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Befunde bei Verstorbenen Wie Sars-CoV-2 den Weg ins Gehirn findet

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Scheinbar kann auch Sars-CoV-2 bis ins Gehirn gelangen.

(Foto: imago images/Alexander Limbach)

Sars-CoV-2 scheint im menschlichen Körper fast überall hinzugelangen. Um gesundheitliche Schäden in verschiedenen Organen abzuwehren, ist es nötig zu wissen, wie die Viren ihren Weg dorthin finden. Für das Gehirn scheint das Forschern jetzt gelungen zu sein.

Kopfschmerzen, Schwindel, Verlust von Geruchs- und Geschmacksinn: Solche Symptome deuten darauf hin, dass das neue Coronavirus auch das zentrale Nervensystem infizieren kann. Ein deutsches Forscherteam hat nun rekonstruiert, dass der Erreger Sars-CoV-2 wahrscheinlich durch die Nasenhöhle ins Gehirn gelangt. Eine Eintrittspforte sei die Riechschleimhaut, schreibt das Team um den Neuropathologen Frank Heppner von der Berliner Charité im Fachblatt "Nature Neuroscience" nach der Analyse von Gewebeproben verstorbener Covid-19-Patienten.

Mehr als ein Drittel der Covid-19-Patienten hätten neurologische Symptome wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Übelkeit und Geruchs- sowie Geschmacksverlust, schreiben die Forschenden. Von den insgesamt sieben Coronaviren, die den Menschen infizieren können, seien zwei bereits im zentralen Nervensystem nachgewiesen worden: Sars-CoV, das 2002/2003 eine Pandemie verursacht hatte, und das von der Arabischen Halbinsel stammende Mers-CoV.

Nachweise in verschiedenen Hirnarealen bei Verstorbenen

Nun analysierten die Forscher Gewebeproben von 33 Männern und Frauen, die im Mittel 72 Jahre alt waren und nach einer Covid-19-Erkrankung gestorben waren. Erbgut von Sars-CoV-2 und ein Protein der Virushülle wiesen sie mithilfe von Färbungen und Untersuchungen per Elektronenmikroskop in verschiedenen Hirnarealen nach. Am höchsten war die Viruslast in der Riechschleimhaut, die die Nasenhöhle im obersten Bereich auskleidet und mit dem zum Gehirn zählenden Riechkolben verbunden ist. Intakte Viruspartikel fanden die Forscher sowohl innerhalb der Nervenzellen als auch auf den Fortsätzen der dortigen Deckzellen.

"Auf Basis dieser Daten gehen wir davon aus, dass Sars-CoV-2 die Riechschleimhaut als Eintrittspforte ins Gehirn benutzen kann", wird Studienleiter Heppner in einer Mitteilung der Charité zitiert. "Von der Riechschleimhaut aus nutzt das Virus offenbar neuro-anatomische Verbindungen wie beispielsweise den Riechnerv, um das Gehirn zu erreichen."

Die Forscher vermuten, dass das Virus sich entlang von Nervenzellen ausbreitet, aber auch über die Blutgefäße transportiert werden kann. Ähnliche Verbreitungswege sind bereits bekannt für Herpes-simplex-Viren oder das Tollwut verursachende Rabiesvirus.

Viren im Hirnstamm gefunden

Zudem fanden die Forscher in der Riechschleimhaut und im Gehirn aktivierte Immunzellen und stellten in manchen Proben Gewebeschädigungen durch Schlaganfälle fest. Auffällig war auch der Nachweis der Viren im Hirnstamm, der unter anderem die Atmung steuert. Möglicherweise könne dies bei Patienten die Atemfunktion zusätzlich beeinträchtigen, spekulieren sie.

Das Team weist jedoch darauf hin, dass die untersuchten Gewebeproben nicht repräsentativ für eine Sars-CoV-2-Infektion sind. "Wichtig zu betonen ist aber, dass die von uns untersuchten Covid-19-Betroffenen per Definition - sie gehören zu der kleinen Gruppe von Patientinnen und Patienten, die letztlich daran versterben - einen schweren Verlauf gezeigt hatten", schränkt Heppner ein. "Die Ergebnisse unserer Studie können deshalb nicht zwangsläufig auf leichte oder mittelschwere Fälle übertragen werden."

Quelle: ntv.de, Walter Willems, dpa

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