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ntv.de fragt Dr. Specht Haben Allergiker ein höheres Corona-Risiko?

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Kann man die Symptome einer Pollenallergie mit denen von Covid-19 verwechseln? Dr. Specht hält das für unwahrscheinlich.

(Foto: picture alliance/dpa)

Trotz des milderen Frühlingswetters weitet sich die Coronavirus-Pandemie aus. Gleichzeitig nähert sich die Pollensaison ihrem Höhepunkt, die bei Allergikern etwa den berüchtigten Heuschnupfen auslöst. Im Gespräch mit ntv.de gibt Arzt und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht jedoch Entwarnung.

ntv.de: Herr Dr. Specht, der Frühling beginnt und damit die Pollensaison, unter der Allergiker besonders leiden. Gleichzeitig verbreitet sich das Coronavirus immer weiter - zählen Menschen, die allergisch auf Pollen reagieren, zu den Risikopatienten bei Covid-19?

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Dr. Specht: Eine Pollenallergie, wie etwa ein Heuschnupfen, ist keine Vorerkrankung, die einen besonders schweren Verlauf bei Covid-19 erwarten ließe. Ich persönlich sehe da keine besondere Gefahr. Etwas anderes ist es, wenn die Allergie zum sogenannten Etagenwechsel geführt hat, also die Lunge schon betroffen ist und es zu einem Asthma kommt - wenn dieses schlecht behandelt ist und Lungenschäden verursacht, dann wäre das dann natürlich eine Vorerkrankung, von der man sich vorstellen könnte, dass sie Auswirkungen auf den Verlauf einer Erkrankung mit Covid-19 hat. Das ist dann aber eine ganz andere Situation. Dazu muss man natürlich sagen: Das Virus ist relativ neu. Es ist in China aufgetreten als Winter war. So viele Daten gibt es dazu also noch nicht.

Bei gegen Pollen allergischen Menschen reagiert das Immunsystem auf die Allergene der Pollen - ist die Abwehr der Betroffenen dadurch nicht anfälliger für das Coronavirus?

Beim Allergiker liegt ja eher eine Fehlsteuerung des Immunsystems vor. Das heißt, das Immunsystem reagiert mehr als es eigentlich sollte. Es denkt, die Pollen wären irgendetwas Gefährliches und bildet dagegen bestimmte Antikörper, sogenannte IgE-Antikörper. Bei der Allergie handelt sich also eigentlich um keine Immunschwäche, sondern nur um eine Art der Fehlsteuerung.

Besteht für Pollenallergiker die Gefahr, Symptome ihrer Allergie mit denen von Covid-19 zu verwechseln?

Wer eine Pollenallergie hat, kennt die typischen Symptome eigentlich sehr gut. Dieses Kribbeln am Gaumen, das Kribbeln in der Nase, die geröteten Augen - das sind alles Symptome, die, wie wir bisher wissen, absolut nicht typisch sind für eine Coronavirus-Infektion. Ich sehe da auch keine Verwechslungsgefahr. Das Niesen, die feuchte Nase mit dem meist relativ wässrigen Schleim, das ist typisch für eine Allergie. Das kann auch typisch sein für einen Erkältungsschnupfen. Aber der Schnupfen wiederum gehört gerade nicht zu den klassischen Symptomen einer Covid-19-Erkrankung, auch das wissen wir inzwischen. Bei Covid-19 ist viel eher der trockene Husten typisch, der für eine Allergie wiederum nicht wirklich typisch ist. Es sei denn, es käme zum Etagenwechsel, also zu einer Beteiligung der Lungen bei einer Pollenallergie. Aber für die reine Pollenallergie gilt das nicht - die Symptome sind daher eigentlich klar abgrenzbar.

Was ist mit den Medikamenten, die Pollenallergiker zur Behandlung des Heuschnupfens verwenden - können diese während der Corona-Pandemie weiter bedenkenlos eingenommen werden?

Derzeit gibt es gar keine Hinweise, dass antiallergisch wirksame Medikamente ein Problem sein könnten. Medikamente, die Allergiker, Pollenallergiker insbesondere, häufig einnehmen, sind die sogenannten Antihistaminika, die gegen das Juckreiz auslösende Histamin wirken. Dann wird prophylaktisch auch gerne die Cromoglicinsäure eingenommen. Das sind beides Substanzen, von denen man zumindest keine Informationen hat, dass sie bei Covid-19 einen schlechteren Verlauf hervorrufen würden. Das ist medizinisch auch nicht plausibel.

Mit Dr. Christoph Specht sprach Kai Stoppel

Quelle: ntv.de