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Royal mit Revoluzzerpotenzial Baby Sussex mischt Buckingham Palace auf

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Halb Brite, halb Amerikaner: "Baby Sussex" kann einen internationalen Stammbaum vorweisen.

(Foto: REUTERS)

Mit der Geburt des ersten Kindes von Prinz Harry und Herzogin Meghan zieht ein Royal in den Palast, der das Potenzial hat, das Könighaus in eine neue Ära zu führen. Aber auch die frisch gewordenen Eltern verkörpern einen neuen Typus.

Breit grinsend und mit einem Ausdruck des Erstaunens spricht ein junger Vater über die Geburt seines ersten Kindes und erzählt: "Dieses kleine Wesen ist es wert, dafür zu sterben. Ich bin überglücklich." Jedes Elternteil, das diesen Moment bereits einmal erleben durfte, kann verstehen, wovon Prinz Harry spricht. Der einstige Bad Boy der britischen Monarchie, der mit seinen Partyexzessen stets für Schlagzeilen sorgte, ist Vater geworden und wird sogleich zur Symbolfigur für einen neuen gesellschaftlichen Typus: den aktiven Vater.

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Freudestrahlend erzählt Prinz Harry von der "unglaublichen" Geburt seines "unglaublichen" Babys.

(Foto: imago images / i Images)

"Wie eine Frau das tut, was sie tut, ist unbegreiflich", sagt der 34-Jährige über die Entbindung seines Sohnes und erklärt, dass seine Ehefrau unter der Geburt "erstaunlich" gewesen sei. Diese Anerkennung richtet sich an alle Mütter, die zehn Monate ein neues Leben in ihrem Körper beherbergt und es mit einer Gewalt auf die Welt gebracht haben, die an die Substanz des menschlich Möglichen geht. Harrys Respekt und seine Anwesenheit während der Entbindung sind ein Merkmal des aktiven Vaters. Denn die Geburt gilt in unserer patriarchalen Gesellschaft als selbstverständlich und findet oft immer noch unter Ausschluss des Vaters statt. Persönliche Geburtsberichte und künstlerisch anspruchsvolle Fotografien, die die meist gewaltsame Entbindung dokumentieren, rücken das Thema aber mehr in den öffentlichen Fokus.

Frauen begeben sich während der Schwangerschaft und der Geburt in einen physischen und psychischen Ausnahmezustand. Doch nie zuvor wurde so viel öffentlich darüber diskutiert wie in den vergangenen Jahren. Als Herzogin Kate sich wenige Stunden nach der Geburt ihres dritten Kindes perfekt gestylt mit dem neugeborenen Prinz Louis auf dem Arm vor dem Londoner St. Mary's Hospital präsentiert hat, wurde Kritik laut. Sie verkläre das Bild einer soeben entbundenen Mutter und führe das Wochenbett ad absurdum, hieß es damals. Von Herzogin Meghan wird man solche Bilder nicht sehen, was einerseits daran liegen dürfte, dass sie keinen direkten Thronfolger auf die Welt gebracht hat und anderseits daran, dass sie ein anderer Typus Frau als ihre Schwägerin ist. Während Kate ihre drei Kinder im "Lindo Wing" des Londoner Krankenhauses zur Welt brachte, hat Meghan ihren Sohn ohne Presseauflauf entweder zu Hause oder in einer dem Frogmore Cottage nahegelegenen Klinik geboren. Zumindest zeigt sich Prinz Harry nun kurz nach der Entbindung auf dem Schlossgelände von Windsor Castle, wo das Paar lebt, und verkündet die Babynews.

Rosa oder Blau? Keine Frage!                                                                             

Frühere Medienberichte über eine geschlechtsneutrale Erziehung wies der sonst in Bezug auf pränatale Neuigkeiten so stille Kensington Palast zwar als "komplett falsch" zurück, dennoch wird Meghan bei der Erziehung ihres Kindes vermutlich von der gängigen royalen Strenge abweichen. Schon vor ihrer Hochzeit im vergangenen Mai engagierte sich die gelernte Schauspielerin für Frauenrechte und schrieb auf ihrem persönlichen Blog "The Tig" unter anderem über die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen. Daher wird erwartet, dass sie ihrem Sohn ein Verständnis für Geschlechtergerechtigkeit vermitteln wird. 

In der modernen Gesellschaft ist dieser Erziehungsstil zwar nicht revolutionär, für die als antiquiert geltende britische Monarchie dürfte diese Einstellung aber neu sein. Denn bei dem inzwischen fünf Jahre alten Prinzen George haben seine Eltern, Prinz William und Herzogin Kate, es verpasst, ein Konzept vorzulegen, das den heutigen Anforderungen an eine zeitgemäße Erziehung gerecht wird. Dementsprechend stammen sämtliche Erfahrungen mit der Erziehung eines Blaublüters von Prinz Charles und Prinzessin Diana aus den 80er-Jahren.

"Hoffnungsträger für gemischtethnische Menschen"

Das erste Kind des Herzogs und der Herzogin von Sussex ist nicht nur für den Mikrokosmos des Buckingham Palace eine relevante Person. Es ist Repräsentant für eine gesamtgesellschaftliche Veränderung innerhalb Großbritanniens. Der noch namenlose Junge, der Rang sieben in der Thronfolge einnimmt, ist der erste royale Spross, dessen Vorfahren von verschiedenen Kontinenten und aus unterschiedlichen Kulturen stammen. Meghan Markle wurde in Kalifornien geboren. Sie ist das Kind eines Amerikaners, dessen Familie Medienrecherchen zufolge im 18. Jahrhundert aus dem Elsass in die USA ausgewandert ist, und einer afroamerikanischen Mutter, deren Vorfahren als Sklaven auf Baumwollplantagen gearbeitet haben sollen. Markle selbst lebte während ihres Studiums einige Zeit in Argentinien und später in Kanada, das in ihrem offiziellen Porträt auf der Website des Buckingham Palace als ihre zweite Heimat bezeichnet wird.

"Baby Sussex" weist damit eine ähnliche Herkunft wie etwa jeder dritte Brite auf. Laut einer Studie der Europäischen Union haben rund 30 Prozent der britischen Bevölkerung einen Migrationshintergrund. Der "New York Times" zufolge bilden Kinder aus multinationalen Familien die am schnellsten wachsende Bevölkerungsgruppe in Großbritannien - und diese Entwicklung macht auch vor den Toren des Buckingham Palace nicht Halt. Die US-Journalistin Arianna Davis beschreibt den Jungen in einem Artikel für das "Oprah Magazine" als "Hoffnungsträger für viele gemischtethnische Menschen rund um den Globus" - auch wenn das eine große Bürde für seine kleinen Babyschultern sei.

Viele Kritiker der royalen Familie mögen der Meinung sein, der jüngste Nachwuchs im Königshaus sei an Irrelevanz kaum zu überbieten, doch "Baby Sussex" hat das Potenzial, die Lücke zwischen dem Volk und dem britischen Königshaus schrumpfen zu lassen und damit einen gesellschaftlichen Wandel einzuleiten. Zwar ist der Buckingham Palace in den vergangenen Jahren zunehmend für die Öffentlichkeit zugänglicher geworden, dennoch haftet der Eindruck der Unnahbarkeit an den Palastmauern. Möglicherweise kann dieser mit der Geburt von "Baby Sussex" korrigiert werden - einen großen Schritt dahin hat Prinz Harry mit seinem ungezwungenen ersten Statement zur Geburt seines Sohnes getan.

Quelle: n-tv.de

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