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Das Patent der Zerstörung Als Nobel das Dynamit produzieren ließ

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Teil einer Sprengstoffkiste aus Alfred Nobels Dynamitfabrik.

(Foto: dpa)

Der Sprengstoff war seine Passion. Als der schwedische Erfinder Alfred Nobel vor 150 Jahren das Dynamit patentieren ließ, wusste er wahrscheinlich, wie sehr seine Erfindung die Welt verändern wird.

Die Nobelpreise werden alljährlich in Schweden vergeben, doch der Grundstock für das Stiftungskapital wurde vor 150 Jahren in der Nähe von Hamburg geschaffen - mit Dynamit. Über schwedische Kaufleute bekam der 1833 geborene Alfred Nobel ein Grundstück in Krümmel bei Geesthacht an der Elbe vermittelt, das der Chemiker 1865 für 14.000 Taler kaufte, wie der Hamburger Historiker Eckardt Opitz berichtet.

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Ascanio Sobrero, der Erfinder des Nitroglycerins, in den 1860er-Jahren..

(Foto: Wikimedia)

Dort errichtete der Schwede eine Fabrik für Nitroglycerin, das wenige Jahre zuvor vom Italiener Ascanio Sobrero erfunden worden war. Es begann eine rasante industrielle Entwicklung, die Geesthacht zur "Pulverkammer Deutschlands" machte, wie Jochen Meder vom Förderkreis Industriemuseum Geesthacht sagt.

Die Stadt Hamburg, in der Nobel zunächst seine Fabrik bauen wollte, hatte die Genehmigung für die gefährliche Fabrik abgelehnt. Doch Krümmel lag auf dem Gebiet des Herzogtums Lauenburg. Dort wurde die Fabrik genehmigt. Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 bemühte sich das Herzogtum um einen Anschluss an Preußen, setzte aber vorerst auf eigene Faust auf Industrialisierung.

Auf der Suche nach sicherem Sprengstoff

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Ulrike Neidhöfer und Jochen Meder vom Förderkreis Industriemuseum Geesthacht.

(Foto: dpa)

Die Pläne von Nobel waren willkommen. Außerdem war die Nähe zum Fluss wichtig, denn das gefährliche Sprengöl, wie Nitroglyzerin genannt wurde, konnte am sichersten auf dem Wasser transportiert werden. Doch schon kurz nach der Errichtung flog die von Nobel gegründete Fabrik 1866 in die Luft. Die verheerende Explosion brachte dem schwedischen Unternehmer, der sich zur Zeit des Unglücks in New York aufhielt, erheblichen Ärger ein.

Den Behörden im Herzogtum Lauenburg versprach er, nach dem Wiederaufbau einen sehr viel sichereren Sprengstoff zu produzieren. In ganz Europa sei damals nach einem solchen Sprengmittel gesucht worden, sagt Ulrike Neidhöfer, die den Förderkreis Industriemuseum Geesthacht leitet. Vor allem beim Bau von Eisenbahnen und Tunneln sowie im Bergbau, wo sich das seit dem Mittelalter gebräuchliche Schwarzpulver als zu schwach erwies, sei der Bedarf groß gewesen.

Kieselalgen bringen den Durchbruch

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Alfred Nobel (r.) und ein Gehilfe beim Befüllen von Dynamitstangen in der Geesthachter Fabrik. (undatiert)

(Foto: dpa)

Nobel, dessen Vater schon Rüstungsfabrikant im russischen Sankt Petersburg gewesen war, hatte das erkannt. Nach vielen Experimenten kam er auf die erfolgreiche Mischung aus Nitroglycerin und Kieselgur. Das sehr poröse Sediment aus Kieselalgen wurde weiter südlich bei Uelzen abgebaut. Es verminderte die Sprengkraft des Nitroglycerins nur um ein Viertel, machte es aber unempfindlich für Erschütterungen. Der Erfinder nannte den neuen Sprengstoff nach dem altgriechischen Wort dynamis (Kraft): "Dynamit oder Nobels Sicherheits-Pulver".

Die Zusammensetzung von Dynamit

Dynamit besteht zu 75 Prozent aus explosivem Nitroglycerin, 24,5 Prozent aus dem Trägermaterial Kieselgur und 0,5 Prozent aus dem chemischen Stabilisator Natriumkarbonat.

