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Passives Fressen: Bei dieser Methode stehen die Wale senkrecht im Wasser und erzeugen einen Sog.
Passives Fressen: Bei dieser Methode stehen die Wale senkrecht im Wasser und erzeugen einen Sog.(Foto: Takashi Iwata)
Montag, 06. November 2017

Ganz schön erfinderisch: Kuriose Fress-Methode bei Bartenwalen

Von Bartenwalen weiß man, dass sie mit offenem Maul schwimmen und dabei Krill und Fische aus dem Wasser filtern. Doch wenn die Beute nah an der Wasseroberfläche ist, haben sie auch ein anderes Jagd-Manöver parat. Forscher sind überrascht.

Forscher haben eine kuriose, bislang unbekannte Jagdmethode bei Walen entdeckt: Die bis zu 13 Meter langen Brydewale (Balaenoptera edeni), die wie Blauwale zu den Bartenwalen gehören, lassen sich offenbar in senkrechter Körperhaltung mithilfe eines selbst erzeugten Wassersogs Fische direkt ins Maul spülen. Das beobachtete das Team um Takashi Iwata, der inzwischen an der britischen Universität St. Andrews arbeitet, im oberen Golf von Thailand insgesamt fast 60 Mal bei erwachsenen Tieren und auch bei Kälbern. Das noch nie beschriebene Verhalten zeige, wie erfinderisch Wale seien, betonen die Forscher im Fachblatt "Current Biology".

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Senkrecht im Wasser stehend heben die Meeressäuger dabei zunächst den Kopf bei geschlossenem Maul aus dem Wasser und klappen dann den Unterkiefer herab, bis der die Wasseroberfläche berührt. Halten die Tiere dann den Mundwinkel unter Wasser, treiben ihnen kleine Fische durch den entstehenden Sog ins Maul. "Viele Sardellen im angesteuerten Schwarm schienen die Orientierung zu verlieren und wurden passiv von der Strömung in den Walrachen gespült", schreiben die Forscher. Insgesamt dauert das Manöver zwischen 10 und 30 Sekunden, bevor die Wale das Maul schließen und wieder abtauchen.

Bekannt war bislang die Fangmethode, bei der Bartenwale mit geöffnetem Maul schwimmen und dabei mithilfe von schmalen Hornplatten, die sie anstelle von Zähnen besitzen - den sogenannten Barten - bei hoher Geschwindigkeit Krill und Fische aus dem Wasser filtern.

Zwar müssen die Brydewale auch bei der jetzt beobachteten Methode Kraft einsetzen, um aufrecht im Wasser zu stehen. Dabei verbrauchten sie aber wegen des weitaus geringeren Wasserwiderstands viel weniger Energie, glauben die Autoren. Das sei aber nicht der Grund für das Manöver: Stattdessen erklären sie das auffällige Verhalten damit, dass der obere Golf von Thailand arm an Sauerstoff ist, deshalb bleibe die Beute der Wale nahe an der Wasseroberfläche. Das Beispiel zeige, wie erfinderisch Wale auf ihre Umwelt reagieren könnten.

Quelle: n-tv.de

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