Wissen

Kurzsichtigkeit nur ein Problem Besser keine Handys für Kinder

imago85345973h.jpg

Das häufige Starren auf nahe Bildschirme lässt bei Kindern den Augapfel in die Länge wachsen.

imago/PhotoAlto

In asiatischen Ländern sind 95 Prozent der jungen Erwachsenen kurzsichtig, in Deutschland die Hälfte. Ein Grund dafür ist die intensive Nutzung von Smartphones und Tablets in der Kindheit. Kurzsichtigkeit ist dabei nur eine von vielen negativen Auswirkungen.

Eine übermäßige Nutzung von Smartphones, Tablets und Computern im frühen Kindesalter führt nach Angaben von Augenärzten zu mehr Kurzsichtigkeit. "Studien zeigen, dass Kurzsichtigkeit zu rund 50 Prozent vom Lebensstil beeinflusst wird", sagte Bettina Wabbels für die Gesellschaft für Augenheilkunde. Belege dafür gebe es bisher vor allem aus asiatischen Ländern. "Auf uns rollt diese Welle jetzt auch zu."

Bei Kindern unter drei Jahren führe ein häufiges Starren auf nahe Computerbildschirme zu einem Wachsen des Augapfels und damit zu einem längeren Auge, erläuterte die Augenärztin aus der Bonner Uni-Klinik. "Ist ein Auge einmal so gewachsen, schrumpft es nicht mehr", ergänzte sie. "Ab 12 Jahre sind die Weichen für die Augen gestellt." Kurzsichtigkeit sei dann für das Leben besiegelt. Für Vier- bis Sechsjährige empfiehlt Wabbels deshalb maximal 30 Minuten vor Computern. Grundschulkinder bis zehn Jahre sollten maximal eine Stunde davorsitzen.

Nähe von Smartphone und Co.

Es ist vor allem die Nähe von Smartphone und Co. zu den Augen, die Sehschwächen bei Kindern befördern kann. "Ein Fernseher ist weniger schlimm, denn er ist weiter weg", sagte Wabbels. Wenn aber schon Kleinkinder häufig Spielchen auf Computerscreens verfolgten, leide nicht nur das Auge. "Beim Tablet ist alles platt", erläuterte sie. Damit könne auch die Entwicklung des räumlichen Seh- und Vorstellungsvermögen bei Kindern leiden - der Wechsel zwischen Nah- und Fernsicht zum Beispiel. Das befördere verschwommenes Sehen - und auch Schielen.

Dazu kämen gereizte, müde und ausgetrocknete Augen. Der Blaulichtanteil in Bildschirmen hemme darüber hinaus die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin, ergänzte Nicole Eter, Präsidentin der Gesellschaft für Augenheilkunde. Vor dem Schlafengehen sollten deshalb bei Kindern ein bis zwei Stunden ohne Blick auf Computer liegen. "Für Erwachsene gilt im Übrigen das Gleiche", sagte Wabbels.

Risiko für Netzhauterkrankungen steigt

"Im Grunde ist das wie bei Süßigkeiten: Computer sind sehr verlockend für Kinder, aber man muss das begrenzen. Je jünger, desto weniger Nutzung." Ob Smartphone, Tablet oder PC - die Größe des Bildschirms spiele dabei keine Rolle. Kleine Kinder sollten lieber mit Bauklötzen spielen und die reale Welt drinnen und draußen erobern. Das sei in jedem Fall besser - auch für die Augen.

In den vergangenen Jahren ist die Anzahl kurzsichtiger Menschen in Industrieländern nach Angaben der Gesellschaft für Augenheilkunde gewachsen. In Deutschland seien es unter jungen Erwachsenen inzwischen 50 Prozent. In asiatischen Ländern liege die Quote bereits bei 95 Prozent.

"Die Zunahme ist vor allem auf sehr frühen und intensiven Gebrauch von PCs, Smartphones und Tablets zurückzuführen", sagte Eter. Weil die Kinder weniger Zeit draußen im Freien verbrächten, fehle der Blick in die Ferne. Kurzsichtigkeit bedeutet nach Angaben der Gesellschaft nicht nur das oft lebenslange Tragen von Brille oder Kontaktlinsen. Auch die Risiken für Netzhauterkrankungen oder Grünem Star seien größer.

Quelle: n-tv.de, abe/ftü/dpa

Mehr zum Thema