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"2019 bricht alle Rekorde" Inuit in Alaska fliehen vor Erderwärmung

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Die Polarregion ist wie keine andere auf der Welt vom Klimawandel betroffen. Das Eis der Seen hält nur kurze Zeit.

(Foto: picture alliance / Michael Donha)

In Alaska sind die Auswirkungen der Erderwärmung unmittelbar zu spüren. Temperaturen von bis zu 17 Grad kommen in dem US-Bundesstaat einer Hitzewelle gleich und sorgen für das schnelle Auftauen der Permafrostböden. Ganze Inuit-Dörfer müssen umsiedeln.

Der Friedhof musste schon zwei Mal verlegt werden, die alte Schule steht unter Wasser und das neue Schulgebäude kann auch bald nicht mehr genutzt werden. In Napakiak, einem kleinen Dorf im Südwesten Alaskas, sind die Auswirkungen der Erderwärmung unmittelbar zu spüren. Der Anstieg der Durchschnittstemperaturen, der in dem US-Bundesstaat viel deutlicher ausfällt als sonst auf der Erde, sorgt für Landerosion und ein Auftauen der Permafrostböden. Für die Bewohner Alaskas bedeutet dies drastische Veränderungen in ihrem Leben.

"Hier haben wir es täglich mit dem Klimawandel zu tun", sagt Walter Nelson vom Gemeinderat des 350-Seelen-Ortes Napakiak, in dem vornehmlich Yupik-Inuit leben. "Die Küste erodiert schneller als vorhergesagt und wir müssen uns vom Fluss immer weiter in höher gelegene Gebiete zurückziehen."

Nelson deutet auf Bauten, die meisten auf den für die Region typischen Stelzen, die von der Küstenerosion und dem Auftauen der Permafrostböden betroffen sind. "Es ist ein ständiger Wettlauf gegen die Zeit. Jetzt gerade stehen der Lebensmittelladen, die Feuerwache und ein Verwaltungsgebäude ganz oben auf der Liste für einen Standortwechsel", sagt der Kommunalpolitiker. "Als Nächstes ist die Schule dran, aber die können wir nicht verlegen. Wir werden sie abreißen müssen und eine neue bauen."

Ganze Dörfer müssen umsiedeln

Den anderen Gemeinden an Alaskas Küste geht es ebenso. Die Erderwärmung führt zudem dazu, dass die entlegenen Dörfer sowie Fisch- und Jagdgründe der Inuit noch schwerer zugänglich werden. Denn wegen der höheren Temperaturen können bislang als Verkehrswege genutzte vereiste Flüsse nicht mehr gefahrlos befahren werden, das Eis hält nicht mehr.

Die rund 350 Bewohner von Newtok müssen diesen Sommer sogar umgesiedelt werden. Sie gründen in etwa 15 Kilometern Entfernung ein neues Dorf. Auch in Quinhagak an der Beringsee unweit der Mündung des Flusses Kuskokwim denken die Gemeindevorsteher darüber nach, alle 700 Einwohner in ein sichereres Gebiet umzusiedeln.

"Wir sind schon zwei Mal umgesiedelt, zuletzt 1979", sagt Warren Jones, Präsident der örtlichen Yupik-Organisation Qanirtuuq. Der Landverlust vollziehe sich so schnell, dass eine dritte Umsiedlung wohl unausweichlich sei.

Wissenschaftlern zufolge hat sich Alaska doppelt so stark erwärmt wie der globale Durchschnitt. In den restlichen USA sei die Durchschnittstemperatur von 1901 bis 2016 um ein Grad Celsius gestiegen, in Alaska hingegen um 2,7 Grad, sagt Rick Thoman, Klimaexperte des Alaska Center for Climate Assessment and Policy.

Insbesondere für die ländlichen Gemeinden in Alaska bedeute dies "langfristige existenzielle Bedrohungen", warnt Thoman. "Einige Gemeinden sind nur einen Sturm von der Unbewohnbarkeit entfernt."

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"2019 bricht alle Rekorde"

In Napakiak kämpft seit einem Jahrzehnt Harold Ilmar in Vollzeit dafür, den inmitten einer endlos scheinenden Tundra liegenden Ort vor Schäden durch Stürme, Hochwasser und Erosion zu schützen. Durchschnittlich fünf Bauten jährlich verlegt er in höher gelegene Gebiete. Mit spärlichen Mitteln wie Sandsäcken und Plastikfolien versucht er außerdem, die Schäden durch die Fluten des Flusses einzudämmen.

Wie die Vertreter anderer Inuit-Dörfer in Alaska reisten in den vergangenen Jahren auch Vertreter aus Napakiak zu Konferenzen im gesamten Land, um die konkreten Gefahren durch den Klimawandel zu schildern. "Wir sagen den Leuten immer wieder, dass sie hierher kommen sollen, weil sie es erst dann glauben können", sagt Nelson. "Am Telefon werden sie nicht verstehen, was hier passiert."

In diesem Frühling stieg das Thermometer in Alaska auf bis zu 17 Grad - für die Region eine Hitzewelle. Angesichts solcher Entwicklungen kann sich Nelson mittlerweile vorstellen, dass die Bewohner seines Dorfes zu Klimaflüchtlingen werden. "Wir dachten, dass 2016 und 2018 die wärmsten Jahre hier waren, aber 2019 bricht alle Rekorde", sagt er. "Wer weiß, womit wir es in den nächsten zehn Jahren zu tun bekommen."

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Quelle: n-tv.de, Jocelyn Zablit, AFP

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