdos, womöglich "bis zu drei Mal höher liegen als in den bisherigen Modellen geschätzt wurde".

Quelle: n-tv.de

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