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Zum Überwinden von Hindernissen Fünfte Fortbewegungsart von Schlangen entdeckt

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Die Braune Nachtbaumnatter hat eine neue Art der Fortbewegung entwickelt.

(Foto: imago images / imagebroker)

Obwohl Schlangen keine Beine haben, entwickelten sie im Laufe der Evolution erstaunlich effiziente Fortbewegungsarten. Bislang waren vier davon bekannt. Wissenschaftler entdecken jetzt eine fünfte: die Lasso-Bewegung.

Seit fast 100 Jahren unterscheiden Biologen bei Schlangen vier Hauptarten der Fortbewegung: Kriechen, Schlängeln, Seitenwinden und die Ziehharmonika-Bewegung. Voraussetzungen dafür sind ein ausgeklügeltes Zusammenspiel aus Muskeln, beweglichen Rippen und Bauchschuppen. Auch die Wirbelsäule von Schlangen ist extrem flexibel. Bei einer Schlangenart haben amerikanische Wissenschaftler der Colorado State University und der University of Cincinnati zufällig eine bisher unbekannte Fortbewegungsart entdeckt. Sie haben ihr den Namen Lasso-Bewegung gegeben.

Entdeckt wurde die Lasso-Bewegung bei der Braunen Nachtbaumnatter (Bogia irregularis). Sie ist auf der Pazifikinsel Guam ansässig. Ursprünglich stammt die Schlangenart aber aus Australien, Neuguinea und Indonesien. Um 1950 wurde sie auf die größte Insel des Marianen-Archipels eingeschleppt. Die nachtaktive Braune Nachtbaumnatter ist gewöhnlich rund zwei Meter lang und eher schmal. Sie ernährt sich von Reptilien, kleinen Säugetieren und Vögeln. In den vergangenen Jahren breitete sich die Braune Nachtbaumnatter auf der Insel aus. Das wurde zum Problem: Sie rottete zehn der zwölf auf Guam heimischen Vogelarten aus.

Eigentlicher Schwerpunkt der Untersuchung war es, herauszufinden, wie sich die zwei verbliebenen heimischen Vogelarten besser vor der invasiven Braunen Nachtbaumnatter schützen lassen können. Dazu versahen Vogelschützer Pfähle, auf denen Vogelhäuser angebracht sind, mit einer etwa einen Meter hohen Metallröhre. Bei einer Videoüberwachung einer möglichen Schutzmaßnahme beobachteten die Forscher durch Zufall, wie die Schlange einen glatten Pfosten hinaufkletterte. Auf einem Überwachungsvideo war zu sehen, dass die Braune Nachtbaumnatter dieses Hindernis mithilfe der Lasso-Technik erklommen hatte.

Neue Technik strengt Schlangen an


Während die Ziehharmonika-Bewegung als Fortbewegungsart bei Schlangen bekannt ist, ist die Lasso-Technik eine neu entdeckte Weiterentwicklung dieser Bewegung. Bei der Ziehharmonika-Bewegung sucht die Schlange mit dem vorderen Teil Halt und zieht daraufhin den hinteren Körper nach. Als das Team das Kletterverhalten der Schlangen an mit Gafferband umwickelten Röhren testete, nutzten die Braunen Nachtbaumnattern bei kleinem Durchmesser die Ziehharmonika-Bewegung. Doch bei einem Durchmesser ab 15 Zentimetern griffen fünf von 15 Tieren auf die Lasso-Technik zurück. Dabei umspannt die Schlange die gesamte Röhre, verschlingt den vorderen und hinteren Körper miteinander, spannt die Muskulatur an und ruckelt sich Stück für Stück nach oben. Allerdings ist die neu entdeckte Art der Fortbewegung nach Angaben der Wissenschaftler anstrengend. Die Tiere kommen nur langsam voran, durchschnittlich etwa vier Millimeter pro Sekunde "Sie können zwar auf diese Weise klettern, aber das bringt sie an ihre Grenzen", erläutert Bruce Jayne von der University of Cincinnati in einer Mitteilung.

Die Erkenntnis, dass Schlangen sich mit der Lasso-Technik fortbewegen, soll nicht nur dabei helfen, die verbliebenen Vogelarten auf Guam zu bewahren. Auch bei der Energieversorgung der Menschen, die auf der Insel leben, kann die Erkenntnis über die neue Fortbewergungsart der Schlangen helfen. Denn immer wieder erklimmen die Nachtbaumnattern Strommasten und verursachen Kurzschlüsse. Das führt regelmäßig zu Stromausfällen auf der Insel.

Quelle: ntv.de, jks/dpa