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"Moralische Verantwortung" Bonham Carter kritisiert "The Crown"-Macher

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In der Netflix-Show werde alles "dramatisiert", sagt Helena Bonham Carter.

(Foto: imago images/Cinema Publishers Collection)

Die vierte Staffel von "The Crown" sorgt wegen der unsympathischen Darstellung der Royals für Aufruhr. Helena Bonham Carter fordert Netflix deswegen auf, die Folgen mit Warnhinweisen zu versehen. Zuschauer könnten sonst nicht zwischen Fakten und Fiktion unterscheiden.

Die neue Staffel von "The Crown" sorgt derzeit für internationales Aufsehen. In der beliebten Netflix-Serie wird das Leben von Queen Elizabeth II. und ihrer Familie beleuchtet. Hauptsächlich geht es in der vierten Staffel um die Dreiecksbeziehung zwischen Prinz Charles, Prinzessin Diana und Camilla Parker Bowles.

Wie in den vorherigen Staffeln basieren die neuen Folgen auf realen Ereignissen - faktentreu sind sie aber nicht ganz. Logisch, schließlich können die Serienmacher nicht wissen, was genau sich im Kensington-Palast abspielt oder wie die einzelnen privaten Dialoge waren.

Dennoch verlangt Helena Bonham Carter einen Haftungsausschluss und Warnhinweise von Netflix. Der Streamingdienst habe eine "moralische Verantwortung", den Zuschauern mitzuteilen, dass sie keinen Dokumentarfilm, sondern ein Drama sehen.

Britische Politiker sind besorgt

Die Schauspielerin, die seit der dritten Staffel Prinzessin Margaret, die jüngere Schwester der Queen, verkörpert, sagte im offiziellen Podcast der Serie, dass es einen wichtigen Unterschied zwischen "unserer Version" und der "echten Version" gebe. "Es sind also zwei verschiedene Einheiten", sagte Bonham Carter weiter. Alles werde "dramatisiert". Die Recherche von Serienschöpfer Peter Morgan sei "erstaunlich", fügte sie hinzu. "Das ist der richtige Dokumentarfilm. Das ist toll und dann tauscht Peter die Dinge und jongliert damit."

Die vierte Staffel der Show hat aufgrund der unsympathischen Darstellung der Royals, insbesondere von Charles, für Aufruhr gesorgt. Der Kronprinz scheint sich darin wenig um seine immer unglücklicher werdende, an Bulimie erkrankte Ehefrau zu scheren und versucht nicht einmal, seine Affäre mit Camilla vor ihr geheim zu halten. In mehreren Szenen schreit er sie an, demütigt sie, lästert über sie und reagiert äußerst eifersüchtig auf ihre wachsende Beliebtheit beim britischen Volk. Experten befürchteten, der Ruf der Familie Windsor könnte dadurch geschädigt werden.

Der britische Kulturminister Oliver Dowden hat diese Bedenken bereits zum Ausdruck gebracht. Er werde aufgrund seiner größer werdenden Bedenken Netflix kontaktieren, sagte er der "Mail on Sunday". Der Ruf der königlichen Familie könne durch die fiktiven Szenen in der Show beschmutzt werden. Er fürchte, "dass eine Generation von Zuschauern, die diese Ereignisse nicht miterlebt hat, Fakten mit Fiktionen verwechseln könnte", warnte Dowden und forderte Warnhinweise.

"Akt der kreativen Fantasie"

Der Bruder von Prinzessin Diana, Earl Spencer, drängt ebenfalls auf Warnungen. "Ich denke, es würde 'The Crown' enorm helfen, wenn zu Beginn jeder Episode gesagt würde: 'Dies ist nicht wahr, aber es basiert auf einigen realen Ereignissen'", sagte er dem Sender ITV. Alles andere sei "unfair". Einigen Folgen der Serie, in denen Dianas Bulimie gezeigt wird, wurden bereits mit Warnhinweisen versehen.

Wie viele Zuschauer die Geschehnisse der Serie missinterpretieren, hat sich bereits bemerkbar gemacht: Die Kommentarfunktion des offiziellen Twitter-Kontos von Prinz Charles und Camilla wurde nach der letzten "The Crown"-Staffel abgeschaltet, nachdem das königliche Paar hasserfüllte Kommentare erhalten hatte.

Peter Morgan, der Schöpfer der Serie, verteidigt seine Arbeit schon seit Langem als einen "Akt der kreativen Fantasie". In einem Interview mit "The Times" gab er zu, dass "man manchmal die Genauigkeit aufgeben muss, aber niemals die Wahrheit aufgeben darf".

Quelle: ntv.de, lri

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