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Forscher finden Hit-Formel Wann klingt ein Popsong gut?

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Schwedische Hitproduzenten: Auch einen Abba-Song untersuchten die Forscher.

(Foto: imago images/Mary Evans)

Manche Popsongs werden zu Welthits, andere gehen total unter. Die Gründe für Erfolg oder Misserfolg sind vielfältig. Einen wesentlichen Faktor, ob ein Lied gut klingt, haben Forscher nun gefunden. Das könnte dazu beitragen, Programme mit KI zu erstellen, die selbstständig Musik komponieren.

Der Hörgenuss von Musikstücken ist auch vom richtigen Zusammenspiel aus Spannungs- und Überraschungseffekten in den Akkordfolgen abhängig. Das konnten Forscher nach der Analyse der Harmonien von vielen Hundert Popsongs und Hörexperimenten mit Probanden zeigen, wie sie im Fachmagazin "Current Biology" schreiben. Den Forschern zufolge könnten ihre Ergebnisse dazu beitragen, Musikprogramme mit künstlicher Intelligenz zu erstellen, die selbstständig Musik komponieren.

Den Forschern zufolge klingt es für den Hörer besonders angenehm, wenn auf eine Akkordfolge, die den weiteren Fortgang des Stücks relativ offen lässt, ein wenig überraschender Akkord folgt. Nach Akkorden, die eigentlich einen bestimmten Folgeton vermuten lassen, klingt ein unerwarteter Akkord besonders angenehm. Unter Akkord versteht man im Prinzip das gleichzeitige Erklingen mehrerer Töne.

Analyse von 745 Popsongs mit insgesamt 80.000 Akkorden

Die Forscher um Vincent Cheung vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig und Stefan Kölsch von der norwegischen Universität Bergen analysierten zunächst 745 Popsongs mit insgesamt 80.000 Akkorden, die es zwischen 1958 und 1991 in die US-Charts geschafft hatten. Darunter waren Lieder wie "Knowing Me, Knowing You" von Abba, "Ob-La-Di, Ob-La-Da" von den Beatles und "Red, Red Wine" von UB40.

Ein Computerprogramm berechnete über alle Songs, wie wahrscheinlich bestimmte Akkordfolgen sind. Dadurch konnten für jeden der 80.000 Akkorde zwei Werte bestimmt werden: Wie erwartet oder überraschend ist der Akkord im musikalischen Kontext? Wie stark lässt der Akkord erahnen, wie es im Lied weitergeht?

Dann spielten die Forscher bestimmte Passagen aus den Popsongs jeweils einem von knapp 40 Probanden vor. Allerdings bekamen die Hörer nicht einen tatsächlichen Liedausschnitt vorgespielt, sondern die reine Akkordfolge der Passage, unterlegt von einem standardisiertem Schlagzeug-Beat. Der typische Sound des Stücks fehlte also und die Akkorde waren alle gleich lang. Dadurch waren die Popsongs nicht mehr zu erkennen.

Die Probanden mussten beim Hören nach jedem Akkord angeben, wie angenehm sie diesen empfanden. Die Forscher glichen dann die Angaben zum Hörgenuss mit den zuvor berechneten Werten für jeden Akkord ab. Dadurch konnten sie bestimmen, in welchem musikalischen Kontext ein Akkord als besonders angenehm empfunden wird.

Von einer Tonfolge überrascht

Bislang sei man davon ausgegangen, dass Musikgenuss unter anderem dann entsteht, wenn der Hörer unerwartet eine gutklingende Stelle wahrnimmt. "Wir haben gezeigt, dass das so gar nicht stimmt", sagte Studienleiter Kölsch. Es sei entscheidend, in was für einer musikalischen Situation der Hörer von einer Tonfolge überrascht werde.

Ergänzend untersuchten die Wissenschaftler, wie das Gehirn von Probanden auf unterschiedliche Akkordfolgen reagiert. Dazu wurde während des Hörens die Hirnaktivität der Testpersonen mithilfe eines Magnetresonanztomografen gemessen. Dabei stellten die Forscher fest, dass der Hörgenuss der Probanden Auswirkungen auf drei verschiedene Gehirnregionen hatte. Ein vierter Bereich, der Nucleus accumbens, reagierte nicht wie erwartet auf den Hörgenuss per se. Sondern nur dann, wenn der Hörer besonders gespannt war, wie es weitergeht.

Quelle: n-tv.de, Valentin Frimmer, dpa

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