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Auferstehung eines Urriesen Mammutfant könnte Sibirien besiedeln

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Das Mammut könnte als "Öko-Polizei" in der Tundra fungieren.

(Foto: imago/Science Photo Library)

In der Tundra herrschen Bedingungen, mit denen nur wenige Lebewesen zurecht kommen. Eines davon war vor 4000 Jahren das Mammut. Der Urzeit-Elefant könnte nun wiederbelebt werden. Forscher arbeiten am Mammutfanten.

Wer in der russischen oder finnischen Tundra überleben will, braucht ein dickes Fell. Dort herrschen meist Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und es liegt acht bis elf Monate im Jahr Schnee. Das sind genau die richtigen klimatischen Bedingungen für ein Mammut - wenn es nicht bereits vor 4000 Jahren ausgestorben wäre. Eine Forschergruppe um George Church von der Harvard University will den ausgestorbenen Verwandten des heutigen Elefanten wiederbeleben, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (SZ).

Die Molekulargenetiker konnten bereits einen ersten Erfolg verbuchen. Es gelang ihnen, mehrere Mammutgene in die Hautzellen von Elefanten zu übertragen, sodass sich die Mischlingszellen vermehrten. Die Forschung auf diesem Gebiet wird auch als De-Extinction, also Rück-Ausrottung, bezeichnet. Neben Church bemühen sich auch andere Wissenschaftler aus den USA, Australien und Europa, ausgerotteten Arten neues Leben einzuhauchen.

Stuart Brand, Präsident der US-amerikanischen Long Now Fondation, finanziert solche Projekte, um "Schaden wiedergutzumachen, den Menschen in der Vergangenheit angerichtet haben, schreibt er in den "National Geographic News". Noch sind solche Projekte allerdings eine Utopie. Bisher ist es nicht gelungen, ein bereits ausgestorbenes Tier durch Zellvermehrung in einer Wirtszelle am Leben zu erhalten.

"Ausgestorbene Arten sind verloren"

Spanischen Forschern ist es bereits gelungen, eine De-Extinction erfolgreich durchzuführen. Per Kaiserschnitt kam ein Pyrenäen-Steinbock auf die Welt, lebte allerdings aufgrund seiner deformierten Lunge nur wenige Minuten. Während das Team um Alberto Fernandez-Arias den kleinen Steinbock bereits als erste erfolgreiche De-Extinction feierte, reichte die kurze Lebensdauer des Tieres anderen Wissenschaftlern nicht.

Die Biologin Beth Shapiro, die mit ihrem Buch "How to Clone a Mammoth" ("Wie man ein Mammut klont") für Furore sorgte, gibt jedoch zu bedenken: "Ausgestorbene Arten sind für immer verloren. Das Produkt einer De-Extinction wird nicht exakt das Gleiche sein wie die ursprüngliche Art." Andere Forscher bemängeln bereits den Begriff De-Extinction, da eine verlorene Spezies niemals wieder identisch zurückgebracht werden kann.

So würden in der sibirischen Tundra beispielsweise keine prähistorischen Mammuts herumwandern, sondern sogenannte Mammutfanten, eine Kreuzung zwischen urzeitlichem Mammut und modernem Elefanten. Sie könnten beispielweise als "Öko-Polzei" fungieren und mit ihrem Gewicht die Schneedecke in der Steppe verdichten, in der Kohlendioxid eingeschlossen ist.

"Sinnvoller, die PS-Zahl von Autos zu reduzieren"

Der Potsdamer Evolutionsgenetiker Michael Hofreiter hält solche Erwartungen allerdings für überzogen: "Ich glaube nicht, dass Mammuts etwas am Klimawandel ändern können. Da wäre es sinnvoller, die PS-Zahl von Autos zu reduzieren", stellt er gegenüber der "SZ" klar. Andere Biologen befürchten, dass die De-Extinction zu einem verminderten Artenschutz führen könne, da jede Spezies wiederherstellbar gemacht würde.

Natürlich gibt es auch neben der Wiederherstellung ausgerotteter Arten auch noch einen weiteren Nutzen für die heutige Flora und Fauna. So können Wissenschaftler einzelne Gene aus vergangenen Arten extrahieren und sie gezielt gegen bestimmte Krankheiten oder Anfälligkeiten in lebende Tiere injizieren, um Resistenzen zu schaffen.

Um als De-Extinction-Kandidat infrage zu kommen, müssen allerdings zahlreiche weitere Faktoren neben dem ökologischen Nutzen erfüllt sein. So müsse für ein Mammutfantenbaby eine geeignete Leihmutter gefunden werden, die mit der Aufzucht des Mischlingswesens zurecht kommt. Anschließend müssen eine geeignete Umgebung für die artgerechte Haltung, sowie weitere Tiere für ein gesundes soziales Umfeld zur Verfügung stehen, da die Spezies enge Sozialkontakte benötige.

Quelle: ntv.de, lsc