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Selbsttäuschung beim Essen Bei "Snack" isst man mehr als bei "Mahlzeit"

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Snack oder Mahlzeit, das ist hier die Frage.

(Foto: imago/Westend61)

Die Bezeichnung beeinflusst das Essverhalten: Glauben Menschen, nur einen "Snack" gegessen zu haben, greifen sie danach stärker zu als nach einer "Mahlzeit" - auch wenn beide Speisen identisch waren. Wie kann man gegen diese Selbsttäuschung angehen?

Der Konsum von Snacks verleitet zu übermäßigem Essen. Das gilt einer Studie zufolge sogar dann, wenn vollwertige Speisen als Snack - und nicht als Mahlzeit - angeboten werden. Die britischen Forscher empfehlen daher im Fachblatt "Appetite", die Auszeichnung von Lebensmitteln zu überdenken.

In der Studie der University of Surrey durften insgesamt 80 Frauen zunächst ihre Lieblingspasta wählen - entweder Käsespaghetti oder Nudeln mit Tomatensoße, wobei alle Speisen das gleiche Gewicht und die gleichen Kalorien hatten. Dann wurden die Teilnehmerinnen unterteilt: Manchen wurde gesagt, dass sie eine Mahlzeit bekommen, die anderen wurden aufgefordert, ihren Snack zu essen. Zudem aßen sie die Nudeln unter verschiedenen Bedingungen: manche stehend mit einer Plastikgabel aus einer Plastikpackung, die anderen an einem Tisch sitzend mit Metallbesteck von einem richtigen Teller.

Zehn Minuten danach sollten die Frauen in einem anderen Raum angeben, wie viel Hunger sie noch hatten. Dabei unterschieden sie sich kaum. Doch im zweiten Raum standen außerdem Behälter mit Naschwerk: Keksen, M&Ms, Chips und Käsebiskuits. Am meisten naschte die Gruppe, die im Stehen gegessen hatte und denen das Essen als Snack angeboten wurde: Diese Frauen aßen 50 Prozent mehr als die anderen und hatten offenbar Heißhunger auf Süßes, denn sie verzehrten doppelt so viele M&Ms.

Menschen essen mehr, wenn sie abgelenkt sind

Für Studienleiterin Jane Ogden untermauern die Ergebnisse, dass sowohl die Situation als auch die Informationen über Speisen das Essverhalten beeinflussen. Frühere Studie zeigten bereits, dass Menschen mehr essen, wenn sie abgelenkt sind, etwa weil sie fernsehen oder einer Geschichte zuhören.

Dass auch die Auszeichnung von Essen großen Einfluss hat, sehen die Forscher mit Sorge, da sich der Trend zu Zwischenmahlzeiten verstärke. "Unser Leben wird immer geschäftiger und immer mehr Menschen essen unterwegs und entscheiden sich für Produkte, die als Snack verkauft werden", wird Psychologin Ogden in einer Mitteilung ihrer Universität zitiert. "Wir haben herausgefunden, dass gerade jene, die Snacks essen, eher dazu neigen, zu viel zu essen, weil sie nicht wahrnehmen oder nicht in Erinnerung behalten, was sie schon verspeist haben." Die Forscher empfehlen deshalb, dass die Lebensmittelindustrie auf Bezeichnungen wie "Snack" verzichten sollte.

Der Ernährungspsychologe Christoph Klotter von der Hochschule Fulda, glaubt, dass das Essverhalten auch gesellschaftlich verwurzelt sind: "In einer Gesellschaft, die Selbstkontrolle und die damit verbundene radikale Schlankheitsnorm ganz weit oben ansiedelt, unterstützt das Label und die Platzierung 'Snack' die Illusion, nur ein bisschen zu essen und gar nicht zuzunehmen. Mit dieser Illusion kann dann richtig zugelangt werden."

Solche Selbsttäuschungen gebe es auch in anderer Hinsicht, etwa wenn man Produkte als schmackhafter empfindet, wenn man glaubt, dass sie teuer sind, zum Beispiel bei Wein. Grundsätzlich, so der Experte, solle man sich bewusst mit einem Rhythmus von drei Mahlzeiten am Tag ernähren.

Quelle: n-tv.de, Nadja Wolf, dpa

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