Nobel ließ sich die Erfindung im Laufe des Jahres 1867 in vielen Ländern patentieren, nach Angaben seines Biografen Erik Bergengren am 7. Mai in England und am 19. September in Schweden. Wann im Herzogtum Lauenburg oder Preußen das wichtige Patent angemeldet wurde, kann der Hamburger Historiker Opitz nicht sagen. Er weiß nur, dass bereits 1867 elf Tonnen Dynamit in der Fabrik auf dem Krümmel produziert wurden. Nach Angaben des Biografen Kenne Fant war das Dynamit fast während der gesamten 1870er-Jahre ohne Patentschutz in Preußen.

Expansion und Rolle als Rüstungsunternehmer

Die Produktion steigerte sich schnell: 1876 wurden bereits 5000 Tonnen auf dem Krümmel hergestellt. Innerhalb von acht Jahren habe Nobel weltweit 15 Dynamit-Fabriken gegründet, sagt Neidhöfer. Doch Krümmel blieb die wichtigste. "Hier hat er den Grundstein für sein Vermögen gelegt", sagt die Museumspädagogin. Der Schwede sei geschäftstüchtig gewesen. Für sein Produkt habe er mit Probesprengungen in Bergwerken in Clausthal (Harz) und in der Zeche Dorstfeld (Dortmund) geworben.

Bereits 1865 hatte er in Hamburg die Gesellschaft Alfred Nobel & Co gegründet. Das später in Dynamit AG umbenannte Unternehmen wurde zu einem wichtigen Rüstungsunternehmen. Im Ersten Weltkrieg verwandelte der Hindenburg-Plan Geesthacht in eine riesige Sprengstofffabrik mit eigenem Bahnanschluss. Im Zweiten Weltkrieg folgte ein weiterer Ausbau. Bei Kriegsende habe die Anlage aus mehr als 700 Gebäuden bestanden, sagt Meder.

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Eine Gedenktafel und einige Steine erinnern heute an den ehemaligen Standort der Fabrik in Geesthacht.

(Foto: dpa)

Davon ist heute fast nichts mehr zu sehen. Die Briten ließen nach 1945 fast alle Gebäude sprengen. In den 1970er-Jahren begann auf dem Gelände der Bau des Kernkraftwerks Krümmel, das 2011 stillgelegt wurde.

Die Stadt Geesthacht verdankt Alfred Nobel ihre industrielle Entwicklung, aber auch ein zwiespältiges Erbe. Noch in den 1990er-Jahren sei der Schwede im städtischen Museum als "Arbeiter-Ausbeuter" und "Kriegsgewinnler" präsentiert worden, sagt Neidhöfer.

Tatsächlich sei ihm die Karriere in der Kriegsproduktion schon in die Wiege gelegt worden, er habe aber an den ethischen Diskussionen seiner Zeit teilgenommen. Mit 43 Jahren habe er sich in die junge Bertha von Suttner verliebt. Mit der Pazifistin, die später den Friedensnobelpreis erhielt, stand der Dynamit-Erfinder in einem regen Briefwechsel. "Ich bin für den Frieden, aber Abschreckung ist das Beste" - diese Meinung habe Nobel vertreten.

Die Geburt des Nobelpreises

Nobel habe sich auch Sorgen um seinen Nachruf gemacht, sagt die schwedische Biografin Ingrid Carlberg. Nach dem Tod eines Bruders von ihm schrieb die französische Zeitung "Le Figaro" am 15. April 1888 irrtümlich mit Bezug auf Alfred Nobel: "Der Händler des Todes ist gestorben." Diese Darstellung habe ihn schockiert.

Die Entscheidung, einen Großteil seines Vermögens - gut 31 Millionen Kronen - in die Nobelpreisstiftung zu stecken, sei jedoch nicht allein vom schlechten Gewissen getrieben gewesen. Er habe an die Verteidigung des Friedens durch militärische Stärke geglaubt. "Sein Leben lang hat er über Waffen nachgedacht", sagt Carlberg. Bis zuletzt habe eine Kanone für Testzwecke in seinem Garten in San Remo gestanden.

Quelle: n-tv.de, Bernhard Sprengel, dpa

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