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Auferstehung einer Ikone Der Brontosaurier ist zurück

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Der Apotosaurus excelsus ist offenbar doch ein Brontosaurier.

(Foto: imago stock&people)

Bis zu 26 Meter lang und 35 Tonnen schwer: Generationen von Saurierfans bekommen leuchtende Augen, wenn sie an die Donnerechse denken. Doch der Brontosaurier muss erst zweimal aussterben, bevor Forscher seine Existenz anerkennen.

Obwohl der Brontosaurier ("Donnerechse") zu den beliebtesten Dinosauriern gehört, gab es ihn streng genommen gar nicht. Zumindest war das bislang der Stand der Wissenschaft. Grund für die Verwirrung ist eine vermeintliche Fehlbenennung durch seinen Entdecker. Eine neue Studie von portugiesischen und britischen Wissenschaftlern  lässt die Gattung nach über hundert Jahren nun wieder auferstehen.

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Othniel Charles Marsh war einer der bekanntesten Paläontologen des 19. Jahrhunderts.

Als der amerikanische Paläontologe Othniel Charles Marsh 1879 in den westlichen USA auf die fossilen Überreste der Riesenechse stößt, meint er eine bislang unbekannte Art entdeckt zu haben und tauft diese auf den Namen Brontosaurier. Doch schon 1903 scheint die kurze Karriere des sauropoden Dinosauriers aus der Familie der Diplodocidae in den Lehrbüchern der Paläontologie beendet. Wissenschaftler wollen herausgefunden haben, dass es sich bei dem Brontosaurier um den bereits im Jahre 1877 von Marsh endeckten Apatosaurus handelt. Wie in den Regeln des International Code of Zoological Nomenclature vorgeschrieben, wird der ältere Name Apatosaurus beibehalten. Der Brontosaurier erlebt sein zweites Ende - dieses Mal in der Wissenschaftswelt.

Berühmt durch Disney

Dennoch lebt die Bezeichnung außerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft fort. So sorgt unter anderem der Zeichentrickfilm "In einem Land vor unserer Zeit" dafür, dass die pflanzenfressenden Riesen einer ganzen Generation als Brontosaurier bekannt wurden. Dank der jetzt in dem Fachjournal "PeerJ" veröffentlichten Studie dürften auch Wissenschaftler künftig wieder den Namen Brontosaurus in den Mund nehmen.

Auf beinahe 300 Seiten weist das Forscher-Team um den Schweizer Emanuel Tschopp, Doktorand der Universidade Nova de Lisboa in Portugal, nach, dass der Brontosaurus doch eine eigene Gattung ist. In ihrer Untersuchung greifen sie auf statistische Verfahren zurück und vergleichen die Entwicklungen der Arten aufs akribischste. Herausgekommen sei dabei überraschenderweise, dass "die Unterschiede zwischen Brontosaurus und Apatosaurus ebenso zahlreich waren wie jene zwischen anderen nah verwandten Gattungen. Weit mehr als man normalerweise zwischen Arten finden würde", erläutert Roger Benson, Co-Autor der Studie.  

Demnach müssten die Paläontologie-Lehrbücher in Bezug auf einen der bekanntesten aller Saurier umgeschrieben werden. Es sei ein klassisches Beispiel dafür, wie Wissenschaft funktioniere, sagen die Forscher. Besonders wenn Hypothesen auf fragmentarischen Fossilien beruhen, könne jahrelange Forschung mit einem Mal obsolet werden. Nicht mehr obsolet ist der Name Brontosaurier.

Quelle: ntv.de, ail