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Knochenwucherung bei Jüngeren Handygucken lässt Nackenhorn wachsen

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Der Körper reagiert auf die Dauerbelastung.

(Foto: imago/Westend61)

Smartphones sind allgegenwärtig: Viele Menschen schauen täglich mehrere Stunden auf ihre Klein-Computer. Das macht sich vor allem bei jungen Menschen bemerkbar und ist sogar im Röntgenbild zu sehen.

Die Untersuchungen zum Gebrauch von Smartphones haben sich bisher vor allem auf Wirkungen von elektromagnetischen Strahlungen und Veränderungen im Sozialverhalten von Nutzern konzentriert. Forscher der University of Sunshine Coast im australischen Queensland haben nun im Röntgenbild sichtbare Veränderungen am Kopf entdeckt, die sie auf den Handy-Gebrauch zurückführen.

Das Team um den Chiropraktiker David Shahar hatte die Ergebnisse ihrer Untersuchung bereits im letzten Jahr im Fachmagazin "Nature" veröffentlicht. Ein aktueller Bericht der BBC führte dazu, dass die Studie nun neue Aufmerksamkeit bekam, meldete die "Washington Post". In australischen Medien seien die von den Forschern beschriebenen knöchernen Auswüchse, in der Fachsprache auch Exostose genannt, bereits als "Kopfhörner", "Telefonknochen" oder "Stachel" bezeichnet worden.

"Ganz egal, wie es genannt wird: Es sieht aus wie ein Vogelschnabel, ein Horn, ein Haken", zitiert die "Washington Post" den Studienleiter Shahar. Die Deformationen seien ein Zeichen für eine ernsthafte Fehlhaltung, die zu chronischen Kopfschmerzen und Schmerzen im oberen Rücken und Nacken führen können.

Besondere Belastung wird sichtbar

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Das Röntgenbild zeigt die Exostose eines 28-Jährigen.

(Foto: David Shahar, University of Sunshine Coast, Queensland)

Die Forscher hatten über einen Zeitraum von drei Jahren insgesamt 1200 Röntgenaufnahmen des Schädels und der Halswirbelsäule von Patienten im Alter zwischen 18 und 86 Jahren ausgewertet. Dabei stellten sie bereits 2016 fest, dass die erkennbaren knöchernen Veränderungen am Hinterkopf vor allem bei jungen Männern im Alter von 18 bis 30 Jahren zu sehen waren. Insgesamt stellten die Forscher ein Knochenwachstum von drei bis fünf Millimetern bei rund 40 Prozent der untersuchten Personen fest. In extremen Fällen konnten sogar zehn Millimeter und mehr gemessen werden. Normalerweise treten solche Veränderungen nur im hohen Alter bei Menschen auf, die sich über Jahre hinweg starken körperlichen Belastungen aussetzen.

Ihre außergewöhnlichen Ergebnisse führen die Forscher auf die verstärkte Nutzung von mobilen Geräten wie Mobiltelefonen oder Tablets zurück. Die Forscher gehen davon aus, dass die knöchernen Vergrößerungen am Hinterkopf bei den Betroffenen nicht nur durch genetische Dispositionen oder Entzündungen entstanden sind. Wahrscheinlich sei vielmehr, dass die Nutzung von Handys und Smartphones zu einer besonderen mechanischen Belastung von Muskeln, Sehnen an Schädel und Nacken führen und der Körper auf diese Weise darauf reagiert. Das Beugen des Kopfes nach vorne und unten beim Schauen auf Smartphones bringe eine besonders Belastung für die Nackenmuskulatur mit sich, zitiert die "Washington Post" Shahar. Da der Prozess solcher Knochenbildungen lange dauere, sei davon auszugehen, dass die jungen Betroffenen seit der frühen Kindheit ihren Nacken über viele Stunden fehlbelasten.

"Das Horn an sich ist keine Gefahr", betonte Mark Sayers, der ebenfalls an der Studie mitgearbeitet hat. Es sei vielmehr ein Anzeichen dafür, dass etwas Falsches anderswo vor sich geht, dass Kopf und Hals nicht in der richtigen Stellung zueinander stünden. Als Ausweg schlagen die Forscher vor, in Schulen einfache Handlungsstrategien zum richtigen Umgang mit mobilen Technologien zu unterrichten.

Ob es tatsächlich einen nachweisbaren Zusammenhang zwischen der Bildung von Hinterkopfhaken bei jungen Menschen und der Nutzungsdauer von Smartphones gibt, muss in anderen Untersuchungen erst noch überprüft werden.

Quelle: n-tv.de, jaz